Ich liebe es, unterwegs zu sein
Ich liebe es, unterwegs zu sein
17. Juli 2015

Lena Meyer-Landrut landet mit ihrem „Satellite“ in Saarbrücken. Die 24-Jährige ist Top-Act beim „Halberg Open Air 2015“, das am Freitag, 24. Juli, vor dem Funkhaus des Saarländischen Rundfunks steigt. Im FORUM-Gespräch blickt die Sängerin auf ihren „Eurovision Song Contest“-Sieg 2010 zurück, plaudert über ihr Schulzeit und aktuelle Pläne.

Nach Lenas Sieg beim „Eurovision Song Contest 2010“ war Deutschland in den vergangenen Jahren beim Musik-Wettbewerb nur wenig erfolgreich. Auch die saarländische Sängerin Ela und ihre Band Elaiza landeten 2014 trotz großer Vorschuss-Lorbeeren nur auf Platz 18 und Ann Sophie wurde dieses Jahr sogar Letzte: „Ich glaube, das hat viel mit Glück zu tun. Viel damit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Da kann man gar nicht so richtig sagen: Das ist der Song oder die Person“, überlegt Lena nach den Ursachen nach dem schlechten Abschneiden gefragt und ergänzt: „Es ist ja auch eine Spaß-Veranstaltung, die man nicht so ernst nehmen sollte.“ Sie will dagegen auf keinen Fall noch mal beim „ESC“ antreten.

Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort

Lange Zeit war sie damals der Ansicht, dass auch ihr Erfolg ausschließlich Glück war. Heute steht für sie fest: „Man bekommt auf jeden Fall Selbstbewusstsein dazu, wenn man für etwas arbeitet und dann damit auch erfolgreich ist.“ Das trifft auf jeden Fall auch auf ihr neues, viertes Album „Crystal Sky“ zu, das von Null auf Platz zwei in die Charts eingestiegen ist: „Ich bin superhappy“, freut sie sich.

Das neue Werk ist das erste, auf dem die 24-Jährige, deren Casting-Show-Vertrag nun ausgelaufen ist, sich künstlerisch frei entfalten und ihre „musikalischen Visionen“ ausleben konnte: „Ich wollte es diesmal elektronischer, noch ausgefallener, meinen persönlichen Musikgeschmack noch mehr ausleben“, erklärt sie. Zwar habe sie weiterhin Pop machen wollen, der die Leute erreicht, um nicht am Ende „verkopft im Keller“ zu spielen. Dennoch habe sie verstärkt ihren künstlerischen Anspruch mit einbringen können.

Ihre Songs schreibt sie nicht nur alleine

Die Titel sind unter Mitwirkung zahlreicher renommierter Songwriter und Produzenten entstanden, die bereits für Musikgrößen wie Lady Gaga, Madonna und Ellie Goulding tätig waren: „Es macht natürlich auch einfach Spaß, selbst im kreativen Prozess mit beteiligt zu sein“, erklärt Lena. Wie die Ideen zu ihren Songs entstehen, sei immer situationsabhängig. Es passiere aber eher, wenn sie sich wirklich hinsetzen würde, um zu schreiben und jemanden treffe, der sagt: „Komm, lass uns mal was überlegen“. „Es ist ehrlich gesagt selten, dass ich einen Geistesblitz habe und mir was aufschreibe oder so“, verrät sie. Besonders ihre Zusammenarbeit mit Jonny Coffer, der bereits für Sam Smith, Emili Sandé & Co. tätig war, habe sie nachhaltig geprägt: „Der Typ ist die volle Ladung kreativer, absurder Wahnsinn.“

Stolz ist Lena auch darauf, dass viele Fans ihr über die Jahre treu geblieben sind und quasi mit ihr erwachsen wurden: „Aber es kommen halt auch immer wieder neue dazu, weil ich einfach eine junge Zielgruppe habe. Und dann fängt man, glaube ich, mit jedem neuen Album oder neuen Songs immer auch neue Leute“, überlegt sie.

Zu dem kürzlichen Entschluss ihres Entdeckers Stefan Raab, seine TV-Karriere zu beenden, möchte sich Lena im Interview lieber nicht äußern. Und auch auf die Frage, ob sie nach ihrem Sieg mit ihrem Schützling bei der aktuellen „The Voice Kids“-Staffel weiterhin als Coach in der Casting-Show mitmacht, entgegnet sie: „Das ist noch nicht sicher. Das wird erst dann entschieden, wenn sozusagen der Sender auf mich zukommt und sich dann alle zusammensetzen und darüber sprechen, wie es weitergeht.“

Neben ihrer Gesangskarriere hat Lena in den vergangenen Jahren auch als Schauspielerin sowie Synchron-Sprecherin gearbeitet und Shelly in dem Film „Sammys Abenteuer – die Suche nach der geheimen Passage“ und Jane in „Tarzan 3D“ ihre Stimme geliehen. Außerdem nahm sie Kinderlieder, unter anderem für die „Sesamstraße“ und das Projekt „Giraffenaffen“ auf. Im Interview verrät die 24-Jährige , dass diesbezüglich zurzeit kein weiterer Song geplant ist: „Das war ja auch in der Vergangenheit relativ viel. Das muss man ja nicht übertreiben.“ Stattdessen steht für sie fest: „Im Moment kümmere mich erst mal um mein Album und gehe dann auf Tour und so.“

Bei den vergangenen Auftritten der Hannoveranerin in unserer Region kamen immer wieder Gerüchte hoch, sie habe hier angeblich Verwandte. Doch im Interview stellt Lena klar: „Ich bin im Saarland, wenn ich Auftritte habe oder in eine Show gehe. Aber ich habe jetzt keine Freunde oder eine persönliche Bindung zum Saarland.“

Beim „Halberg Open Air“ feiert Lena nun mit Tausenden von Jugendlichen aus der Region in die Sommerferien: „So ein Fest gab es nicht, aber wir haben natürlich unter uns gefeiert“, blickt sie auf diesen Moment ihrer eigenen Schulzeit zurück und erinnert sich weiter: „Mein Lieblingsfach war Sport. Und Hassfächer waren alle, die mit Mathematik zu tun haben. Also Physik, Chemie, Mathe. Das war alles sehr schlimm…“ Zudem hat sie in dieser Zeit – im Gegensatz zu heute – gerne Ballett, Jazz und Show Dance getanzt: „Aber wenn ich unter der Dusche bin und Musik an habe, dann tanze ich…“, ergänzt sie grinsend.


Apropos nass – nass geschwitzt: Was ist, wenn es beim „Halberg Open Air“-Auftritt wieder so warm ist, wie bei der kürzlichen extremen Hitzewelle? „Also Alkohol würde ich jetzt zum Beispiel nicht empfehlen“, sagt sie grinsend und ergänzt: „Wasser ist da immer ganz gut. Nicht so viel vor dem Auftritt essen, wenn es so warm ist. Eher danach, in der großen Gruppe sich zusammen eine Pizza reinfahren. Sonst ist es auf der Bühne ein bisschen schwierig.“

„Ich finde meinen Job total gut“

Wenn sie unterwegs ist und arbeitet, stehe sie mit ihren Musikern übrigens nicht nur bei den Auftritten zusammen auf der Bühne, sondern esse auch mit ihnen zusammen und verbringe mit der Band gemeinsam den Tag. Privat zieht sie sich dagegen gerne mal in ihre eigenen vier Wände zurück und bevorzuge „ganz normale Sachen“. Lena: „An freien Tagen mache ich das, was alle anderen dann auch machen: Ich treffe mich mit Freunden, gehe einkaufen, mit dem Hund spazieren.“ Nach dem „ESC“-Rummel sei ihr Leben nun wieder etwas ruhiger und entspannter geworden: „Da war einfach der Mega-Amok“, blickt sie zurück. „Aber ich finde meinen Job ja total gut. Ich liebe es, unterwegs zu sein. Sonst würde ich das auch nicht machen. Ich finde das ganz toll und mir macht das riesig viel Spaß.“

Marko Völke

 

 

INFO:
Der geplante Ablauf des „Halberg Open Air“ am 24. Juli in Saarbrücken:
12:00 Uhr: Axel Weber & viele mehr
12:40 Uhr: One Way Ticket
13:25 Uhr: Oh Captain! My Captain!
14:10 Uhr: Nicole Cross
14:55 Uhr: Ferris MC
16:00 Uhr: Die Orsons
17:00 Uhr: Liont Support T-Zon
18:10 Uhr: Glasperlenspiel
19:15 Uhr: Lena (bis 20:15 Uhr)
Änderungen und zeitliche Verschiebungen sind möglich.

 

KOPF DER WOCHE;  Jürgen Bohr
Jürgen Bohr hat schon unzählige Stars auf den Halberg geholt. Der SR1-Musikredakteur arbeitet seit 1985 bei dem Kult-Festival mit. Gute persönliche Kontakte zu den Managements und Plattenfirmen sind dabei das A und O: „Entscheidend ist es, die Bands im richtigen Augenblick zu buchen, bevor sie richtig durchstarten“, sagt der Niederwürzbacher. Für die Zukunft des „Halberg Open Airs“ wünscht sich der 60-Jährige einen „ganz besonderen Act aus England oder Amerika“.

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