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Bereit zum Durchstarten

Experten trauen ihm eine große Karriere zu. Jürgen Doberstein kämpft am 26. Mai in St. Ingbert um die Deutsche Meisterschaft im Supermittelgewicht. Sein Trainer Sergej Ostrovski ist optimistisch: „Jürgen ist absolut stabil.“

Er ist selbstbewusst, zielstrebig und trainingsfleißig. Jürgen Doberstein (23) ist seit 2008 Boxprofi. In 13 Kämpfen konnte er elf Siege einfahren, ein Kampf endete Unentschieden und einen verlor der gebürtige Kasache.
Am 26. Mai kämpft der in Friedrichsthal wohnhafte Doberstein um die deutsche Meisterschaft im Supermittelgewicht. Es soll ein wichtiger Schritt in seiner noch jungen Karriere werden. Schließlich könnte er als deutscher Meister anschließend um die Europameisterschaft oder Junioren-WM boxen. Doch soweit denkt Jürgen Doberstein, der eigentlich als Juri Doberstein geboren wurde, noch nicht. „Ich bereite mich seit Januar auf die deutsche Meisterschaft vor. Ich konzentriere mich nur auf den nächsten Kampf, was danach kommt ist noch offen. Klar ist es mein Ziel, irgendwann der erste saarländische Weltmeister zu werden“, verrät er seine Zukunftspläne. Der Name Jürgen entstand übrigens, als seine Eltern den Namen bei der Beantragung des deutschen Passes abgeändert haben. „Als ich meinen Ausweis in den Händen hielt, wusste ich erst gar nicht, dass ich das sein soll“, erinnert er sich lachend.

Der Kampf, auf den er akribisch hinarbeitet, findet im Rahmen des Pfingstfestes des FC Viktoria 09 in St. Ingbert statt. Das St. Ingberter Betzentalstadion wird dann der Schauplatz sein, auf dem sich Doberstein und sein Gegner, Christian Pawlak, gegen Mitternacht duellieren. Seinen Gegner hat „Juri“ auch schon studiert.

„Ich werde versuchen, meinen Stil durchzubringen“

„Ich habe mir schon ein paar Videos auf YouTube angesehen. Er ist ein starker Gegner mit viel Erfahrung. Aber ich werde versuchen, meinen Stil durchzubringen und ihn in den zehn Runden zu besiegen“, spuckt der 23-Jährige keine großen Töne. Sein Umfeld gibt sich optimistisch, dass ihr Schützling gute Chancen auf die deutsche Meisterschaft hat. Sein Trainer, Sergej Ostrovski, spricht über die Stärken des Mannes, den er schon seit 1999 trainiert. „Eine große Stärke sind sicherlich seine Beine. Er bewegt sich gut im Ring und hat eine gute Ausdauer. Aber fast noch wichtiger ist, dass er im Kopf stark ist. Das Mentale ist im Boxsport das Wichtigste. Wenn da etwas nicht stimmt, dann hast du keine Chance. Und da ist Jürgen absolut stabil“, spricht der erfahrene Trainer über ihn.

Kampfeslustig: Jürgen „Juri“ Doberstein gilt als großes Talent. Der Trainer ist voll des Lobes für seinen Schützling.

1999, als Jürgen Doberstein gerade zehn Jahre alt war, trafen sich die Wege von Trainer und dem damaligen Boxanfänger beim BSV St. Ingbert. „Er ist sowas wie ein großer Bruder für mich. Er weiß alles von mir und ich vertraue ihm natürlich voll und ganz“, findet der Profiboxer lobende Worte für seinen Trainer. Seitdem durchlebten beide zusammen schon so manche Station als junger Boxer. „Als er Oberliga und Bundesliga in Heidelberg geboxt hat, sind wir mehrmals in der Woche zum Training nach Heidelberg gefahren und am selben Tag wieder zurück. Und das alles nach einem normalen Arbeitstag und über einen Zeitraum von zwei Jahren“, macht Ostrovski auf den Aufwand aufmerksam, den die beiden betreiben. Zuvor war Doberstein schon mehrfacher Saarland- und Südwestmeister. „Im Saarland hatte ich eigentlich nie richtig gute Gegner. Wenn man sich anschaut, wer auch dieses Jahr wieder bei den Saarlandmeisterschaften geboxt hat, dann sieht man auch, dass das Niveau hier nicht so hoch ist“, macht der Boxer auf die schwierige Situation des saarländischen Boxsports aufmerksam.

„Im Saarland hatte ich nie richtig gute Gegner“

2007 machte der Saarländer dann den nächsten Schritt in seiner jungen Karriere. Er ging nach Berlin und machte den wohl bekanntesten deutschen Boxstall auf sich aufmerksam. Er schloss einen Dreijahresvertrag beim Sauerland Event Boxstall ab und wurde Profi, nachdem er sich zuvor noch den Titel als Berliner Meister sicherte. So begann also seine Profikarriere 2008. Es folgten die ersten Kämpfe, alleine sieben Stück im Jahre 2008. Sechs davon konnte er gewinnen, nur einmal verlor er gegen Stefano Loriga. Doch sein Trainer relativiert das direkt. „In meinen Augen hat er eigentlich noch keinen Kampf verloren. Das ist manchmal das Schwierige mit den Punktrichtern.“ Auch in dieser Zeit, als Jürgen Doberstein unter Manfred Wolke und Rudi Fink in Frankfurt an der Oder trainierte, hielten Ostrovski und er Kontakt. „Wir haben täglich telefoniert und uns ausgetauscht. Natürlich waren meine Trainer erfahren. Manfred Wolke brachte Boxer wie Henry Maske oder Axel Schulz groß raus. Aber seine Meinung war mir auch immer wichtig“, stellt Doberstein klar.

2010 war dann klar, dass der auslaufende Vertrag Manfred Wolkes beim Sauerland Boxstall nicht verlängert wird. Auch der Vertrag von Jürgen Doberstein wurde nicht verlängert. Das ganze Profi-Boxcamp in Frankfurt an der Oder sollte geschlossen werden und nach Berlin, in den dort vorhandenen Boxstall, integriert werden. Nun stand Jürgen Doberstein vor einer schweren Entscheidung. Wie sollte es weitergehen mit seiner Karriere? Er entschied sich, ins Saarland heimzukehren und fand mit Oliver Heib, seinem heutigen Manager, einen Förderer.

Harte Arbeit: Der 23-jährige Doberstein trainiert täglich, um sein großes Ziel zu erreichen.

Heib ist Geschäftsführer der DOG Event & Boxing Company in St. Ingbert. Mit Jürgen Doberstein steht nur ein Boxer bei der jungen St. Ingberter Firma unter Vertrag. Doch das Team um den Boxer bemüht sich sehr, stellt Veranstaltungen wie eben die Deutsche Meisterschaft gegen Christian Pawlak auf die Beine. „Klar ist das jede Menge Arbeit. Wir müssen Sponsoren finden und alles Organisatorische klären. Wir haben in Neunkirchen in der alten Schlossbrauerei eine geeignete Halle zum Trainieren finden können und wollen hier Schritt für Schritt etwas aufbauen. Aber solche Veranstaltungen kosten eben viel Geld und die Gegner kommen auch nicht für lau. Wir hoffen natürlich auf jede Menge Publikum, dann können wir mit einen Plus-Minus-Null-Geschäft rechnen“, verrät Manager Oliver Heib. Er will sich mit der neu gegründeten Agentur einen Namen in der Boxszene machen. Endlich soll es auch im Saarland wieder mehr ums Boxen gehen. Der Weg, sich zu etablieren, ist lang, doch gemeinsam wollen Doberstein, Ostrovski, Heib und das dazugehörige Team ihn gehen. Der erste Schritt soll am 26. Mai gemacht werden.

Sein Gegner, Christian Pawlak, ist mit 32 Jahren ganze neun Jahre älter als Doberstein. Er hat bisher 17 Siege in 22 Kämpfen zu Buche stehen. Konditionell dürfte ihm der Saarländer, wenn es über die volle Distanz von zehn Runden geht, doch ein Stück überlegen sein. „Ich bin nicht immer auf den K.o. aus. Ich habe einfach Spaß am Boxen. Dazu muss ich auch nicht unbedingt jemanden K.o. schlagen. Ich habe keine Probleme, über die zehn Runden zu gehen. Ich laufe sehr viel, öfter mal zehn Kilometer unter 40 Minuten“, spricht der 23-Jährige über seine exzellente Fitness und Kondition. Auch das Gewicht macht ihm keine Probleme. 76,2 Kilogramm darf man im Supermittelgewicht wiegen, für den durchtrainierten Profi eine Leichtigkeit.

„Ich habe Spaß am Boxen, dazu muss ich nicht unbedingt jemanden K.o. schlagen“

Falls er nach dem 26. Mai den Titel des deutschen Meisters trägt, plant sein Team schon den nächsten Schritt. „Da müssen wir noch überlegen, beziehungsweise schauen, was machbar ist. Mit 23 Jahren kann Jürgen schließlich noch um die Junioren-WM boxen. Eine andere Möglichkeit wäre ein Europameisterschaftskampf, worauf er als deutscher Meister auch Anspruch hätte“, sind sich Sergej Ostrovski und Oliver Heib noch unsicher. Das Umfeld ist von einem Sieg des Profis gegen den aus dem nordrhein-westfälischen Espelkamp anreisenden Christian Pawlak überzeugt.

Nur der Boxer selbst gibt sich bescheiden. Schließlich hat er es auch alleine in der Hand, beziehungsweise in den Fäusten, wie seine Karriere weiter geht. Zehn Jahre will der sympathische St. Ingberter schließlich mindestens noch auf höchstem Niveau boxen.

Sebastian Feß

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