Klettern für Jung und Alt
Klettern für Jung und Alt
9. Mai 2014

Der Ire Stephen Roche gewann im Jahr 1987 den Giro d’Italia. Dies brachte ihm die Aufnahme in die Hall of Fame. Dabei hätten ihn die Italiener damals am liebsten aus dem Land gejagt. Nachdem Roche seinen eigenen Teamkollegen, den in Führung liegenden Italiener Roberto Visentini, attackiert hatte, musste er von Sicherheitskräften und Kollegen vor Übergriffen der erbosten Tifosi geschützt werden. 

Stephen Roches Sohn Nicolas bestritt 20 Jahre später seinen bislang einzigen Giro d’Italia. Als er erfuhr, dass der Giro 2014 in Belfast starten würde, bat er seine Teamleitung, ihm eine zweite Teilnahme zu ermöglichen. „Als Kind hätte ich mir niemals träumen lassen, dass ich einmal eine der großen Rundfahrten in Irland bestreiten könnte“, freut sich Nicolas Roche, der als Bergspezialist aber wohl keine Chance haben wird, sich in seiner Heimat in Szene zu setzen. Anders sieht es bei Marcel Kittel aus. „Unser Ziel ist es, beim Giro d’Italia auf Etappensiege zu fahren und zu Beginn gibt es da einige Möglichkeiten auf den Flachetappen“, so der deutsche Sprinter, der nach Tageserfolgen in Frankreich und Spanien nun Sprintsiege bei der dritten großen Landesrundfahrt anpeilt. Neben Kittel werden unter anderem die Deutschen Johannes Fröhlinger, Simon Geschke sowie ein weiterer berühmter Name am Start stehen: Björn Thurau geht für die französische Equipe Europcar ins Rennen.

Als Stephen Roche 1987 am vorletzten Giro-Tag seinen Gesamtsieg durch einen Erfolg im Einzelzeitfahren zementierte, rollte Thuraus Vater „Didi“ zeitgleich mit dem Iren über den Zielstrich. Während Björn Thurau bei seiner Giro-Premiere die Rolle eines Helfers übernehmen wird, werden Roche junior immerhin Außenseiterchancen auf den Gesamtsieg eingeräumt. Der erweiterte Favoritenkreis setzt sich ansonsten aus Routiniers zusammen, die alle bereits mindestens eine dreiwöchige Landesrundfahrt gewonnen haben: Cadel Evans (37 Jahre), Ryder Hesjedal (33), Ivan Basso (36) und Michele Scarponi (34) wollen es im Spätherbst ihrer Karriere noch einmal wissen. Vorjahressieger Vincenzo Nibali wird ihnen nicht in die Quere kommen, er hat seinen Fokus auf die Tour de France ausgerichtet, wo er der erste italienische Gesamtsieger seit Marco Pantani 1998 werden will. Fest steht, dass die Teilnehmer des Giro mal wieder ihre Kletterkünste unter Beweis stellen müssen, wollen sie nach 21 Etappen und insgesamt 3.450 Kilometern das große Ziel in Triest erreichen. Nach drei Tagen auf der Grünen Insel warten in Italien nicht weniger als neun Bergankünfte auf die Fahrer, davon fünf im Hochgebirge. Dazu kommen ein Mannschaftszeitfahren zum Auftakt am 9. Mai, zwei Einzelzeitfahren, wovon eines ebenfalls bergauf führt, und ein paar wenige Flach- und Mittelgebirgsetappen.  Als Topfavoriten auf den Gewinn des „Maglia Rosa“ gelten der 36 Jahre alte Spanier Joaquín Rodriguez und der 24-jährige Kolumbianer Nairo Quintana. Die beiden Kontrahenten könnten unterschiedlicher kaum sein. Als Rodriguez seinen ersten Giro d’Italia bestritt, fuhr Quintana noch mit einem 20 Kilogramm schweren Fahrrad durch die kolumbianischen Anden zur Schule. Nun will Rodriguez alles daransetzen, seinen ersten und vielleicht letzten Rundfahrtsieg zu erringen.

Der Überraschungszweite der letzten Tour de France, Quintana, kommt dagegen eigentlich zum Erfahrungen sammeln. Zu Uneinigkeiten wie einst bei Roche senior und Visentini wird es dabei nicht kommen, denn auch Quintanas Teamkollege und eigentlicher Kapitän Alessandro Valverde verzichtet zugunsten der Tour auf eine Giro-Teilnahme. Visentini hatte Roche einst versprochen, ihn bei der Tour zu unterstützen, wenn sich der Ire beim Giro in den Dienst des Italieners stellen würde.

Roche war jedoch schlau genug, diesen Deal nicht einzugehen. Er hatte herausbekommen, dass Visentini für den Tour-Monat Juli bereits Urlaub gebucht hatte.


Andreas Ganz

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