Schlemmen wie bei Großmutter
Schlemmen wie bei Großmutter
3. März 2017

Die Gaststätte „Altes Haus“ in St. Arnual ist seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt für ein gepflegtes Feierabendbier, gute Hausmannskost und unterhaltsame Gespräche. Corina Nöther führt diese Tradition seit Jahren weiter.

Den dörflichen Charakter hat sich Saarbrückens Stadtteil St. Arnual bewahrt. Und irgendwie ist es auch wie ein Dorf in der Stadt geblieben. Die alten „Daarler“, wie die Bewohner dieses Stadtteils heißen, reden auch immer vom Unter- und Oberdorf. Nirgendwo im Stadtgebiet wurden mit so viel Liebe alte Bauernhäuser renoviert wie in diesem Stadtteil.


Eines dieser herrlichen Bauernhäuser steht in der Julius-Kiefer-Straße 31 und wurde zu einem beliebten Treffpunkt vom ersten Tag an. Familie Grimm schloss hier vor 33 Jahren zum ersten Mal die Tür zur Gastwirtschaft auf. Und den Gästen gefiel es vom ersten Tag an. Seitdem hat dieses Haus eine ganz besondere Anziehungskraft. Wirtschaft, Bistrot, (Künstler)treff? Ich weiß es nicht genau. Dieses Gasthaus hat jedenfalls einige Besonderheiten. Die Öffnungszeiten – das Haus öffnet an fünf Tagen um 17 Uhr – gab es vom ersten Tag an. Hier trifft man Freunde nach der Arbeit und bestellt ein Getränk mehr als anderswo. Ein idealer Treffpunkt zum „Klönen“, Essen und Trinken.

Seit sechs Jahren heißt die Chefin hier Corina Nöther. Und sie hat so gut wie nichts verändert, sie hat den Charakter des Hauses so gelassen, wie Familie Grimm ihn schuf. Weil’s hier so gemütlich ist. Am Tresen, einer wuchtigen, polierten Baumscheibe, lässt es sich entspannt in den Feierabend hinein plaudern. Bei einem Crémant von Emile Böckel aus dem elsässischen Mittelbergheim oder einem frisch gezapften Urpils. Auf den Bistrot-Tischen im rustikalen Raum mit den Natursteinwänden und allerlei historischem Zubehör rund ums Pferd wird gute Hausmannskost serviert. An kalten Tagen flackert im gemauerten Kamin­ofen hinter Glas ein echtes Holzfeuer.

Als Wirtin Corina Nöther hier zum ersten Mal reinkam, war sie vom Alten Haus gleich begeistert: „Hier ist es gemütlich, das gefällt mir. Diese Gastronomie passt zu mir.“ Die neue Frau im alten Gemäuer mit den signifikanten blau-weißen Fensterläden war von Anfang an zuversichtlich. Klein, schnuckelig, mit Charme, guter Atmosphäre – ein Ort der Kommunikation. Das Haus verfügt noch über ein Nebenzimmer für etwa 20 Personen und einen herrlichen Biergarten.

Ab 17 Uhr bietet Corina ihren Gästen am Tresen auch kleine, feine Leckereien an: hauchdünn geschnittener Wildschweinschinken mit einem Glas Grauburgunder vom saarländischen Weinhaus Karl Petgen etwa. Weitere Kleinigkeiten wie etwa eine Scheibe Paté oder ein Stück Quiche Lorraine können Thekengäste den ganzen Abend über hier bestellen. Und Nachtschwärmer finden auf dieser Fingerfood-Karte auch nach 22 Uhr, wenn die Gasthausküche geschlossen ist, sicherlich noch etwas Entsprechendes zum Absacken. Einen kleinen Käseteller zum geschmackvollen Roten vom Weingut Schneider aus der Pfalz etwa. Die Daarler Antwort auf die spanische Tapaskultur.

Den aktuellen Tagestipp notiert Corina Nöther auf einem goldgerahmten Spiegel. Pikanter Rindfleischsalat mit knusprigen Bratkartoffeln oder geschmortes Kaninchen könnten dort stehen, aber auch Chicken Wings mit einer kräftigen Note Knoblauch. Natürlich Dibbelabbes mit Apfelkompott oder auch mal Kalbsrahmschnitzel mit Bratkartoffeln und einem bunten Salat.

Zum „Alten Haus“ gehört auch der kleine verwunschene Biergarten. Er versteckt sich unter einer alten Platane und hinter hohen Hecken, die zur Straße hin schützen. Für die Sommer-Events sind dort Flammkuchen-Abende angesagt aus einem Spezialofen.

Private Feiern an
den Wochenenden

Diesen Spezialofen können auch Gesellschaften mieten, die im Nebenzimmer des kleinen denkmalgeschützten Hauses feiern. Der steht dann draußen auf der dazugehörigen Terrasse. Drinnen finden 20 Gäste im eleganten Ambiente an zwei großen Tischen Platz – bei stimmungsvollem Kerzenlicht. An einer kleinen Bar kann der Aperitif gemixt oder der Espresso ausgeschenkt werden. Am Wochenende, wenn die Gastronomie des „Alten Hauses“ Ruhetag hat, können im Übrigen die rustikalen Räumlichkeiten im historischen Gebäude auch für private Feste reserviert werden. Dann wird aus- und umgeräumt, sodass inklusive der Plätze am Tresen etwa 40 Personen in diesem gemütlichen Ambiente einen besonderen Geburtstag oder ein wichtiges Jubiläum feiern können.


In der Küche steht vom ersten Tag seit Corina Nöthers Übernahme Jutta Zapf-Klein. Sie kocht eine verlässliche Küche, wie die Gäste sie mögen. Mit all den Spezialitäten, die an Großmutters Küche erinnern. Von den kleinen Schmankerln, etwa Sülze mit Bratkartoffeln und Salat, zwei Scampi-Spieße auf Nudelbett und Salat oder auch Cordon Bleu mit Münsterkäse sowie argentinisches Rumpsteak mit Zwiebeln, Bratkartoffeln und Salat.

Die Weinkarte ist die Chefin selbst, sagt sie. Hinterm Tresen, auf Glasscheiben, sind die Kreszenzen annonciert. Doch Corina Nöther bietet ihren Gästen bei der Auswahl selbstverständlich ihren Rat an. Sie bezieht ihre Weine aus dem Fachhandel, einer ihrer Lieferanten ist Dirk Mast. Dieser sitzt heute im Nebenzimmer und stellt Gästen einige Weine vor. Alle Brotsorten hier stammen von Stefan Anstadt. Freitags ist hier auch Brotverkauf. Da können sich die Gäste mit Anstadts Broten fürs Wochenende eindecken.

Das Gastronomiegeschäft ist heute schwieriger als vor 30 Jahren. Deshalb muss der Betreiber mit besonderen Einfällen auffallen. Im „Alten Haus“ gibt es die Veranstaltungsreihe „10 nach 10“. Einmal im Monat spielt hier eine Musikgruppe auf. Start ist immer zu späterer Stunde, um 22.10 Uhr. Die Künstlerin Patricia Jäger hat die Lampen bemalt, stellt hier regelmäßig aus. Wenn besondere Events anstehen, wird das Gasthaus mit viel Liebe dekoriert. Dafür verantwortlich ist Rainer Eifler.

Im Sommer finden im Biergarten immer wieder Veranstaltungen statt. Dabei wird ein Gastkoch eingeladen, der den Gästen dann seine Spezialitäten präsentiert. Stillstand ist Rückschritt, deshalb ruhen sie sich hier nicht auf den Lorbeeren von gestern aus. Corina Nöther merkt dazu an: „Wenn man heutzutage in der Gastronomie Erfolg haben will, muss man sich anders aufstellen als früher. Nur aufsperren und da sein ist zu wenig.“



Rolf Klöckner ist Ehrenmitglied des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Entscheidend für die Ernennung waren seine langjährigen und erfolgreichen Bemühungen, Kindern das Kochen als grundlegende Kulturtechnik zu vermitteln.

 

 

INFO:
Altes Haus
Corina Nöther
Julius-Kiefer-Straße 31
66119 Saarbrücken
Telefon 0681-6861170
www.alteshaus-sanktarnual.de
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 17 bis 1 Uhr
Sa. und So. geschlossen

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