Keine Rückkehr an die Saar
Seit Juli steht der ehemalige Saarbrücker Manuel Zeitz (21) nun beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag. Kleinere Verletzungsprobleme in der Vorbereitung auf die Saison 2011/12 warfen ihn etwas zurück, sodass er zunächst in der Regionalligamannschaft des „Clubs“ Spielpraxis sammelte. Ein Wechsel zurück zum 1. FC Saarbrücken schließt er aus.
In zwei der letzten drei Hinrundenspielen stand er im Kader des Bundesligisten. Und auch im Pokal nahm Zeitz gegen Erzgebirge Aue und die SpVgg Greuther Fürth auf der Bank Platz. Doch erste Minuten Bundesligaluft schnuppern und für sein neues Team in der Profimannschaft auflaufen, durfte er noch nicht.
Im Trainingslager im türkischen Belek war er jedoch mit dabei. „Natürlich habe ich gehofft, etwas öfter im Kader zu stehen. Das hofft halt jeder Fußballer. Ich sehe aber auch, welche Fortschritte ich im Training mache und wie ich mich Woche für Woche verbessere“, beschreibt der ehemalige FCS-Akteur seine aktuelle Situation. Nach dem Wechsel im Sommer dieses Jahres, vom Drittligisten Saarbrücken zum „Club“, plagten ihn in der Vorbereitung Hüftprobleme. Keine schlimme Verletzung, die den 21-Jährigen aber trotzdem einige Wochen zurückwarf. Fortan spielte er die komplette Hinrunde in der U23-Mannschaft des FCN in der Regionalliga Süd. „Auch bei den Spielen der Zweiten Mannschaft ist immer jemand aus dem Trainerstab vor Ort, sodass ich mich neben dem Training auch in diesen Spielen immer wieder für die Erste Mannschaft empfehlen kann“, weiß Zeitz.
Erstes Etappenziel hat er erreicht
Druck macht sich der junge gebürtige Völklinger allerdings keinen. „Ich will einfach meine Leistung zeigen, am Ende kann ich sowieso nicht über die Aufstellung entscheiden“, bleibt er motiviert. Nürnbergs Trainer Dieter Hecking weist ihn stets darauf hin, dass er geduldig auf seine Chance lauern muss. Zeitz selbst weiß um die erfahrene Konkurrenz auf seiner Lieblingsposition als Sechser. „Da spielt mit Timmy Simons der Kapitän der belgischen Nationalmannschaft. Von seiner Erfahrung profitiert natürlich die ganze Mannschaft. Da wir eine sehr junge Mannschaft haben, ist es natürlich schwer, an ihm vorbeizukommen“, ist sich der Defensivallrounder sicher. Simons, seit 2010 beim „Club“, ist inzwischen aber auch schon 35 Jahre alt, und der junge Saarländer kann mit seiner jugendlichen Frische sicher Pluspunkte sammeln. „Wie gesagt, einerseits kann ich es selbst nicht entscheiden, andererseits versuche ich mich immer weiter zu verbessern und den Trainer mit meiner Leistung zu überzeugen“, plant der ehrgeizige Zeitz.

Mit der Zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg spielt Manuel Zeitz in der Regionalliga.
Doch aus seiner Zeit beim 1. FC Saarbrücken (2004-2011) weiß man auch, dass er ein Allrounder im Defensivbereich ist und durchaus auch als Innenverteidiger agieren kann. Mit Philipp Wollscheid verlässt ein alter Weggefährte aus Saarbrücker und jetzt auch Nürnberger Zeiten den „Club“ im Sommer in Richtung Bayer 04 Leverkusen. Da wäre doch spätestens ab diesem Zeitpunkt ein Platz in der Startelf frei. „Naja, der Trainer sieht mich sicher auf beiden Positionen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass er mich eine ganze Saison als Innenverteidiger absolvieren lässt“, glaubt der 1,80 Meter große Völklinger nicht daran, der typische Spielertyp für die Abwehrzentrale zu sein.
Nach wie vor geht er selbstkritisch mit sich ins Gericht. „Der Trainingsbetrieb bei einem Bundesligisten war auch für mich eine Umstellung. Alles ist viel intensiver und kaum jemand macht mal einen Fehler. Es wird viel mehr an Kleinigkeiten gearbeitet“, beschreibt er den Unterschied zwischen Liga eins und drei. Er selbst findet auch immer Punkte, die er an seinem Spiel noch verbessern kann. „Ich könnte noch an meinem linken Fuß arbeiten. Da gibt es noch Luft nach oben. Auch körperlich muss ich noch einen Schritt nach vorne machen und an meiner Schnellkraft arbeiten“, nimmt sich Zeitz für das kommende Jahr vor. Den Urlaub in der Pause verbrachte er natürlich im Saarland. „Klar, ich bin die komplette Zeit wieder in der alten Heimat gewesen. Das habe ich einfach gebraucht.“ Doch auch für den 1. FC Saarbrücken kann sich der 21-Jährige nach wie vor begeistern. „Ich bin immer gut informiert. Ich rufe meinen jüngeren Bruder immer an. Er besucht schließlich jedes Heimspiel schon seit der Oberligazeit. Ich war auch schon zwei Begegnungen schauen, in Unterhaching und beim VfB Stuttgart II. Es ist ja immerhin mein Heimatverein und ich hoffe, dass sie eine ähnlich gute Rückrunde spielen und vielleicht noch etwas konstanter werden, um Platz drei halten zu können“, wünscht Zeitz seinen alten Kameraden.
Die Situation bei seinem neuen Verein ist durchaus ernster. Durch den überraschenden 3:0-Erfolg in Leverkusen konnte der Club den 15. Tabellenplatz, vor dem 1. FC Kaiserlautern, zur Winterpause sichern. „Uns war von Anfang an klar, dass es eine schwere Saison wird und wir wohl in erster Linie gegen den Abstieg spielen. Wir sind gut gestartet und die Erwartungen sind dann bei den Fans verständlicherweise schnell gestiegen.
„Das erste Spiel wird etwas Besonderes werden“
Leider hatten wir zwischendurch eine lange Durststrecke, wo uns in zehn oder elf Spielen nur ein Sieg gelang. Aber in der unteren Tabellenregion ist es allgemein relativ eng. Wir wollen zum Saisonende drei Mannschaften hinter uns lassen. Wenn wir zum Rückrundenauftakt gegen Hertha gewinnen, haben wir die auch schon wieder überholt“, analysiert er. Natürlich würde Zeitz dann am liebsten schon aktiv seinen Teil dazu betragen. Bisher konnte er nur von der Bank aus die beeindruckende Atmosphäre der Bundesligastadien aufschnappen. „Das erste Spiel wird schon was Besonderes werden. Da sind dann keine 2.000 Zuschauer mehr im Stadion und im Fernsehen werden die Spiele auch bundesweit übertragen. Das wird schon ein komisches Gefühl sein. Aber ich weiß ja aus den Trainingseinheiten mit der Mannschaft, dass ich mithalten kann“, freut sich der 21-Jährige schon sichtlich auf seine persönliche Premiere. 48.500 Zuschauer fasst das Nürnberger easyCredit-Stadion und ist stets gut gefüllt, wenn nicht gar ausverkauft. Seine trainingsfreie Zeit verbringt er oft mit seinem langjährigen Teamkollegen Mike Frantz, der schon 2008 vom 1. FC Saarbrücken zum 1. FC Nürnberg gewechselt ist. „Ich glaube, es gab keinen Tag bisher, an dem wir nichts zusammen unternommen haben. Aber insgesamt ist der Teamgeist super. Wir sind eine junge Mannschaft und gerade die jungen Spieler machen auch in der Freizeit viel zusammen“, verrät er.

Beim FCS avancierte das Eigengewächs zum Stammspieler.
Zwar gibt sich Manuel Zeitz noch etwas Zeit, doch ist ihm anzumerken, dass er auf seine ersten Einsätze brennt. Auf der Website seines Vereins gibt er in einem Steckbrief allen Jugendspielern auf den Weg, dass sie niemals aufgeben sollen, um ihr Ziel zu erreichen. Das gilt auch für ihn selbst. Deshalb war eine Rückkehr zum 1. FC Saarbrücken in der Winterpause nie ein Thema. Er ist ein Mensch ohne Starallüren, stets bodenständig und gibt in jedem Training sowie im Spiel stets alles. Auch wenn der Alltag Regionalliga Süd heißt. Mit dieser Einstellung und der Charakterstärke ist Manuel Zeitz schon jetzt ein echter Gewinn für den Club.
Sein erster Einsatz für die Franken scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. „Mir ist im Prinzip egal, gegen wen es dann soweit ist, oder wie der Spielstand ist. Natürlich hätte ich mich auch in Leverkusen schon über eine Einwechslung gefreut“, gibt er zu. Für sein erstes Tor im Dress der Nürnberger hat er einen besonderen Wunsch. „Am liebsten würde ich natürlich beim Rückspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern reinkommen und dann das entscheidende 1:0 machen“, wünscht er sich lachend. „Das hat natürlich nichts mit der saarländisch-pfälzischen Rivalität zu tun“, ergänzt er augenzwinkernd.
Für ihn geht es ganz sicher nur darum, einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt abzuschütteln.
Sebastian Feß
