Die kunterbunte Welt der Fashion-Blogs
Die kunterbunte Welt der Fashion-Blogs
31. Januar 2014

Blogger sind die neuen Stars am Modehimmel. Die bekanntesten unter ihnen sitzen neben Modejournalisten und Stars in den Front Rows der Fashion-Shows. FORUM hat sich angeschaut, warum Blogs bei Lesern wie Labels so beliebt sind und besuchte Bloggerin Andrea Funk aus Saarbrücken.

Am Anfang war das Wort. Dann kamen immer häufiger Fotos und später auch Videos hinzu.Blogs sind meist multimedial. Das ist ihr Vorteil und ihr Anreiz. Der Trend des Bloggens stammt aus den USA. Hier werden junge Blogger von Designern oder Kosmetik-Konzernen bereits seit Jahren in die Mode-Szene integriert. Wo uns einst Supermodels oder Schauspieler anlächelten, zieren nun immer häufiger Blogger die Cover renommierter Magazine. Oftmals sind sie sogar in das Design neuer Entwürfe integriert. So zum Beispiel Tavi Gevinson, die mit ihrem Blog Style Rookie täglich über 70.000 Modefans weltweit erreicht.

Allein in Deutschland existieren nach Schätzung des Dienstes Blogcensus etwa 125.000 Blogs, die täglich aktualisiert werden. Die Qualität variiert jedoch sehr stark. Es gibt Blogs, die ohne Fotos beziehungsweise mit Fotos in schlechter Qualität und sehr kurzen Texten berichten und solche mit mitreißenden, flüssig geschriebenen Berichten und hochwertigem Bildmaterial.

Die Präsentation ist ebenso vielfältig wie Qualität und Themen. Viele Blogger entscheiden sich für eine eigene Website. Andere wiederum posten ihre Beiträge auf Portalen wie Pinkmelon oder aber einem Youtube-Channel.

Fashion- und Beauty-Blogs: Große Gefahr für Mode-Elite und Hochglanzmagazine?

Blogs bieten einige Vorteile gegenüber dicken, teuren Hochglanzmagazinen.

Mode-Blogger stellen oft schon wenige Stunden nach den Modenschauen Fotos der Outfits, Gäste und Kulisse online. Der Leser muss nicht mehrere Wochen warten, bis er einen Eindruck von den Shows erhaschen kann. Im Gegensatz zum stillen Blättern in Modemagazinen herrscht auf Mode-Blogs ein lebendiger Austausch: Es darf nach Herzenslust bewertet, kommentiert, diskutiert werden.

Während der Leser nicht nachvollziehen kann, warum in Fachmagazinen dieses oder jenes Outfit oder Produkt vorgestellt wird und wie die Arbeitsweise in den Redaktionen aussieht, berichten Blogger auf gleicher Ebene. Sie verfügen über große Nähe zu ihren Lesern, die sich mit dem Schreibenden identifizieren können.

Hat frau nach dem Lesen eines Blogs spezielle Fragen, etwa zu Inhaltsstoffen von Pflegeprodukten, so erhält sie oft unmittelbar Antworten und Tipps von der Bloggerin, die Nachfragen oder Kommentare unter den Beiträgen meist zeitnah beantwortet. Und während man bei Beauty-Produkten in den Magazinen meist nur die Verpackung zu sehen bekommt, bieten Blogger auch einen Blick dahinter, zeigen, wie sie ohne Studiolicht auf der Haut aussehen.

Dank neuester Kameratechnik erhält das Bildmaterial der Blogs einen immer hochwertigeren Charakter. Doch auch wenn einige Aufnahmen professionell wirken, so sind sie doch immer authentisch. Der Leser bekommt einen realistischen Eindruck von Produkten und Kleidungsstücken. Während an den immer gleich aussehenden, hauchdünnen Models auf dem Catwalk nahezu jedes Styling eine schlanke Silhouette verspricht, kann die Durchschnittsleserin mit weiblichen Rundungen durch Outfitpräsentationen einer Frau mit ähnlicher Figur besser beurteilen, ob das Stück tatsächlich zu ihr passen würde. Des Weiteren werden nicht nur exklusive Designer-Stücke oder High-End-Marken wie Mac oder Benefit vorgestellt, sondern auch günstige Dupes, die oftmals in nichts nachstehen. Ein weiterer, umwerfender Vorteil: Blogs sind nicht nur hochaktuell, sondern ebenfalls kostenlos.

Für Designer und Unternehmen repräsentieren Blogs eine neue Art der Marken-PR, die effektiv und kostengünstig ist. Zum Vergleich: Werbung in der Fachpresse rangiert im fünfstelligen Bereich, Empfehlungen per Blog kosten ein Outfit und eventuell ein paar Prozente bei Bestellungen des Produkts über die Blogger-Website.

Die Meinungen von Durchschnitts­usern werden den Firmen immer wichtiger. Nahezu alle Kosmetikhersteller versenden in den letzten Jahren vor dem Erscheinen neuer Produkte eine gewisse Stückzahl an Blogger und weitere Produkttester, die im Gegenzug ihre ganz persönlichen Erfahrungen auf einer eigenen Homepage oder über die Website eines Online-Shops kundtun. Immer öfter kann man sich auch bei großen Ketten wie Douglas und Galeria Kaufhof als Tester für ein bestimmtes Parfum oder Make-up bewerben, die Neuerscheinungen im Auftrag der Hersteller per Zufallsprinzip an unabhängige Interessierte versenden.

Da Blogs eine starke Konkurrenz für Mode-Magazine darstellen, versuchen viele Verlagshäuser inzwischen, zweigleisig zu fahren. So hat Burda etwa LesMads, mit rund 500.000 Besuchern pro Monat einer der beliebtesten deutschen Style-Blogs, aufgekauft.

Die Journalistin Kathrin Bierling, hauptberuflich für Printmagazine tätig, erhält auf ihren Fashion-Blog Modepilot sogar deutlich mehr Anrufe und Einladungen zu Veranstaltungen als über ihren Job bei der deutschen InStyle.

Gerade im Winter fällt positiv auf, dass Blogger hauptsächlich Outfits präsentieren, die auch im Alltag tragbar sind. Denn wer geht schon bei Eis und Schnee in hauchdünnen, transparenten Oberteilen oder im Minirock ohne Strumpfhose vor die Tür, wie es etwa gerade bei Dolce & Gabbana gezeigt wurde?

Saarlands Next-Top-Bloggerin: Andrea Funk

Die meisten bekannten Bloggerinnen Deutschlands leben in der Modemetropole Berlin. „Aber warum nicht auch mal im Saarland?“, fragte sich Andrea Funk (26) aus Saarbrücken. Im Mai 2013 gründete sie kurzerhand ihren eigenen Blog www.andysparkles.de.

Egal ob rockig, verspielt oder romantisch: Andrea legt sich bei ihren Looks nicht gerne fest und probiert stets etwas Neues aus. Auf Fotos eine gute Figur abzugeben fällt ihr leicht, denn sie konnte bereits viele Erfahrungen als Model sammeln und zierte schon zahlreiche Zeitschriften-Cover. Neben ihren täglichen Outfits zeigt sie auf ihrem Blog auch Make-ups, berichtet über Neuigkeiten aus der Beautywelt oder stellt leckere Rezepte vor. Eine bunte Mischung, die gut ankommt: Täglich besuchen zwischen 1.000 und 2.000 Leser ihren Blog und lassen sich von ihr inspirieren. Laut Bloglovin‘ zählt er sogar zu den 300 meistgelesenen Fashion-Blogs in ganz Deutschland.

Das Bloggen ist für die Studentin der Wirtschaftswissenschaften zu einem zeitintensiven Hobby avanciert: Andrea stellt fast täglich neue Beiträge inklusive Fotos online. Doch ein Beitrag ist nicht so schnell veröffentlicht – das Fotografieren und Bearbeiten der Fotos sowie das Schreiben der Texte nehmen schon einmal rund drei Stunden in Anspruch. Andrea Funk achtet sehr auf qualitativ hochwertige Bilder und Beiträge. Dies ist auch der Grund, warum andysparkles.de so positiv unter Unmengen anderer Blogs hervorsticht. Insbesondere im Saarland existieren kaum Blogger, die regelmäßig posten und sich auf Themen spezialisiert haben. Tatkräftige Unterstützung erhält Andrea von ihrer Schwester Christine Funk (32). Sie fotografiert die Outfits der Bloggerin, hilft ihr beim Bearbeiten und liest die Beiträge Korrektur. „Deswegen würde ich meinen Blog auch als ein Partnerprojekt von mir und meiner Schwester bezeichnen. Viele Blogger machen ihre Outfitbilder mit einem Stativ, das kann ich mir gar nicht vorstellen“, so die 26-Jährige. „Für jedes Outfit schießen wir über 100 Fotos und ich suche mir jeweils drei bis fünf Lieblingsbilder davon aus. Jetzt im Winter ist das sogar noch schwieriger, weil es schon gegen 15 Uhr fast zu dunkel ist. Daher können wir meist nur noch am Wochenende fotografieren.“ Andrea versucht, ihren Blog so zu gestalten, dass sie ihn selbst gerne lesen würde. Ab und an erzählt sie auch von sich und ihrem Leben oder aktuellen Themen, die sie beschäftigen. Ausschließlich Mode- und Beauty-Themen seien ihr auf Dauer zu langweilig.

Andrea Funk steht auch in Kontakt mit anderen Bloggern. Regelmäßig erhält sie Kommentare zu ihren Beiträgen und auch E-Mails: „Häufig fragen Blogger, ob ich sie auf meiner Website vorstellen kann, nach Ratschlägen bezüglich Kooperationen oder aber ob Kleidungsstücke, die ich präsentiert habe, noch erhältlich sind.“ Gerne wirbt Andrea für Blogs anderer User. Denn Neid ist unter Bloggern nicht üblich. Hier stehen Austausch, Kreativität und Spaß im Mittelpunkt.

Wie viele bekannte Bloggerinnen konnte Andrea bereits Kooperationen mit Labels schließen. Hersteller wie Brakeburn, Melvin & Hamilton, Catrice und viele kleine Da Wanda-Shops sponsern die Saarländerin mit trendigen Kleidungsstücken, Schuhen oder Beautyprodukten. „Besonders toll war die Zusammenarbeit mit Asos“, berichtet sie. „Ich bekam zwei Trendteile für letzten Herbst zugeschickt und kreierte damit fünf Looks. Mein Outfit erschien eine Woche lang auf der Startseite von Asos.“ Im November stand Andrea außerdem auf der Gästeliste bei einem Event von Garnier. Der Kosmetikhersteller lud 20 Blogger für ein Wochenende nach Berlin ein: „Wir durften unter anderem unsere eigene Duftnote in einer Parfüm-Manufaktur zusammenstellen und zum Abschluss wurde uns ein neues Produkt von Garnier vorgestellt“, schwärmt die 26-Jährige.

Andreas Styling-Tipps für die kalte Jahreszeit? Ihr persönlicher Lieblingslook für den Winter sind Leggings, kombiniert mit Boots und übergroßen Pullovern. „Aber auch Fake Fur, Leder oder Samt liegen voll im Trend. Hahnentrittmuster bilden jetzt eine gute Alternative zu Schwarz. Mäntel in knalligen Farben finde ich ebenfalls super, gerade habe ich mir einen roten Mantel bestellt.“ Auch was Make-up anbelangt, dürfe im Winter ruhig etwas dicker aufgetragen werden: „Ich mag momentan sehr gerne dunkelrote Lippenstifte und schwarzgrauen Lidschatten. Gold, Silber und Rottöne für die Nägel sind in der kalten Jahreszeit besonders schön.“

Die Aussichten für Andrea Funk scheinen auch im Winter durchaus sonnig: Gerade wurde ihr Sommer-Outfit „Sailing Club“ von dem renommierten Mode-Magazin „Jolie „zu einem der besten Outfits des letzten Jahres gewählt.

Kristina Scherer




Merken

Merken

Bild der Woche