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Film "Der letzte schöne Herbsttag"

Kinotipp: Zweifel an der großen Liebe

Claire und Leo sind ein sehr unterschiedliches Paar. In der spritzig-intelligenten und zugleich berührenden Komödie von Ralf Westhoff kämpfen sie um ihre Beziehung. „Der letzte schöne Herbsttag“ kommt am 11. November in unsere Kinos.

Zwei Jahre zusammen – und was dann? Irgendwann kommt in einer Beziehung der Punkt, an dem sich die Partner fragen, wie es weitergehen soll. Regisseur Ralf Westhoff erzählt in seinem Film „Der letzte schöne Herbsttag” die Geschichte zweier Menschen, die eigentlich besser zueinander passen, als sie es wahrhaben wollen. Dabei bedient sich Westhoff eines Stils, der fast schon ein wenig an eine Dokumentation erinnert.

Claire (Julia Koschitz) und Leo (Felix Hellmann) sind seit zwei Jahren ein Paar. Die beiden lieben sich – auch wenn sie sich auf den ersten Blick recht stark unterscheiden. Doch das gemeinsame Leben funktioniert gut. Im Kopf allerdings hat jeder eine andere Vorstellung von Partnerschaft, und so fragen sich beide, ob sie eigentlich mit ihrer Beziehung zufrieden sind. Claire schreibt Leo lange, romantische SMS, er hasst SMS und antwortet nicht. Sie fühlt sich nicht verstanden und denkt an Trennung.

Claire und Leo (Julia Koschitz und Felix Hellmann) gehen als Karotten verkleidet zum Maskenball.

„Der letzte schöne Herbsttag” zeigt die Beziehungsprobleme der Generation der Anfang-dreißig-Jährigen. Sie haben die Jahre der Partnersuche hinter sich, und unweigerlich stellt sich den Protagonisten die Frage, wie das weitere Leben verlaufen soll. Ist derjenige, mit dem ich zusammenlebe, wirklich der Richtige? Hatte ich nicht einmal andere Vorstellungen von einer Beziehung?

Wie schon in seinem Erstlingswerk „Shoppen” verwendet Regisseur Ralf Westhoff in „Der letzte schöne Herbsttag” den Monolog als Stilmittel. Über weite Strecken des Films sieht man die beiden Hauptdarsteller in Großaufnahme. Vor einem neutralen Hintergrund erzählen sie dem Zuschauer, alternativ einem Freund oder einem imaginären Paartherapeuten, von ihren Vorstellungen, wie eine Beziehung aussehen sollte. Belegt werden diese Aussagen durch Szenen aus dem Zusammenleben der beiden und aus Treffen von Leo mit einem Freund und Claire mit einer Freundin. Die Kamera ist dabei meist nah an den Darstellern, in der Wohnung, in der Kneipe oder auch auf der Straße.

Komik entsteht vor allem in den Monologen der Hauptdarsteller und den Dialogen der beiden. In einer Szene des Films zum Beispiel hat Claire Kostüme für eine Party genäht. Sie will sich selbst und ihren Freund als Mohrrüben verkleiden. Claire ist begeistert und tanzt in ihrem Kostüm durch die Wohnung. Leo wiederum ist nicht wirklich erbaut von der Aussicht, sich als Gemüse zu verkleiden. Sie merkt das und hat nun selbst keine Lust mehr auf die Party. Er macht eine Kehrtwendung und tröstet sie – und die beiden gehen als Möhren verkleidet aus. Leo trifft regelmäßig einen Freund und redet mit ihm fast nur über seine Partnerschaft. Irgendwann einmal trifft dieser Freund Claire – und sie ist total erstaunt, dass Leo immer nur über sie redet. Im Laufe des Films eskaliert der Konflikt zwischen beiden. Claire flieht schließlich zu ihrer Freundin, Leo vermisst sie und irrt auf der Suche nach ihr durch die Stadt. Claire geht mit ihrer Freundin tanzen. Die nimmt einen Mann mit nach Hause, und es kommt zu einem großen Missverständnis. Trotzdem endet der Film so, wie man es sich als Zuschauer für Claire und Leo erhofft: versöhnlich.

Die Hauptdarsteller Julia Koschitz und Felix Hellmann waren schon in Ralf Westhoffs Erstlingswerk „Shoppen” zu sehen, das sich mit dem Phänomen des Speed-Dating beschäftigt. Trotzdem ist „Der letzte schöne Herbsttag” nach Aussage des Regisseurs keine Fortsetzung – im Gegenteil: „Shoppen” sei Kritik an einer Single-Generation, deren Partnersuche ihrem Konsumverhalten gleiche, so Westhoff. Wenn der potenzielle Partner nicht passe, werde halt weitergesucht. In „Der letzte schöne Herbsttag” hingegen gehe es um eine Beziehung, in der die Partner nicht austauschbar seien; um zwei, die um ihre Liebe kämpfen. Eigentlich ist das ein altes Thema im Kino – aber Westhoff gewinnt diesem in seinem Film eine neue Seite ab. Den Juroren beim Filmfest München zumindest war „Der letzte schöne Herbsttag” bereits vor dem offiziellen Start am 11. November den Förderpreis Deutscher Film in der Kategorie Regie wert.

Wolfgang Lenders

Info:

Der letzte schöne Herbsttag
Komödie, Deutschland 2010.
Regie: Ralf Westhoff.
Drehbuch: Ralf Westhoff.
Kamera: Helmfried Kober.
Musik: Michael Heilrath.
Länge: 86 Minuten.
Darsteller: Claire (Julia Koschitz), Leo (Felix Hellmann), Ivonne (Katharina Marie Schubert), Tobias (Leopold Hornung).
Bundesweiter Kinostart: 11. November 2010.
Weitere Informationen:
www.derletzteschoeneherbsttag.x-verleih.de

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