Feiern ohne Fusel
Billiger Fusel verursacht Kopfschmerzen. Wer an Fastnacht ausgiebig feiern will, sollte das bitte mit Geschmack machen. Zum bunten Narrenfest darf es ein guter Tropfen sein. Fettiges Essen kann ebenfalls helfen.
Die tollen Tage stehen vor der Tür. Und man muss kein ausgewiesener „Faasnachtsbooze“ sein, wir sind hier in einer Region, in der der Karneval Saison hat. Im Norden und Osten der Republik ist das anders, da hat jeder, der nicht will, die Chance, dass Karneval an ihm vorbeigeht. Doch im Westen und Süden unseres Landes gibt es kein Entkommen. Hier regiert das Prinzenpaar schon eine Weile und spätestens ab dem „Fetten Donnerstag“ hält der Wahnsinn Einzug in jede Amtsstube. Da werden die Rathäuser gestürmt und der Amtsschimmel vertrieben. Die Narren übernehmen das Kommando, die Schlipse werden abgesschnitten und nicht nur die Hexen lassen es in den Rathshäusern so richtig krachen. Dabei gibt es jährlich auch schwere Kollateralschäden. Wenn man das Wort so interpretiert, wie es der Duden macht, dass für eine (militärische) Aktion auch weitere, schwere Schäden entstehen, die in Kauf genommen werden. So hat sich schon im Volksmund auch das Bedürfnis artikuliert, dass am „Aschermittwoch“ alles vorbei sei. Und es ist ab einem bestimmten Zeitpunkt während dieser verrückten Tage oftmals ein befreiender Wunsch. Denn nach ausgelassenen Trinkinfernos über mehrere Tage ist der Kater vorprogrammiert. Eine sehr intensive Begegnung mit diesem Monster lässt sich allerdings sehr wohl vermeiden.

Um schnell weiter feiern zu können, gibt es einige Hausmittel gegen den Kater.
Es geht eigentlich schon im Vorfeld der Feierlichkeiten los. Wer sich am „Fetten Donnerstag“ nach einem kleinen Frühstück mit einem Marmeladenbrötchen und zwei Tassen Kaffee in die Feierlichkeiten stürzt, hat schon verloren. Da reichen schon zwei Crémants und ein paar Bier, um am nächsten Morgen für die schönen Stunden am Vortag zu büßen. Dabei ist es erwiesenermaßen auch so, dass die Qualität des Alkohols, den Sie getrunken haben, eine entscheidende Rolle spielt. Immer wieder höre ich von Bekannten und Freunden: „Bitte keinen Elsässer bestellen.“ So ein Quatsch! Im Elsass gibt es ganz hervorragende Winzer, die einzigartige Weine machen. Im Saarland gab es vor 20 Jahren aber mal Elsässer als Modeerscheinung. Und in dieser Zeit gab es preisgünstige, aber extrem geschwefelte Weine. Und die „Spezialisten“ tranken nur noch Elsässer. Vom leichten Pinot Noir, als Rosé ausgebaut bis zum (Edel)-Zwicker, der das Wort edel nicht verdiente, alle unter fünf Mark. Kopfwehwein, aber billig. Deshalb ist mir billig zu billig. Ein paar Euro mehr, und Sie haben einen guten Wein und am nächsten Tag kein Kopfweh. So sieht‘s aus! Denn, das Elsass war und ist ein großes Weinland und hat immer auch ganz große Weine produziert.
Wenn im Alkohol Methanol oder andere Fuselalkohole enthalten sind, führt das zu giftigen Zwischenprodukten, im Falle von Methanol zu Formaldehyd. Dies sorgt für entsprechende Vergiftungserscheinungen. Ein Kater entsteht, wenn nicht genügend Enzyme produziert werden, die schädliche Zwischenprodukte abbauen können. Dies ist auch der Grund, warum so mancher Asiate mit Alkohol erhebliche Probleme hat. So hat jeder zweite Japaner einen Gendefekt, der die Bildung des Enzyms Aldehyd-Dehydrogenase verhindert. Dazu entsteht beim Genuss von Alkohol ein Wasserverlust, die sogenannte Dehydrierung (Austrocknung). So ist es für jeden, der während seines Essens eine gute Flasche Wein, ob einen großen Riesling von der Saar oder ein großes Gewächs aus Bordeaux, bestellt, eine Selbstverständlichkeit, diese Gaben des Himmels mit einer oder mehreren Flaschen Wasser zu genießen. Ich habe es mir zu eigen gemacht bei einem Restaurantbesuch, noch bevor die Menüs und die Weine ausgewählt sind, Wasser zu bestellen. Und dies aus regionalen Quellen – die überzeugen mit ausgewogenen Mineralstoffgehalten.
Aber schön der Reihe nach. Wenn Sie sich also in den Karneval stürzen, gilt als erstes: Zuerst mal richtig fett essen. Thunfisch in Öl, Schweinebraten mit Salzkartoffeln und Gemüse, Spaghetti mit reichlich Käse sind nur die gängigsten Empfehlungen. Völlig gleich, bevor Sie feiern gehen, ist ein kleines Festmahl vonnöten. Dazu trinken Sie ein bis zwei Flaschen regionales Mineralwasser. Dann ab ins Vergnügen.

Saure Gurken und salzige Heringe gehören zu den altbewährten Hausmitteln gegen Brummschädel.
Während Sie dann ein Fest besuchen, können Sie weiterhin viel tun, um das Fest auch am nächsten Tage in bester Erinnerung zu behalten. Während der Feierlichkeiten picken Sie und picken Sie. Ob Oliven, Nüsse, Käsehäppchen, Brezeln oder Salzstangen. Das Salz bringt dem Körper wichtige Mineralien, die er zum Abbau des Alkohols benötigt. Dazu legen Sie auch immer wieder Pausen vom Alkohol ein oder trinken Sie ganz langsam. Denn jeder kennt das aus seinem Bekanntenkreis: Es gibt immer welche, die noch nie ein Fest bis zum Ende durchhielten. Weil sie, bevor es erst richtig losging, schon am Ende waren. Mein Freund, nennen wir ihn Serge, ist so einer. Er ruft mich nach jedem Fest am nächsten Morgen an und erwartet einen Bericht. Ich erzähle ihm dann von netten Kontakten oder neuen Bekanntschaften. „Wer ist Jasmin, Petra oder Kimberly?“, ist dann immer seine erste Frage. Die Damen kamen halt erst etwas später und Serge träumte da bereits zu Hause in seinem Bettchen.
Doch im Saarland und bei der Feierlaune der Menschen hier muss man auch auf den größten anzunehmenden Unfall (GAU) vorbereitet sein. Und das hat jetzt nichts mit dem Saar- oder Bliesgau zu tun. Schauen Sie sich nur das Landesparlament an. Kaum hat der Souverän, das Volk, seine Stimme abgegeben und die Politiker damit beauftragt, die nächsten fünf Jahre zu gestalten, sagen diese: „Nö, doch nicht, da müssen wir wieder neu wählen lassen.“ Was machen Sie jetzt, wenn Sie sich in nächster Zeit für eine erneute Wahl keinen Termin reserviert haben? Sie sehen, hier muss man immer von einem GAU ausgehen.
Wenn Sie also nach durchzechter Nacht glücklich in Ihrem Bett liegen, müssen Sie, im Falle von zu viel Alkohol, am nächsten Tag einige Regeln beachten. Oberstes Prinzip, um Ihren Körper wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen: Säure, Salz und Scharfes!
Säure fördert den Alkoholabbau, Salz ersetzt verlorene Mineralstoffe und scharfe Gewürze regen die Verdauung an. Beginnen sollten Sie den Tag mit viel Mineralwasser, weil der Alkohol Ihnen jede Menge Flüssigkeit entzogen hat. Sollten Sie auf einen Kaffee bestehen, dann einen Espresso mit reichlich Zitronensaft.
Säure, Salz, Scharfes und viel, viel Wasser konsumieren
Diese Kombination dämpft das Schmerzempfinden. Ein altes Hausrezept, das ich in Frankreich kennenlernte, ist die berühmte „Pariser Zwiebelsuppe“. Und zwar eine mit reichlich Käse überbacken. Die Zwiebel beruhigt den Magen, die Rindfleischbrühe fördert den Alkoholabbau.
Wer das nicht mag, kann sich mit sauren Gurken, eingelegten Heringen mit Pellkartoffeln, hartgekochten Eiern, Fleischsalat, aber auch mit einem üppigen Sauerkrauttopf mit salzigen Rippchen zurück ins Leben essen. Artischocken oder Artischockensaft unterstützen die Entgiftung des Körpers. Jeder hat da noch seine zusätzlichen Methoden, auf die er schwört. Immer wieder höre ich, die Schläfen mit Minze oder Menthol einzureiben, helfe. Achtung: Vermeiden Sie Marmeladenbrötchen am Morgen. Auch kein Kuchen oder süße Croissants. Zucker verschlimmert den Kater. Geben Sie dem Kater Säure, Salz und Scharfes.
Wenn dann die ersten Maßnahmen greifen, ab an die frische Luft. Machen Sie einen ausgedehnten Spaziergang, atmen sie viel Sauerstoff ein. Aber kehren Sie besser nicht in die nächsten Kneipe ein. Mein Freund Serge beispielsweise nimmt gern an solchen Kneipentreffen teil. Da er abends schon allzu früh schlummert, fühlt er sich morgens bereits fit genug, um an Ausnahmetagen wie Faasend in einer Kneipe am St. Johanner Markt die nächste Fete vorzubereiten.
Damit legt er die Grundlage für ein weiteres schnelles Ende des Tages. Denn er sagt: „Also, ich muss mich bei allen mal entschuldigen, dass ich gestern so früh weg war. Herr Wirt, machen Sie die erste Runde auf mich.“ •
Rolf Klöckner ist Ehrenmitglied des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Entscheidend für die Ernennung waren seine langjährigen und erfolgreichen Bemühungen, Kindern das Kochen als grundlegende Kulturtechnik zu vermitteln.
