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Im Dutzend williger

Der härteste Tennis-Zirkus aller Zeiten lässt die deutschen Herren hinter den Top Zwanzig zurück. Das Aus im Davis Cup gegen Argentinien verspricht keine wirkliche Besserung. Dabei ist der Verband in der Breite gut aufgestellt.

Down Under“ ging es mit Rückschlag für die deutschen Tennis-Herren in die Saison 2012: Florian Mayer, Platz 21 der ATP-Weltrangliste, gewählt zum „Deutschen Spieler 2011“, beschloss in Melbourne nach einem Härtetest, wegen eines Muskelfaserrisses nicht bei seinem Lieblings-Turnier anzutreten.

Das harte Training umsonst, das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres ohne die deutsche Nummer eins. Die Australian Open als schlechtes Omen fürs deutsche Herren-Tennis, dessen einstiges Spitzen-Trio – Kiefer, Haas, Schüttler – nach und nach abtritt? Die Fans bangen mehr und mehr um mindestens ebenbürtige Nachfolger.

Zahlreiche Verletzungen warfen Tommy Haas immer wieder zurück. Die Karriere des 33-Jährigen steht vor dem Ende.

Der 28-jährige Bayreuther könnte so einer werden. Gerade er. Noch und jetzt erst recht, nach seinem Sieg über Superstar Rafael Nadal im vergangenen Jahr. Sein Vorteil ist die Intensivbetreuung der A-Garde: Der komplette Stamm des Daviscup-Teams, Mayer, Kohlschreiber, Petzschner und Doppel-Spezialist Christopher Kas, konzentriert sich beim Bayerischen Landesverband. Am DTB-Bundesstützpunkt Oberhaching wird mit toughen Gegnern hart gearbeitet. Es gibt gute Trainer, die ihre A-Kader-Schützlinge auf den Turnieren begleiten.

So wie einst die Ex-Profis Andreas Maurer und Karl Meiler, die schon mit den 19- bis 21-jährigen Spielern des B-Kaders tourten. Nach Top-Plätzen bei den Junioren erwartete diese am 19. Geburtstag kein Loch. Michael Stich wurde durch die B-Kader-Förderung zur Lichtgestalt. Bevor das Interesse der Sponsoren am „weißen Sport“ bröckelte, leistete sich der Deutsche Tennisbund (DTB) dichte Unterstützung guter Nachrücker, die auf der Kante zum Profitum keinen Geldsack mitbrachten.

Damit deutsche Spieler mit den osteuropäischen Shootingstars mithalten können, ist Individualbetreuung notwendig, um die Hoffnungsträger auch mental auf Sieg zu trimmen: Solche Umsorgung der „B-Klasse“ käme mit jeweils Zehntausenden von Euro derzeit den DTB als Verband zu teuer. Die privaten Akademien älterer (Ex-)Profis bieten Ersatz – den finanziell leistungsstarken.

Seit 1999 standen Tommy Haas (33), Rainer Schüttler (35) und der 2011 zurückgetretene Nicolas Kiefer für das deutsche Herren-Tennis. Dessen Image schwächelte. Obwohl sie es auf die Plätze zwei, vier und fünf der Weltrangliste schafften, wurden die Mitt-Dreißiger stets als Debütanten wahrgenommen. Nie stießen sie Boris Becker und Michael Stich vom Heldensockel.

Haas (ATP 170) träumt noch von Platz 30 der Weltrangliste, freute sich in Melbourne schon mal über Abschiedsovationen. Schüttler, 132. der Welt, will sich 2013 mit 37 Jahren aus dem Zirkus verabschieden. Die potenziellen Nachfolger sind auch schon älter. Da ist Kohlschreiber (28), ATP-Rang 33. Das Viertelfinale in Melbourne verpasste der Augsburger knapp und kampfstark. Aktuelle Befindlichkeit: „Ich habe wieder Spaß am Tennis.“ Haas-Freund Petzschner, ebenfalls 28, fehlte bislang das Selbstvertrauen, um über Platz 56 und vier dritte Runden bei Grand-Slams hinauszukommen. Im Doppel räumte der Bayreuther hingegen zwei Grand-Slam-Titel ab: in Wimbledon 2010 und bei den US Open 2011. Das Problem ist: Die Mitt-Zwanziger glänzen mit Mittelmaß. Der Ravensburger Andreas Beck (25), zog seit 2008 mehrmals in die zweite Runde bei den wichtigen ATP-Turnieren ein, liegt deshalb aktuell auf Rang 87 der Weltrangliste.

Michael Stichs Schützling und Trainingspartner, Tobias Kamke (ATP 91, Spitzenplatz: 64 im Januar 2011), nahm sich Zeit fürs Abitur und die kritische Begutachtung der Profi-Tour, bevor der 26-jährige 2010 bis in die dritte Runde in Wimbledon vorschoss. In Newport erreichte der Lübecker 2011 erstmals ein ATP-Halbfinale. Die Australian Open 2012 als Fortsetzung der Erstrunden-Qualifikationen von 2011 des Münchners Matthias Bachinger (ATP 93). Nach einer großen Abzocke bei Grand-Slam-Turnieren sieht es auch für den 24-jährigen nicht aus. Der 25-jährige Stuttgarter Michael Berrer (ATP 105) freute sich 2011 über die erste Runde in Wimbledon, mehr noch über die dritte Runde bei den French Open. Rang 129 belegt Daniel Brands (24). Der Deggendorfer hatte 2010 mit seiner Achtelfinal-Teilnahme in Wimbledon aufhorchen lassen. Auf Position 134 findet man Björn Phau, der in Melbourne wieder einmal eine erste Runde bei ATP-Turnieren erreichte. Als Nachwuchs kann der 33-jährige Darmstädter nicht mehr gelten. Ein Dutzend deutscher Tennis-Träume zwischen Rang 21 und 170 der ATP-Weltrangliste. Starke Leistungen in einem noch härteren Umfeld, aber weit weg vom Spitzen-Trio. Florian Mayer war der ewige Druck, das unermüdliche Trainieren und Abgeprüft-Werden vor vier Jahren zu viel. Er fiel in ein Loch, konnte nicht mehr, hatte zu nichts mehr Lust. Nach einem halben Jahr Auszeit vom Tennis-Zirkus ging es dann wieder. Seine Burnout-Absenz weitete seinen Blick über die Courts hinaus. Er fühlt sich gefestigt, ist so stark, dass er es als einziger deutscher Spieler 2011 unter die Top Zwanzig schaffte. Beim Masters-Turnier in Shanghai besiegte er im vergangenen Oktober die Nummer Zwei der Welt, Rafael Nadal, im Achtelfinale. Doch im Davis Cup vor zwei Wochen gegen Argentinien war es wieder „wie immer“. Deutschland schied sang- und klanglos aus.

Annegret Handel-Kempf

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