Die Frau der Ringe
Kultrocker Udo Lindenberg „schwört“ auf ihre Kunst. Die „Panikringe“, sagt er augenzwinkernd, hätten großenAnteil an seinem Erfolg. Für die ist Pe Giers verantwortlich – eine Saarbrücker Goldschmiedin, die ihre Meisterwerkstatt in Schwäbisch Gmünd betreibt.
Als Udo Lindenberg vor einiger Zeit gefragt wurde „Wie kamst du zu dem Ring, den du immer trägst?“, antwortete er: „Na ja, beste Voraussetzungen – als ich die Künstlerin zum ersten Mal traf, hieß sie Lindenberg. Später dann hab‘ ich mir ihre Kollektion angeschaut, und es war klar: Lass uns mal mehr von so Schmuckdingern machen.“ Lindenberg tritt nie ohne seinen Ring auf, und seine Schmuckdesignerin muss schon mal eine Nachtschicht einlegen, wenn der Maestro ganz panisch einen Ring braucht. Udo und Pe Giers sind sich augenzwinkernd einig, dass der Erfolg der letzten Jahre viel mit dem Talisman-Ring, den die Saarbrückerin dem Panik-rocker gewidmet hat, zu tun hat.

925er Silber, geschwärzt: Giers‘ Panikringe sind laufend nummeriert.
Als kleines Mädchen hat Pe Giers die Silberlöffel im Sandkasten versteckt, um damit zu spielen. Anhand der Reaktion der Familie stellte sie schon damals fest: „Silber muss etwas ganz Besonderes sein.“ Später als Teenager lief Pe Giers gerne mit ihren Hunden über die Felder im Saarland, wo die Familie die Wochenenden verbrachte. Wenn im Frühjahr oder im Herbst die Felder frisch gepflügt waren und der erste Regen vorbei war, konnte man überall Kristalle glitzern sehen. „Ich habe fiebrig gesammelt und Haufen von Bergkristall, Amethyst, Rauchquarz und Achatdrusen nach Hause geschleppt“, erinnert sie sich. Nach der Schule hat sie sich voller Bewunderung die Nase am Schaufenster des Saarbrücker Goldschmieds Grewenig in der Fröschengasse plattgedrückt. In ihrer jugendlichen Romantik hat sie sich die Kunst des Goldschmiedens als alchemistisches Wunderwerk vorgestellt. Gold schmieden, das war ihr früh klar, sollte ihre Lebensaufgabe werden.
Pe Giers wurde am 28. September 1962 in Saarbrücken geboren. Ihr Vater Hans Jürgen Ertle war Vorstandsvorsitzender bei Saarberg Interplan, ihre Mutter Heike Lindenberg arbeitete als Malerin, Maltherapeutin und Bühnenmalerin. Sie hat vier Geschwister und einen Sohn, Victor (21): „Ich stamme aus einer liebevollen Familie mit hohen moralischen Vorstellungen und vielen Turbulenzen, habe eine recht strenge Erziehung genossen und stets die großartigen Möglichkeiten zur Rebellion wahrgenommen. Dadurch bekam ich ein starkes Fundament und kräftige Flügel. Mein Vater war ein Stratege, meine Mutter ist eine Künstlerin. Ich habe vier großartige Geschwister, und Saarbrücken bleibt meine Heimatstadt.“
Das Gespräch findet in einem Café in Nancy statt und Giers ist noch begeistert von den Exponaten im Museum für Jugendstil, das sie gerade besuchte. Sie nippt an ihrem Café crème und beantwortet die Frage, die gar nicht gestellt wurde: „Ich war immer in kreativen Umfeldern, Freundschaften basierten oft auch auf gemeinschaftlicher Zusammenarbeit. Was mich inspiriert hat, habe ich geliebt. Die Natur, die Menschen in ihrer Vielseitigkeit, Gegensätze, Absurdes, fremde Kulturen und deren Kunst und handwerkliches Können, die Philosophien, besonders die offenen Fragen des Lebens, Geschichten und Mythologien und natürlich das Reisen und die Beweglichkeit, in jeder Beziehung. Ich habe viel Zeit an Theatern zugebracht, mit Malern, Dichtern, Musikern und habe einen großartigen Künstler geheiratet, Walter Giers, und habe einen Sohn mit ihm.“

Lindenberg und Giers sind sich augenzwinkernd einig: Der Ring hat großen Anteil am Udos Erfolg.
1979 machte sie ihre Mittlere Reife in Saarbrücken. Danach ging sie nach Pforzheim, besuchte dort bis 1981 die Goldschmiedeschule. Doch das wurde ihr zu eng, sie verbrachte die nächsten beiden Jahre in Spanien, Italien und Berlin. Danach verschlug es sie von 1983 bis 1985 zur Goldschmiedelehre nach Schwäbisch Gmünd. Später ging es zwei Jahre zu Frieder Nögge auf die Schauspielschule nach Stuttgart. Sie spielte Theater und kleinere Filmrollen, arbeitete als Fotomodell und kam wieder zurück zur Goldschmiedekunst. Denn der Schmuck ließ sie nicht mehr los. Zusammen mit Ehemann Walter Giers, dem Pionier der „Electronic Art“, entwickelte sie den „elektronischen Schmuck“. Sie war rastlos und aufnahmefähig. Ihre Kreativität und die damit verbundenen Themenfelder schienen grenzenlos zu sein. Bevor sie ihre Prüfung hatte, legte sie in der eigenen Werkstatt schon los. Für die Meisterprüfung mit Auszeichnung hatte sie erst 1995 Zeit. „Ich arbeite seit 1989 selbstständig in meinem Atelier in Schwäbisch Gmünd. Schwerpunkte meiner Arbeit sind Qualität, Individualität, Zeitgeist, Design und Tragbarkeit. Mein Lieblingsprodukt ist der Ring. In ihm vereint sich Schmückendes mit individuellem Symbolwert“, stellt sie klar.
Giers hatte Ausstellungen, auch gemeinsame Ausstellungen und Messebeteiligungen im „Museum of Contemporary Art“, New York, in Frankfurt bei „Ambiente“ und „Tendence“, in Essen auf der „Designers Connection“, in Leipzig auf der „Midora“, in München auf der Messe „Inhorgenta“, in Zürich „Blickfang“, in London „Collections“, in Berlin auf der „Invent“ sowie auch in Österreich und auch, nicht nur in Deutschland, in vielen Schmuckgalerien des zeitgenössischen Schmucks.
„Wie kam es zu diesem Erfolg? Da reicht es ja nicht aus, die Frau eines Künstlers mit einem ganz anderen Themenfeld zu sein.“ – „Literatur, Bildende Kunst und Opern begeistern mich vor allem durch die Hingabe, die darin steckt“, antwortet sie frei und offen, „eine authentische Arbeit ist ein Hochgenuss. Kunst kann Grenzen sprengen in den Köpfen der Betrachter, Sehgewohnheiten erweitern und unserer Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Im besten Fall kann sie sogar etwas langfristig positiv verändern. In der Kunst ist kein Stillstand möglich. In der Bewegung liegt die Kraft.“ Dann fügt Pe Giers hinzu: „Es ist immer wieder erforderlich, sich zu befreien und neu zu erschaffen. Doch das ist nicht möglich ohne den Verlust der eigenen Geschichte. Welchen Teil soll man zerschmettern, damit man nicht von einer Unfreiheit in die nächste Unfreiheit gerät? Das ist entscheidend, um nicht stehenzubleiben oder zum Sklaven zu werden. Kreativ zu sein, ist kein romantischer Traum, sondern harte, tägliche Arbeit.“
Die Möglichkeiten, die in der hervorragenden, jahrtausendealten Kunst der Steingravierung liegen, wurden ihr bei der ersten Begegnung mit Erwin Pauly aus Idar-Oberstein bewusst. Das war Ende der 80er-Jahre. Zu dieser Zeit waren Steingravierungen fast schon in die Abstellkammer des Vergessens geraten und diese Tatsache forderte sie heraus. Pe Giers suchte nach ihrem Weg im Schmuck, nach freien Feldern, unbeackertem Land, um etwas Eigenes schaffen zu können.
Im Bann der Steingravuren
Originalität ist unbedingte Basis und Bedingung dabei und natürlich auch Ausdruck einer gewissen Eitelkeit. Das unvergleichliche Können des Goldschmiedemeisters aus Idar-Oberstein und seine Begeisterung an der Materie haben sie gleich in den Bann gezogen und seitdem arbeiten die beiden zusammen. Gemeinsam haben sie diese großartige Kunst in fast 25 Jahren wiederbelebt.
Menschen begeistern sich an Geschichten, der Mythologie und Symbolen. Symbole sind Sinnbilder, einen tieferen Sinn andeutende Zeichen, meist aus zwei oder mehreren zusammengefügten Komponenten (Griechisch: symbolon). Es kann etwas Erdachtes sein oder etwas, das mit dem Glauben oder einem Kult zusammenhängt, es kann ein Code sein oder eine Liebeserklärung. Für den romantischen Symbolbegriff war Goethes Symbolbegriff maßgeblich: Er fasste das Symbol auf als „aufschließende Kraft“, die im Besonderen das Allgemeine und im Allgemeinen das Besondere darzustellen vermag, wie etwa Licht für Geist und Erkenntnis, das Göttliche: „Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.“
Schlendernd geht es weiter, über die Place Stanislas in Nancy. Diese Stadt besticht an jeder Ecke mit Kunst und Kreativität. Pe Giers bleibt nicht stehen. Nicht real, nicht symbolisch. „Ich muss mal wieder was Neues machen“, sagt sie und lächelt dabei vielsagend.
Rolf Klöckner

Das war ein tolles Gespräch mit Udos “Frau der Ringe”.Gesucht hatte ich sie in Hamburg, erfuhr dann, sie wohnt in Schwäbisch.Gmünd, schliesslich traf ich sie in Nancy…..Tolle Frau!
was für ein schöner Arikel Der Schmuck von Pe giers ist einfach umwerfend
Tina Götten
Super Artikel -Tolle Lebensgeschichte – Tolle Frau – Toller Schmuck !!!!
Tina Goetten
Gut geschrieben, Herr Klöckner! Sie haben ein authentisches Künstlerin- Portrait von Pe Giers
verfasst. Ich möchte noch auf ihre web-site hinweisen: http://pegiers.de/
…denn da gibt es einen ergänzenden Blick auf die aktuelle Schmuckkollektion.
Sehenswert***** !
Vielen Dank, Frau Wagner! Ich weiß, wie die Frau, so der Schmuck! Udo Lindenberg sagt dazu: GENITAL!!!!!
Ich möchte noch einen Hinweis geben: Frau der Ringe ist ein geschütztes Markenzeichen der Designerin Yvonne LesCrinier, welches hier versehentlich verwendet wurde.
http://www.frauderringe.de
Ich werde die Formulierung in Zukunft nicht mehr verwenden! Entschuldigen Sie bitte, Frau LesCrinier..