Mode, die glücklich macht
Mode, die glücklich macht
4. März 2016

Die spannendsten Entwürfe auf der Modemesse „Curvy“ kamen aus Wien, München und Paris – internationale junge Designer zeigten, wo der Weg für Mode ab Größe 42 langgehen kann. Wir stellen sie vor.

Miriam Jezek mit „Grand Styles“, Katja Heidrich von „Mabel“ und Olivier Wartowski mit „OW“ präsentierten in einem Startup-Bereich ihre Entwürfe und Kollektionen für Herbst und Winter 2016/2017. Ihre Keypieces gingen auf dem Laufsteg auch zum Entscheid über den 1. Young Designer Award der „Curvy“ ins Rennen.

Olivier Wartowski, in Paris hoch gehandelt und dort bereits zum „Best Plus Size Designer“ gekürt, startete in Berlin durch und gewann mit „OW“ den Young Designer Award. Mit einem taupefarbigen Stufen-Kleid über Tüll-Petticoat schickte er ein Highlight seiner Kollektion über den Catwalk. Am Stand gab’s eisbärfarbene, weiche Mäntel mit Ton in Ton schimmernden Pailletten sowie Jacken, die mit Blüten bestickt an japanischen Frühling erinnerten. Der 35-Jährige ist erst seit zwei Jahren in der Modebranche unterwegs. Er übertrug sein Know-how aus dem Innenraumdesign auf Textilien. Mit seinen meist extravaganten Stücken hat er sich vom Konzept einzelner Kleidergrößen verabschiedet und deckt – von 44 bis 48 sowie von 50 bis 54 – zwei umfassendere Größenspannen ab.

„Meine Kleidungsstücke stehen für Weiblichkeit, Freiheit und Menschlichkeit“, sagt Olivier Wartowski. Hell, strahlend und glücklich sollen seine aktuellen Stücke machen – und einen deutlichen, lebensbejahenden Kontrapunkt nach den Terroranschlägen von Paris setzen. Standmodel Caterina vermittelte in einem mit breiten, farbigen Pinselstrichen „bemalten“ wadenlangen cremeweißen Kleid einen Eindruck von dieser Stimmung. Der gebürtige Belgier widmete den Berliner Preis seinem Großvater: „Er war nach dem Krieg der einzige Überlebende seiner Familie.“ Der Großvater hatte eine Luxushandtaschen-Produktion aufgebaut und fertigte in Lizenz unter anderem für Chanel und Louis Ferrault.

Es sei ihm wichtig, diese Tradition fortzuführen, sagt Olivier Wartowski: „Ich will zeigen, dass es feminine, modische und hochwertige Mode für alle Frauen geben kann.“ Viele seiner Stücke sind eher Eventpieces als Alltagsmode. Aber wer genau solche auffälligeren Stücke wie ein fransenbesetztes kniekurzes Kostüm in Orange, Braun und Taupe schätzt, ist bei ihm richtig. Über den Online-Shop auf www.wartowski.paris sind seine Modelle erhältlich – bei Bedarf auch mit Live-Beratung per Webcam aus dem Pariser Showroom.

Alltagstauglicher und businesskompatibel sind die Stücke der „Grand Styles“-Kollektion, die Miriam Jezek aus Wien mitbrachte. Sie setzt auf weiche, edle, weibliche Stücke: Ein cremefarbener Schurwoll-Cardigan im Fledermaus-Stil ergänzt ein klassisches schwarzes Etuikleid. Das kleine Schwarze wird durch an den Jugendstil erinnernde, goldene Einsätze im oberen Bereich akzentuiert – Gustav Klimt und Adolf Loos lassen grüßen. Miriam Jezek ist selbst wie für ihre Kollektion geschaffen: Brünett, wohlgeformt und mit Gardemaß trägt sie einen dunkelbraunen Fake-Lederrock mit einem lose fallenden, cremefarbenen Seidenblusentop; eine unaufdringliche Kombination aus Eleganz, Mode und Nachhaltigkeit. Langlebige Stoffqualitäten, nachhaltig produzierte Schurwolle aus Österreich und die Fertigung im Land selbst zeichnen ihre Kleidungsstücke aus.

Die Teile der Kollektionen sind online bestellbar

Miriam Jezek hat ein Faible für kluge Details. Einige Stücke wie das Seidenblusentop sind mit so feinen Schnittkanten gearbeitet, dass sie einfach selbst mit der Schere ohne zu fransen gekürzt werden können – praktisch für kleinere Frauen. Die 36-Jährige, die in Wien Mode- und Bekleidungstechnik studierte, hat nicht zuletzt während ihrer Tätigkeit für große Unternehmen in den Bereichen Lingerie und Swimwear gelernt, auf solche sinnvollen Features zu achten. An einer Reißverschlussjacke lässt sich das Mittelteil per Reißverschluss entfernen. Zweimal ziehen, schon ist die Jacke bequem offen und mit Silberzahn-Schmuckkante tragbar. Die legere und fließende Anfassmode von Miriam Jezek aus Stoffen, die zum Berühren, Drüberstreichen und Anprobieren einladen, kann in den Größen von 42 bis 52 im Online-Shop über www.grandstyles.at geordert werden.

„Mable“, das Label von Katja Heidrich, setzt in seiner „Iceflower“-Kollektion auf kühles, feines, gemustertes Blau auf weißem Grund. Ein knielanges, nach hinten länger zulaufendes weißes Kleid wird im Rockteil von einem handgezeichneten Muster mit Blaumeise und floralen Elementen bedeckt. Es schließt mit einem breiten Band aus Spitzenelementen am Ausschnitt und über Schultern und Ärmel hinweg ab. Raffiniert kommen taupefarbene Leggins mit blauen Panels an den Außenseiten daher – sie formen optisch einfach perfekte Beine. Ein kürzeres, taupefarbenes Hängerchen-Shirt mit leichten Falten darüber, und schon ist die schmale Silhouette rasant in Szene gesetzt.

Die 25-jährige Modedesignerin aus München bringt mit „Iceflower“ ihre vierte Kollektion auf den Markt. Das Wissen um gute Schnittführung und Passform eignete sich Katja Heidrich schon während ihres Studiums in einem Praktikum bei Anna Scholz in London an. Danach war klar: „Das mache ich. Mode für alle Größen, von 36 bis 54.“ Katja Heidrich arbeitet vorrangig mit Textilien aus Restbeständen großer Unternehmen, für die zu wenig Fläche für die Nachproduktion oder eine neue Kollektion übrig bliebe, aber: „Für unsere kleine Auflage ist das perfekt.“ So trifft hohe Stoffqualität auf Nachhaltigkeit. Das öffnet Tür und Tor für gemixte Stoffarten und Texturen. In einem herbstlichen Mantel verbinden sich ein orangefarbener Rücken und oberer Kragenabschnitt aus samtig-nubukartigem Material mit einer taupefarbenen Vorderseite und großem Revers. Der Mantel zitiert den klassischen Trench, etwa mit einem Pelerinen-Ansatz, bricht ihn aber durch den sehr sportlichen Look, den Materialmix und die ungewöhnliche Farbzusammensetzung. Das sieht nach Wohlfühlen im Herbst/Winter 2016/2017 aus und ist, wie auch die Stücke aus der pastelligen „Avia“-Sommerkollektion, über www.mableonline.com bestellbar.

Ute Schirmack



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