Julias Welt oder: Die schönen Dinge des Lebens
Julias Welt oder: Die schönen Dinge des Lebens
2. April 2015

Modebloggern wird zuweilen nachgesagt, dass sie oberflächliche Modepüppchen sind, gerne Models wären, aber keine sind und nichts anderes im Kopf haben außer Shopping. Auf einige mag das, wie bei allen Klischees, auch zutreffen. Aber nicht auf Julia Schäffner. FORUM stellt sie vor.

Julia Schäffner ist süße 20 Jahre jung. Ihre Augen strahlen, ihr Blick ist wach. Der erste Eindruck: Sie hat ein freundliches, einnehmendes Wesen. Ihr Geschäftssinn ist trotz ihres Alters schon sehr ausgereift. Die gebürtige Saarbrückerin, die als Studentin Köln zu ihrer Wahlheimat gemacht hat, ist bereits seit vier Jahren als Bloggerin aktiv. Und zwar auf recht professioneller Ebene. Nachdem sie 2013 in Völklingen ihr Abitur abgeschlossen hatte, war für sie klar: Erst mal geht es weg aus dem Saarland – aber auch nicht zu weit weg von der Familie mit gerade mal 19. Medienwissenschaften und Germanistik im vierten Semester ist ihre Fächerwahl. Denn diese passen bestens zu der beruflichen Intention, die für sie schon lange klar war: Schreiben. „Das Schreiben an sich und speziell über Mode ist schon ewig meine Passion. Die möchte ich am liebsten zu meinem Beruf machen. Und ich hoffe, das nötige Talent einfach mitzubringen und durch das Studium weiter ausbauen zu können.“ Plan A wäre ein Modemagazin. Aber festgefahren ist Julia nicht: „Schreiben, kreativ sein, wenn ich meine Zeit selbst einteilen kann, aber auch Richtung Marketing. Das würde mir alles Spaß machen.“

Plan A: Schreiben für ein Modemagazin

Köln mochte Julia von Anfang an. Glaubte daran, dass es viele Möglichkeiten gibt, um nebenbei zu arbeiten, kreativ zu sein, vielleicht auch Kontakte zu knüpfen. Saarbrücken war keine Option, denn der Medienschwerpunkt war ihr wichtig. „Ich war von klein auf schon ein Großstadtmädchen.“ Erfahrungen hat sie aber dennoch hier gesammelt. Für die „Saarbrücker Zeitung“ hat sie als freie Mitarbeiterin geschrieben, in der lokalen Redaktion in ihrer Nähe. In Köln ging es dann nach dem Umzug eher Richtung Marketing und Social Media. „Ich möchte möglichst breit aufgestellt sein. Der Blog macht im Laufe der Zeit aber immer mehr Arbeit. Ich bin meine eigene Sekretärin.“

„Der Name eines Blogs ist entscheidend“

Die Idee zum Blog wurde vor einigen Jahren geboren. Als internetaffin bezeichnet sich die junge Frau selbst. Las erst mal viele Blogs und sammelte Anregungen. „Da mich Mode interessiert und ich das Gefühl hatte, ich habe was zu sagen, war ein eigener Block die logische Konsequenz und nur eine Frage der Zeit.“ Vor allem war es ihr wichtig, dieses Projekt nicht nur nebenbei schleifen zu lassen, sondern regelmäßige Beiträge zu posten. Die kontinuierlichen Texte müssen natürlich durch ansprechende und hochwertige Bilder untermalt werden. Die Arbeit und die viele Zeit, die Julia gemeinsam mit ihrem Freund, der sie fotografiert, in das Projekt steckt, zahlen sich aus. Ihre Seite ist gut besucht – im Januar konnte sie mehr als 27.000 Seitenaufrufe zählen.

Neben den Modethemen bedient die 20-Jährige ihre Leser auch mit den Themen Reise, Beauty, Rezepte und Lifestyle. Dabei ging es der Bloggerin nicht darum, dass „etwas daraus wird. Aber mir war und ist es damit ernst, dass ich etwas daraus machen kann und es die Leute interessiert, was ich schreibe und zu sagen habe.“ „Es ist auch wichtig, authentisch zu sein.“ Davon ist Julia überzeugt. Nicht wie ein Model oder Werbepüppchen zu wirken, wie es doch viele Bloggerinnen tun. Sondern eben der Typ Freundin. Das gelingt ihr dadurch, dass sie auch gerne persönliche Dinge von sich preisgibt. Die schönen wie auch die negativen. „Und das sind dann eben die Themen, die nicht unbedingt mit Mode zu tun haben“, verrät Julia. „Ich sehe auch vieles, was in der Mode passiert mit einem Augenzwinkern und kommentiere es entsprechend. Ich bin keine eingebildete Puppe. Meine Outfits sollen einfach gefallen.“

Der Trick? Altes mit Neuem kombinieren

So weit, so gut. Ambition und Motivation waren von Anfang an da. Aber wie macht man seinen Blog bekannt? „Ich denke, dass der Name ganz entscheidend ist“, meint Julia. „Ich habe von Anfang an darauf geachtet zu posten, was relevant ist und die Texte mit Schlagwörtern versehen, die im Google-Ranking oben sind und somit auch das Ranking meiner Seite steigern. Der Name ‚Des belles choses‘ hat dabei prima funktioniert. Auch wenn es ein allgemeiner Begriff ist, hat man mich und meine Seite schnell gefunden. Außerdem habe ich versucht, mich mit lokalen Medien zu vernetzten, weil es die Reichweite enorm steigern kann. Also hier. Der SR hat beispielsweise über mich gedreht. Ich war, glaube ich, auch mit die Erste im Saarland.“ Es ist wichtig, dass das Verhältnis von Text zu Bild stimmt. Der ganze Blog muss ansprechend sein – die Texte nicht übertrieben lang, wenn ein Beitrag beispielsweise nur ein Bild enthält. Die Social-Media-Kanäle, wie Instagram, werden immer wichtiger. Es ist einfacher, dort anzufangen und die ganzen Follower mit auf den Blog zu ziehen. „Wenn man will und jetzt erst anfängt, kann man eine enorme Reichweite in kurzer Zeit bekommen.“

Als 16-/17-Jährige einen erfolgreichen Fashionblog zu starten, scheint in Anbetracht des Einkommens, bestenfalls wohl mit einem 400-Euro-Job nicht das leichteste Unterfangen. Schon damals kein Problem für Julia: „Meine Intention war von Anfang an zu zeigen, dass man, selbst wenn man noch nicht 25 ist und einen super Job hat, trotzdem modisch mithalten kann. Auch mit Metropolen. Und dafür muss man nicht Hunderte von Euros investieren. Weil ich es auch nicht konnte oder wollte. Man kann immer ohne Ende Geld für Trends ausgeben. Macht für mich aber gerade für kurzlebige Mode wenig Sinn. Ich wollte zeigen, was ich wirklich trage und entscheidend ist, dass man auch ältere Stücke immer wieder neu kombinieren und damit unheimlich viele Looks kreieren kann, die angesagt sind. Das Konzept habe ich über die Jahre beibehalten, auch wenn ich mir mittlerweile mehr leisten kann als zu der Zeit, in der ich angefangen habe. Mir ist die Mischung wichtig, dass ich authentisch bleibe. Wenn ich mir doch mal ein Designer­teil leiste, dann will ich das wirklich und hänge auch daran. Mein Schmuckstück“. Wegschmeißen gibt es bei Julia selten. In ihrem Schrank finden sich einige Sachen, die eigentlich nicht mehr „in“ sind, und trotzdem bewahrt sie sie auf. Denn wir wissen alle, dass sich in der Mode ohnehin alles in regelmäßigen Abständen wiederholt.

Markenfixiertheit gibt es natürlich en masse. Für Julia wäre das nichts, denn sie möchte nicht über ihren Followern stehen, sondern eine von ihnen sein, wie eine Freundin, die einem in der Umkleidekabine beim Shoppen sagt, was man wie tragen kann.

Über vier bis fünf Posts pro Woche können sich die Fans der Wahlkölnerin freuen. Uni und Freunde kommen aber auch nicht zu kurz. „Ich lasse ungern mehr als zwei Tage aus, denn dann merkt man auch direkt, dass die Seitenaufrufe zurückgehen.“ Geschäftig, die junge Frau. Drei bis vier Stunden pro Tag ist ihr der Blog wert. Multitasking gehört einfach dazu. Der Blog an sich hat natürlich kosten, die aber von den Einnahmen gedeckt sind. „Ich denke auch nicht, dass ich mehr Geld für Klamotten ausgebe, als wenn ich keinen Blog hätte.“

„Im perfekten Outfit fühlt man sich wohl“

Eingebildet oder selbstsüchtig? Nicht Julia. Modisch interessiert, na klar. Auch Freundinnen oder die Mutter helfen mal aus, wenn es ums Ablichten geht. Und auch wenn sie erst 20 ist, ihren Stil, dem sie auch treu bleibt, hat Julia längst gefunden. „Ich bin eher das schickere Mädchen. Mit urbanem Flair. Das war schon immer so. Streetstyle-Looks, die an viele Orte passen (würden). Einen eigenen Stil zu haben ist Voraussetzung, um mit einem Blog erfolgreich sein zu können.“ Das perfekte Outfit ist ihrer Meinung das, in dem man sich wohlfühlt. Denn nur so kann man etwas Positives ausstrahlen, was andere begeistert.

Zu guter Letzt wagt die Modekennerin einen Trend-Ausblick für die warme Jahreszeit. „Ich denke im Sommer sind Ethno-Accessoires „in“, Richtung Indiander-Schmuck, Culottes (die unbedingt Highheels brauchen), Schlaghosen sind ein ganz großes Thema. An diese werde ich mich auch vorsichtig ranwagen. Weiterhin flache Schuhe und Pastelltöne wie Mint und Hellbau sind angesagt. Diese Töne schmeicheln dem Teint. Ich selbst shoppe unter anderem gerne bei Zara, denn die Sachen dort sind nah am Trend. Aber auch Asos, Forever 21 und New Look sind praktisch zum Online shoppen. Ach ja, der Trenchcoat ist ein Dauerbrenner.“

Katharina Ellrich

Blog: des-belles-choses.com
Instagram: instagram.com/desbelleschose




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