Zu Ehren des Meister­detektivs
Zu Ehren des Meister­detektivs
18. Juli 2014

Sherlock-Holmes-Fans aufgepasst: Die Deutsche Sherlock Holmes Gesellschaft bringt die SherloCon 2014 vom 8. bis 10. August nach Saarbrücken. Der 160. „Geburtstag“ des exzentrischen Detektivs wird mit einer unterhaltsamen Mischung aus fesselndem Krimidinner, Fachvorträgen, kreativen Rollenspielen und theatralischen Lesungen gefeiert.

Schon die erste Sherlock Holmes Convention im Jahr 2012 sei ein voller Erfolg gewesen, berichten Nicole Glücklich und Silvia Meier bei der Vorstellung des diesjährigen Programms in den thematisch passenden Räumlichkeiten des Saarbrücker „Baker Street Pub & Tearooms“. „Die fand im gemütlichen Eifelstädtchen Hillesheim statt, dieses Jahr soll Saarbrücken der Ort des Krimi-Geschehens werden“, sagt Nicole Glücklich, die ihre Vorfreude kaum verbergen kann. „Vor zwei Jahren ist es uns gelungen, neben alte Hasen in Sachen Sherlock Holmes auch junge Fans der neuen BBC-Serie ‚Sherlock‘ in die Eifel zu locken. Viele kamen sogar stilecht in historischen Kostümen, das sorgte für ein ganz besonderes Flair“, schwärmt Silvia Meier aus Basel. Beide sind aktive Mitglieder der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft, kurz DSHG, und gemeinsam mit Olaf Maurer die treibenden Kräfte hinter der SherloCon.

Holmes-Fans schon im 19. Jahrhundert

Die neu gegründete Gesellschaft habe sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an eine der bekanntesten Literaturschöpfungen der Welt und damit auch an das spätviktorianische Zeitalter aufrechtzuerhalten, erklärt Nicole Glücklich. „England hat in dieser Zeit einen ganz eigenen Stil entwickelt, den wollen wir leben und erleben, vor allem aber einem breiten Publikum näherbringen. Darum organisieren wir regelmäßig Treffen, tauschen uns auf internationaler Ebene mit anderen Gesellschaften aus oder besuchen Romanschauplätze wie die berühmten Reichenbachfälle in der Schweiz“, fügt Silvia Meier hinzu. Sherlock-Holmes-Gesellschaften können sich einer langen Tradition rühmen. Die erste wurde bereits zu Beginn des des 19. Jahrhunderts von deutschen Studenten in Nürnberg gegründet. Seither entstanden überall auf der Welt Zusammenschlüsse von Anhängern des Meisterdetektivs aus der Baker Street 221b im Herzen Londons.

Die erste Geschichte von Holmes-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle erschien 1887. Der britische Arzt und Schriftsteller schrieb neben 56 Kurzgeschichten vier Romane über die Spürnase und seinen Adlatus Dr. Watson. Seither wurden unzählige Pastiches, also Fortsetzungen und Erzählungen zu Sherlock Holmes, von anderen Autoren verfasst. Außerdem gibt es eine stetig wachsende Internetgemeinde, die Geschichten fleißig weiterspinnt und mit immer neuen Abenteuern aufwartet. Die sorgen in Fan- und Fachkreisen natürlich für reichlich Gesprächs- und Diskussionsstoff. Wann das exakte Geburtsjahr sei oder wie das Wohnzimmer des Detektivs in der Baker Street wohl eingerichtet war, erhitze immer noch so manches Sherlockianer-Gemüt, erzählt Nicole Glücklich schmunzelnd. Sie sei sich jedenfalls ganz sicher, dass Holmes im Jahr 1854 das Licht der Welt erblickte.

Zudem gilt er als der meist verfilmte Literaturheld. „Seine Popularität ist ungebrochen“, betont die 31-Jährige. Insbesondere aktuellen Neuverfilmungen verdanke die DSHG neue Mitglieder. Die fänden über diesen Umweg zu den Originalgeschichten.

Wie sie den genialen Detektiv mit dem besonderen Spürsinn für sich entdeckt habe und was den Reiz ausmache, erklärt Silvia Meier so: „Holmes ist eben ein faszinierender Charakter, dem man sich einfach nicht entziehen kann“, meint die Baslerin. „In der Bibliothek greift man neugierig zu einem Roman von Doyle, man ist gepackt und ab diesem Moment ist man Sherlockianer. Ich habe mit elf Jahren angefangen, seitdem beschäftige ich mich fast täglich mit Sherlock Holmes“, erzählt sie begeistert. Die Begeisterung reicht sogar so weit, dass sich Silvia Meier und Nicole Glücklich derzeit ein stilechtes Sherlock-Holmes-Zimmer einrichten. Die Suche nach viktorianischen Möbeln und historisch korrekten Accessoires führt sie schon mal auf Londoner Antikmärkte, denn auf Authentizität legen alle Sherlockianer besonders großen Wert.

Authentisch und keineswegs klamaukig soll die SherloCon 2014 werden. Das zweite Augustwochenende wird spannend, versprechen die Organisatoren. Los geht es am Freitag mit einem Pub-Quiz in der „Baker Street“, bevor der erste Höhepunkt ansteht: Eine Live-Lesung der Hörtheatrale Marburg im „Domicil Leidinger“. Kopfkino für große und kleine Krimifans ist angesagt, wenn Daniel Sempf vom Hessischen Landestheater und sein Schauspielerkollege Stefan Gille zwei knifflige Fälle lösen.

Live-Lesung der Hörtheatrale Marburg

Das 2009 gegründete Hörtheater kommt minimalistisch daher. Lichteffekte, Stimmkunst und perfekt choreografierte Geräusche sind die einzigen Ingredienzien, die Sherlock Holmes und Konsorten greifbar machen werden. Zu hören gibt es „Die tanzenden Männchen“ und „Der Teufelsfuß“. Toll gesprochen mit einer faszinierenden Klanglandschaft, die es dem Hörer erlaubt, einzutauchen in das neblig-düstere und zugleich prächtige London einer längst vergangenen Epoche. Ab 22 Uhr heißt es dann „Rien ne va plus“, wenn beim anschließenden Casinoabend zu Roulette und Blackjack geladen wird. Die erspielten Chips können gegen Sherlock-Holmes-Preise wie Bücher, DVDs und Hörspiele eingetauscht werden.

Der Samstag beginnt mit einem Vortrag zum Thema Bartitsu, einer Selbstverteidigungskunst, die sich zwischen 1898 und 1902 in England entwickelt hat. Nach Doyles Beschreibung handelt es sich um eine Mischung aus Jiu Jitsu, dem schweizerischen Schwingen, Elementen des Boxens und Stockfechten. Wie man sich lediglich mit einem Spazierstock in der Hand Angreifer vom Halse halten kann, vermittelt Ingo Litschka, Lehrer für historisches Fechten. Selbstverständlich ist Mitmachen erwünscht. Am Sonntag dürfen Interessierte unter fachkundiger Anleitung selbst einmal den Stock schwingen. Neben einem Flohmarkt und einer kleinen Verlagsmesse findet noch ein weiterer Vortrag mit den führenden Sherlockianern Deutschlands statt, bevor ab 19 Uhr „Der geheimnisvolle Tote“ auf dem Spielplan des Krimidinners steht. Darauf freut sich Nicole Glücklich besonders, ist das Stück schließlich ihrer kreativen Feder entsprungen.

Anlass des festlichen Dinners an diesem Abend im Jahre 1894 ist eine Zusammenkunft der Londoner Literatengesellschaft, die zu Ehren von Dr. Watson stattfindet. Der bekannte Mediziner, der die Fälle des seit drei Jahren als tot geltenden Sherlock Holmes der Öffentlichkeit bekannt machte, soll für seine Verdienste um den Kriminalroman ausgezeichnet werden. Doch was eine schöne Feier hätte werden sollen, wird von einem blutigen Mord überschattet, dessen Aufklärung ohne den Meisterdetektiv zu scheitern droht. Nun liegt es an den Gästen und einem besonderen Überraschungsgast, den Mordfall aufzuklären und den Mörder seiner gerechten Strafe zuzuführen. Der Abend klingt um Mitternacht mit einer kleinen Séance aus, vielleicht gelingt den Gästen die Heraufbeschwörung des Geistes von Sir Arthur Conan Doyle.

Am Sonntag endet die zweite SherloCon mit dem oben erwähnten Bartitsu-Workshop, weiteren Lesungen und der Verleihung des Blauen Karfunkels 2014, einer Auszeichnung der Deutschen-Sherlock-Holmes-Gesellschaft für die besten Veröffentlichungen des Jahres. Eröffnet wird der letzte Veranstaltungstag wieder mit einem Krimifrühstück im „Domicil Leidinger“. Der Mainzer Autor Peter Jakob wird dann aus seinen Holmes-Büchern lesen, die im Saarbrücker Gollenstein Verlag erscheinen. „Eventuell dürfen wir dieses Jahr sogar gemeinsam mit ihm in seinen neuen Roman reinschnuppern“, hoffen die beiden Organisatorinnen. Die Besucher dürfen jedenfalls gespannt sein.

Von Michael Werndorff

Info:

Tickets sind unter anderem im Online-Ticket-Store erhältlich.

Noch ein Hinweis:
Die Tickets mit den Hotel-Arrangements sollten frühzeitig gebucht werden, da diese nur in begrenzter Anzahl erhältlich sind. Tagestickets sind bereits zum Preis von 17.50 Euro erhältlich. Das SherloCon-Wochenende plus Dinner kostet 130 Euro.

Infos zum kompletten Programm finden Sie unter:
www.sherlocon.info.

Weitere Links:
www.bakerstreetsb.de,
www.saarland-dinner.de,
www.domicil-leidinger.de,
www.bartitsu.org,
www.diehoertheatrale.de,
www.sherlock-holmes-gesellschaft.de




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