Mensch und Mythos
Sie war das Sexsymbol der 1950er-Jahre und gilt auch heute noch als eine der schönsten Frauen der Welt:
Marilyn Monroe. Doch hinter der Glitzerfassade des Showgeschäfts verbarg sich eine zutiefst unsichere Frau, die schließlich am Leben zerbrach. Am 5. August 1962 starb sie mit nur 36 Jahren an einer Überdosis Schlaftabletten.
Der berühmteste Auftritt Marilyn Monroes ist eine Minute und 37 Sekunden lang: In einem hautengen Strasskleid steht sie umwerfend schön auf einer Bühne im Madison Square Garden in New York und haucht das legendäre „Happy Birthday“ für den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. An diesem Tag im Mai 1962 ist sie längst ein Superstar – eine Kunstfigur, erfunden und aufgebaut von den Machern der Traumfabrik Hollywood. Dahinter jedoch verbirgt sich eine Frau voller Angst und Selbstzweifel.
Am 1. Juni 1926 wird Marilyn als Norma Jean Mortensen in Los Angeles geboren. Der Vater ist unbekannt, die depressive Mutter ist überfordert, schiebt das Kind ab. Norma wächst bei mehreren Pflegeeltern und in Waisenhäusern auf. Diese Erfahrungen bleiben als tiefe Unsicherheit in ihrer Persönlichkeit verwurzelt.
Wahrscheinlich um ihrem bisherigen Leben zu entfliehen, heiratet sie mit 16 Jahren den 21-jährigen James Dougherty, der kurz nach der Heirat zur Kriegsmarine eingezogen wird. Norma nimmt einen Job bei einer Rüstungsfirma an, wo sie 1945 von Armeefotografen als Fotomodell entdeckt wird. Schnell avanciert sie zum beliebten Pin-Up-Girl und lässt sich auf Anraten ihrer Agentur die brünetten Haare blondieren. Ihre Ehe steht vor dem Aus, 1946 wird das Paar geschieden. Im gleichen Jahr engagiert das renommierte Filmstudio „20th Century Fox“ Norma Jean als Nachwuchsschauspielerin und verlangt, dass sie ihren Namen ändert. Norma wählt den Mädchennamen ihrer Mutter: Monroe. Die Idee für den neuen Vornamen kommt ihr, als einer der Filmemacher sie mit der Schauspielerin Marilyn Miller vergleicht.
Den Studiobossen wird schnell klar, dass sie einen zukünftigen Star vor sich haben: Nach anfänglichen kleinen Rollen lassen sie die mittlerweile 24-Jährige einen Sieben-Jahres-Vertrag unterschreiben und kreieren den Typ der blonden, naiven Sexbombe. 1952 kommt dann der Durchbruch mit dem Film „Blondinen bevorzugt“, mehrere Kassenschlager folgen. Marilyn ist mit dem Image der Sexbombe aber nicht zufrieden, sehnt sich nach Charakterrollen und nimmt Schauspielunterricht, zuletzt im legendären „Actors Studio“ von Lee Strasberg in New York. Doch Hollywood hält am Rollenklischee fest.
Marilyn erleidet drei Fehlgeburten und schluckt Tabletten
Mit 27 Jahren heiratet Marilyn den Baseballstar Joe di Maggio, die Ehe wird aber schon bald wegen di Maggios krankhafter Eifersucht geschieden.
1956 ehelicht Marilyn dann den berühmten Dramatiker Arthur Miller. Doch dieses Glück währt nur kurz: Marilyn erleidet drei Fehlgeburten und greift immer häufiger zu Tabletten, mit denen sie schon seit Jahren ihre Ängste und Unsicherheiten zu betäuben versucht. 1961 wird die Ehe geschieden. Marilyn werden zeitlebens Affären nachgesagt, auch mit John F. Kennedy. Neun Wochen nach ihrem Geburtstagsständchen für den Präsidenten wird sie in ihrem Haus tot aufgefunden. Offizielle Todesursache: Selbstmord.
Eine bis heute grassierende Verschwörungstheorie dagegen glaubt, Kennedy hätte wegen der Affäre mit Marilyn um sein Amt gefürchtet und den Mord in Auftrag gegeben. Marilyn Monroe jedenfalls wurde durch ihren frühen Tod endgültig zum Mythos.
Heike Sutor
