Sauber! Mode für die Kleinsten
Sauber! Mode für die Kleinsten
11. April 2014

Farbenfroh, praktisch und schick? So sollte Kindermode sein. Aber auch aus Naturfasern, möglichst ohne Chemie und unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt. Das finden immer mehr Designer für Kindermode. FORUM stellt vier Labels vor.

Am Anfang waren zwei Berliner Mütter auf der Suche nach weichen und bequemen Schuhen für Kleinkinder. Lederschuhe sollten es sein, die die kleinen Füße nicht einengten, hergestellt aus Material, das bedenkenlos auf Kinderhaut getragen werden konnte. Franziska Kuntze und Verena Carney stellten schnell fest, dass es so etwas nicht gab, sie erkannten die Marktlücke und beschlossen, einen solchen Schuh selbst zu entwickeln.

Mittlerweile kann „Pololo“ – so der Name des gegründeten Labels – auf eine gut zehnjährige Erfolgsgeschichte zurückschauen. Die bunten Schuhe aus weichem Nappaleder sind heute in rund 800 Geschäften erhältlich – auch in den europäischen Nachbarländern, den USA und Australien. Die Modelle mit den Applikationen in Elefanten-, Eulen-, Schaf- oder Fischform kommen überall gut an, ebenso wie die Philosophie, bei der Herstellung streng auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards zu achten. Das Leder für Lauflernschuhe und die „Maxi-Linie“ mit Sneakern, Sandalen und Stiefeln kommt aus Deutschland, ist pflanzlich gegerbt, das verwendete Zubehör ist allergikerfreundlich. In der Produktion im bayrischen Oberreichenbach wird auf die Einhaltung sozialer Standards geachtet, ebenso wie bei der spanischen Partnerfirma in Alicante. Betriebswirtin Franziska Kuntze ist sich sicher, dass es zukünftig immer mehr Interesse an nachhaltig hergestelltem Schuhwerk geben wird – nicht nur bei den Kleinsten. Daher gibt es die superweichen Lederhausschuhe bis Größe 45.

Neue Kreationen, gezaubert aus recycelten Materialien

Brigitte Wagner hingegen hat sich mit ihrem Label „Kamaeleon“ ausschließlich fantasievoller und gleichzeitig nachhaltig hergestellter Kindermode verschrieben. Die österreichische Desig­nerin entwirft seit drei Jahren Kinderblusen, -hemden, -kleider und Mützen aus recyceltem Material. Das sind beispielsweise ausrangierte Herrenhemden oder Tischdecken, aber auch sogenannter Recycling Fleece, ein Material, das aus eingeschmolzenen PET-Flaschen gewonnen wird.

Brigitte Wagner zaubert daraus Modelle wie „Ladybird“, ein kariertes Kinderhemd, auf dem ein Baum mit Blättern appliziert ist. Der Clou: ein abnehmbarer Marienkäfer, der dank Klettrückteil über das Hemd „wandern“ kann. Kleidung also nicht nur zum Hineinschlüpfen, sondern auch zum Spielen, denn auf anderen Oberteilen gibt es abnehmbare Stoffvögel, eine Maus, die Platz in einem Rennauto findet oder ein Hai, der seine Bahnen durch ein Gewässer am Hemdsaum zieht. Seit Kurzem sind Teile der „Kamaeleon“-Kollektion auch im Berliner Upcycling Fashion Store erhältlich und somit in einer Handvoll von Geschäften in Österreich und Deutschland. Die meisten Bestellungen nimmt Brigitte Wagner aber über ihre Homepage entgegen und kann so auch auf individuelle Wünsche eingehen.

Gebrauchter Kleidung ein zweites Leben schenken – das will auch das schwedische Label „Stormie Poodle“. Caroline von Post, Biologin und vierfache Mutter, bekam von Freunden viel getragene Kinderkleidung geschenkt und war von dem so oft gewaschenen und damit kaum noch chemikalienhaltigen Material angetan. Gleichzeitig stellte sie fest, dass Hotels riesige Mengen an Handtüchern und Bettwäsche von spezialisierten Firmen leihen, die nur kurze Zeit benutzten Textilien dann meist geschreddert werden. Also machte sie sich daran, von diesen Firmen Frotteehandtücher und Haushaltswäsche zu kaufen und daraus zunächst Bademäntel und -tücher für die Kleinsten zu schneidern.

Erste Entwürfe, zum Beispiel in weißem Frottee mit rosa oder blaugestreifter Bordüre und dem Logo des Labels, dem „Stormie Poodle“, kamen gut an. Und Caroline begann über eine etwas umfangreichere Produktion nachzudenken. Inzwischen arbeitet sie mit der Stiftung „Livslust“ in Lettland zusammen. Dort werden Jugendliche mit schwieriger Vorgeschichte ausgebildet, unter anderen zu Näherinnen und Schneidern. Caroline lässt hier ihre beiden Kollektionen nähen: „Sweet Daffodil“ – kuschelige Wäsche aus Frottee für die Kleinsten und „Wild Raspberry“ – Kleider für kleine Prinzessinnen mit Rüschen, Volants und Bordüren – hergestellt aus ehemaliger Hotelwäsche. Caroline von Post ist mit ihrer Kinderkleidung regelmäßig auf den einschlägigen Messen zu Gast, auch in Deutschland und Kanada. Zu kaufen gibt es die Modelle von „Stormie Poodle“ momentan nur direkt bei Caroline – Bestellungen nimmt sie über ihre Homepage entgegen.

Ein zweites Leben für gebrauchte Kleidung

Im Gegensatz dazu kommt die süddeutsche Traditionsfirma „Disana“ schon fast wie ein „Global Player“ der nachhaltigen Kindermode daher. Seit 30 Jahren gibt es das Familienunternehmen auf der Schwäbischen Alb. Eine Strickmaschine im Keller des Elternhauses war der Grundstein für die Produktion von Kinderpullis, -jacken, -stramplern, -leggings, die höchsten ökologischen Ansprüchen genügen sollen. So arbeitet man bei „Disana“ mit langjährigen Partnern zusammen – lässt sich zum Beispiel zertifizierte Wolle aus Argentinien oder Australien liefern, Baumwolle aus der Türkei oder Uganda. Verarbeitet wird das Garn beziehungsweise der Stoff von mittlerweile 22 Mitarbeiterinnen im Firmensitz in Schwaben – denn neben Nachhaltigkeit ist „Made in Germany“ das zweite Credo der Inhaberfamilie Sautter. Und das gilt im Ausland nach wie vor als Gütesiegel, weiß Geschäftsführer Elmar Sautter. So sind Strickpullis oder Schlafsäcke in Knallorange, Froschgrün oder leuchtendem Blau in über 800 Geschäften weltweit erhältlich – große Nachfrage wird in letzter Zeit in den USA aber auch in Moskau registriert. Der Grund? Dort gilt es momentan als Trend, waschbare Windeln zu verwenden – und so hat sich „Disana“ von der Schwäbischen Alb mit seinem „Windelsystem“ auf dem russischen Markt etabliert.

Sabine Loeprick




Info

Internetshops der vorgestellten Labels:
www.disana.de
www.stormiepoodle.se
www.kamaeleon.at
www.pololo.de





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