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22 Stil Kindermode 1

Mode für die Kleinen

Wie der Vater, so der Sohn: Jungs können sich heute so kleiden wie der Vater – lässig mit Röhrenjeans und Printshirt. Oder Mädchen wie die Mama im Minirock. Doch nicht immer ist alles auch kinderfreundlich.

Wenn die Stars Wert auf etwas legen, wird es meist ein Modetrend, dem die breite Gesellschaft schnell folgt. Spätestens seit die Sängerin und Modeikone Madonna oder der Skandalschauspieler Charlie Sheen Kindermode herausgebracht haben, steht fest, dass der Nachwuchs eine wichtige Zielgruppe geworden ist. Eltern achten immer mehr auf hippe Kleidung für die Kleinen. „In den vergangenen fünf, sechs Jahren ist der Markt für Kindermode extrem gewachsen“, berichtet Susan Kohlmorgen, Designerin für Kindermode aus Berlin. Mittlerweile haben daher auch viele bekannte Modeunternehmen Kindersachen im Programm, oftmals stark angelehnt an die Mode der Großen. Doch hier gehen die Meinungen von vielen Eltern und Designern auseinander: Sollte ein Kind sich wie ein Kind anziehen oder auch mal Erwachsener spielen?

Können Kinder sich in den engen Jeans, die dem Modell der Mama ähneln, gut auf dem Schulhof bewegen? Ist eine Lederjacke das Richtige für den Spielplatz? Die Boutiquenbesitzerin Barbara Frères aus Düsseldorf antwortet, nach dem Kaufkriterium ihrer kleinen Kunden gefragt, so: „Oft entscheiden sich die Kinder für den gleichen Stil und die Marken, die auch ihre Eltern tragen.“ Daher orientiere sich ihre Kinderkollektion an den Trends der Erwachsenenkleidung – derzeit etwa mit Schnitten der 50er- und 60er-Jahre. Für Mädchen sind das etwa Tüll- und Reifröcke.

United Colors of Benetton steckt Kinder in lässige Shorts mit coolen Karo- oder Blümchenhemden.

So übertrieben muss es nicht immer sein: C&A zeigt für Mutter und Tochter gleichermaßen bequeme Freizeitkombinationen, etwa weiße Shorts und Blümchenblusen. Während die Mama das Oberteil bauchfrei hochgeknotet trägt, ist das Teil für die Tochter züchtig lang. Und United Colors of Benetton hat Jungenklamotten für den Sommer im Angebot, die so auch von den größeren Jungs getragen werden könnten: Lässige Shorts mit coolen Karo- und Blümchenhemden oder Shirts mit großen Schriftzügen.

Den Trend zum Mini-Ich belegt auch eine Studie der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“. 60 Prozent der befragten Einkaufsverantwortlichen aus dem Kindermode-Fachhandel haben beobachtet, dass Kinder dasselbe tragen wollen wie ihre Eltern. Und fast alle Befragten stimmten der Aussage zu, dass sich Kinder mit zunehmendem Alter von den Kollektionen angesprochen fühlen, die sich an den Looks der Erwachsenen orientieren, berichtet Redakteurin Andrea Hackenberg.

Viele Designer wollen sich mit diesem Trend, vor allem seinen Auswüchsen, aber nicht anfreunden. „Kinder sollten wie Kinder angezogen sein, nicht wie kleine Erwachsene“, sagt die Designerin Jutta Jung aus Karlsruhe vom Label „Early Fish“. Und die Designerin Anne Sofie Tobiasen vom dänischen Label „Serendipity“ erläutert: „Bei unseren Stücken orientieren wir uns nicht so sehr an aktuellen Modetrends.“ Wichtiger sei es, dass die Sachen kindgerecht und angenehm zu tragen sind. Natürliche Farben, fließende Formen, zarte Muster bietet sie daher an.

„Eigentlich haben Kinder ganz ähnliche Ansprüche wie professionelle Tänzer: Sie müssen sich leicht bewegen können und dabei gut aussehen“, erläutert die Designerin Susan Kohlmorgen vom Label „Susiko“. Auf die Idee, etwas Eigenes zu entwerfen, kam sie, wie viele Designer im Kinderbereich, als sie Mutter wurde und ihr die Sachen nicht gefielen, die es für Kinder zu kaufen gab.

Wert hat sie daher bei ihrer Kollektion darauf gelegt, dass die Stücke sowohl auf dem Spielplatz, als auch im Alltag und bei Feierlichkeiten getragen werden können. Vor allem aber müsse die Kleidung Kinderaugen zum Leuchten bringen können – also außergewöhnlich sein. So sind manche Stücke ihrer Kollektion so verspielt gestaltet, dass Kinder damit auch ohne Weiteres bei einer Theateraufführung auf der Bühne stehen könnten.
Jutta Jung achtet neben Form und Farbe auch darauf, dass die Sachen ökologisch sind: „Ich verwende Biobaumwolle. Schließlich liegen die Stoffe direkt auf der Haut, Kinder nehmen vielleicht mal einen Ärmel in den Mund. Formaldehyd, Schwermetalle oder andere Gifte haben in Kindersachen absolut nichts verloren.“ Doch langweilig sollten die Stücke deswegen nicht sein, sondern bunt und mit kindgerechten Details und Mustern. „Ich wollte zeigen, dass sich bunt und nachhaltig nicht ausschließen“, sagt die Designerin.

Cornelia Wolter

  1. Alex

    Deutschland ist was die Kindermode anbelangt im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern ein wenig zurückhaltender.
    In Italien sind die Eltern beispielsweise bereits deutlich modebewusster was die Kindermode angeht – daher werden dort auch vermehrt teure Kindersachen von Designer gekauft. Deutschland hat diesbezüglich noch viel Potential nach oben.

  2. Laura

    Also ich finde es nicht so gut, wenn Kinder sich am Look der Eltern orientieren. Kindgerechte Kleidung muss auch spielplatztauglich sein. Bevor ich da hunderte von Euro für Markensachen ausgebe und mein Kind kommt mit schmutzigen oder zerissenen Sachen zurück, gehe ich lieber zu Kik. Da kann sich der Kleine auf dem Spielplatz austoben wie er will.
    Für die Schule oder für besondere Anlässe gehört sich natürlich eine gute modische Kleidung.
    Und was mir aufgefallen ist: Die Kinder heutzutage tragen solch teure Sachen, weil sie sich ja gar nicht mehr richtig austoben können bzw. dreckig werden. Von der Schule heimgekommen, geht es nicht nach draußen zum Spielen, sondern es wird sich massenhaft vor Fernseher, PC oder Konsole gesetzt. Da ist es dann verständlich, dass die Sachen nicht den “kindergerechten Verschleiß” aufweisen.

    LG Laura

  3. Esprit Blusen

    Hallo,
    ich finde das Thema gutgewählt und sollte definitiv noch vertieft werden. Sicherlich wurde die Kindermode in DE nicht in dem Umfang vorgenommen wie es in anderen europäischen Ländern vorgenommen wurde, dazu braucht man sich nur Spanien, Niederland, Italien und nicht zu guter Letzt Frankreich anschauen.

    Ich würde es nicht unbedingt behaupten, dass die Eltern in diesen Länder modebewusster sind, sondern die Modedesigner zeigen selber Interesse für diese Nische und möchten ihre eigenen Moden zu etablieren. Die Designer und Labels aus Deutschland können definitiv hier noch aufholen.
    Was ich schrecklich finde sind solche Kinderkleider einen ähnlichen oder sogar gleichen Look wie die der Erwachsenen haben. Meine Neffen haben solche Kinderkleider und ich finde es wirklich schrecklich.

    Vielleicht ändert sich das in den kommenden Jahren. Vielleicht bringt auch Esprit usw. mehr Kindermoden raus.

    LG

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