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So hat das Gymnasium keine Zukunft

„Im Saarland gibt es einen Bildungsnotstand – besonders an Gymnasien“, sagt Dr. Rainer Stein-Bastuck (59) im FORUM-Interview. Der Vorsitzende der Bundesdirektoren-konferenz Gym­na­si­en (BDK) plädiert für einen politi­schen Richtungswechsel und für eine bundes­ein­heitliche Schulstruktur – zum Wohle der Schüler und Eltern.

Im Saarland gibt es gerade an Gymnasien einen gravierenden Lehrermangel. Wie beeinträchtigt dieser Umstand die Leistungen der Schüler?
Lehrermangel sowie der damit verbundene Unterrichtsausfall und die damit einhergehenden häufigen Lehrerwechsel sind stets nachteilig für die Schüler. Es gibt keine Kontinuität mehr und pädagogisch sinnvoller Lehrereinsatz ist nicht mehr planbar. Es gibt viele Klassen, die während eines Schuljahres in einem Fach mehrere verschiedene Lehrkräfte haben. Das geht natürlich zu Lasten der Unterrichtsqualität. Stehen in bestimmten Fächern nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung, müssen die Gymnasien auch ihre Angebote im Förderunterricht oder in den Arbeitsgemeinschaften reduzieren.

Was könnte gegen den Fachkräftemangel an saarländischen Gymnasien getan werden – die Kassen sind doch leer?
Wenn man wirklich der Bildung als wichtigster Zukunftsinvestition Priorität einräumt, muss man trotz klammer Kassen in die Lehrerbildung investieren. Dies bedeutet zum einen keine Lehrerstellen abzubauen und zum anderen genügend Lehrkräfte zu gewinnen.

Ist das Ihre Privatmeinung?
Nein. Die Bundesdirektorenkonferenz betrachtet bundesweit die Entwicklung bei der Versorgung der Gymnasien mit Lehrkräften mit größter Sorge. Immer weniger junge Menschen – vor allem immer weniger junge Männer – sehen im Lehrerberuf ein attraktives Berufsbild. Zudem wählen Lehramtsstudierende viel zu selten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und technische Fächer – sogenannte MINT-Fächer –, obwohl sich hier an den Gymnasien der größte Bedarf abzeichnet. Der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland braucht aber auch in Zukunft die jungen Menschen, die am besten für den Lehrerberuf geeignet sind.

Schüler, die gebannt ihrem Lehrer lauschen, weil dieser etwas Spannendes zu erzählen hat, sind das Idealbild. Die Realität sieht aber oft anders aus.

Das Wort Lehrerfeuerwehr geistert immer wieder durch die Medien. Ist dies eine realistische Option, den viel beklagten Unterrichtsausfall an saarländischen Gymnasien zu stoppen?
Beim Thema Unterrichtsausfall klaffen offizielle Verlautbarungen des Bildungsministeriums auf der einen Seite und Wahrnehmungen von Schulleitern, Eltern und Schülern auf der anderen so weit auseinander wie bei keinem anderen Thema. Während das Bildungsministerium von einer fast hundertprozentigen Unterrichtsversorgung spricht, beklagt man vor Ort zum Teil massive Unterrichtsausfälle – mit deutlich steigender Tendenz. Man muss dabei zwischen planmäßigem Unterrichtsausfall, zum Beispiel durch Stundentafelkürzungen aufgrund von Lehrermangel, Planstellenengpässen oder Abordnungen, und außerplanmäßigem Unterrichtsausfall, insbesondere durch Erkrankungen oder Schwangerschaften von Lehrkräften sowie Abwesenheit von Lehrern zum Beispiel wegen Fortbildungen, Schullandheimaufenthalten oder Prüfungen, unterscheiden.

Gibt es da keine Vertretungen?
Nach Möglichkeit werden ausfallende Unterrichtsstunden irgendwie vertreten, egal ob es sich dabei um eine bloße Beaufsichtigung oder um Fachunterricht handelt. Eine Stunde gilt also selbst dann als vertreten, auch wenn kein einziger neuer Fachinhalt vermittelt wurde. Es fallen aber trotzdem viele Stunden ersatzlos aus.

Wie sieht es mit der viel zitierten Lehrerfeuerwehr an Gymnasien aus?
Schon seit Jahren ist im Saarland festzustellen, dass es de facto keine Lehrerfeuerwehr an Gymnasien gibt. Alle der sogenannten mobilen Lehrerreserve zugewiesenen Lehrkräfte werden von Schuljahresbeginn an für bedarfsdeckenden Unterricht eingesetzt. Das Fehlen einer „Feuerwehr“ bei Vertretungsbedarf führte stets zu hilflos anmutenden Versuchen, die plötzlich auftretenden Mängel zu verkleistern. Man musste auf Absolventen mit erstem Staatsexamen und allerlei sonstige Aushilfskräfte zurückgreifen. Die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien konnte zu Beginn dieses Schuljahres nur durch mehr als 26 Aushilfskräfte mit nur Erstem Staatsexamen, also keiner durch das Referendariat abgeschlossenen Lehrerausbildung, sichergestellt werden, deren Verträge zudem auf das erste Schulhalbjahr befristet waren.

Was sind die Folgen?
Bereits im ersten Schulhalbjahr gab es an den Gymnasien im Saarland erhebliche Probleme bei längerfristigem Ausfall von Lehrkräften qualifizierten Ersatz zu finden. In den Fächern Evangelische Religion, Politik, Französisch, Biologie und Deutsch gab keine Vertretungsmöglichkeit mehr. Die Folge davon mitten im Schulhalbjahr: Häufige Lehrerwechsel auch in den Klassen, in denen keine Lehrkräfte ausfielen, denn die Fächer von zugewiesenen Aushilfskräften entsprachen ja nicht dem tatsächlichen Fächerbedarf. Die Situation insbesondere im Fach Evangelische Religion gestaltet sich im Saarland auch mittelfristig geradezu dramatisch. Selbst wenn jetzt zum zweiten Halbjahr Referendare, die das Zweite Staatsexamen abgelegt haben, Angebote als befristete Angestellte erhalten werden, wird sich zeigen, ob diese die Angebote dann überhaupt annehmen.

Immer weniger junge Menschen wollen Lehrer in naturwissenschaftlichen Fächern werden.

Was wäre die Lösung?
Eine wirklich wirksame Gegenmaßnahme, um Unterrichtsausfall zu verringern, ist der Aufbau einer echten Unterrichtsreserve an jedem Gymnasium. Die Bundesdirektorenkonferenz und die Direktorenvereinigung der saarländischen Gymnasien (VOS, Anmerkung der Redaktion) fordern daher eine „Überpersonalisierung“ um acht Prozent, sodass Vertretungsbedarf schulintern abgefangen werden kann. Natürlich sind damit dann auch Lehrerwechsel verbunden, aber es kann kurzfristig an der Schule reagiert und Fachunterricht sichergestellt werden.

Geht es da auch ums Geld? Wenn wir uns die Besoldungstabellen saarländischer Gymnasiallehrer anschauen, so verwundert es nicht, dass gut ausgebildete Pädagogen in benachbarte Länder auswandern. Oder täuscht dieser Eindruck?
Es handelt sich bei den in andere Bundesländer abgewanderten Junglehrern aus dem Bereich der allgemeinbildenden Schulen keineswegs um „Einzelfälle“. Die Schulleiter der Gymnasien kennen eine Vielzahl von Fällen, bei denen gut ausgebildete Lehrer, oft auch Lehrkräfte für dringend benötigte Mangelfächer, wegen der deutlich schlechteren Einstellungsbedingungen im Saarland in andere Bundesländer wechselten. Da die Einstellungs- und Arbeitsbedingungen in allen anderen Bundesländern inzwischen zum Teil deutlich besser sind als im Saarland, sind erhebliche Probleme bei der Personalisierung im kommenden Schuljahr zu befürchten – gerade auch angesichts der bevorstehenden Pensionierungswelle.

Die Auswirkungen dürften gravierend sein. Oder?
Hatte man bisher schon schwer daran zu tragen, dass im Saarland für Lehrkräfte die Unterrichtsverpflichtung höher und die Aufstiegsmöglichkeiten schlechter sind als in anderen Bundesländern, so macht die Aussicht, hier mehrere tausend Euro im Jahr weniger zu verdienen als andernorts, den Wunsch nach Abwanderung übermächtig. So sind die Beweggründe der jungen Fachkräfte, das Saarland zu verlassen, nur zu verständlich.

Können Sie Beispiele nennen?
Ich will die unterschiedlichen Aufstiegsbedingungen in den Bundesländern einmal verdeutlichen. In Berlin, das gerne mit dem Spruch „Arm, aber sexy“ wirbt, gibt es an einem Gymnasium mit 900 Schülern neun Beförderungsstellen in der Besoldung A 15 Studiendirektor, in Bayern sind dies gar 19! Und im Saarland? Gerademal drei! Für Saarländer kaum vorstellbar: In Bayern erfolgt grundsätzlich nach durchschnittlich acht Jahren eine Regelbeförderung von A 13 Studienrat nach A 14 Oberstudienrat.

Wann entscheiden sich Junglehrer, dem Saarland den Rücken zu kehren?
Die Abwanderung beginnt nicht erst zum Termin der Einstellung als Junglehrer. Wer sein Erstes Staatsexamen abgelegt hat und im Saarland ins Studienseminar eintreten will, um seine Ausbildung als Lehrer zu vollenden, muss damit rechnen, auf eine lange Warteliste zu kommen. Wer dort landet, wandert ebenfalls ab und kommt in der Regel nicht mehr zurück. Einzelfälle sind auch dies nicht.

Auch hier spielt das Geld mutmaßlich die entscheidende Rolle.
Die von der Landesregierung beschlossene niedrigere Eingangsbesoldung für am Gymnasium neu eingestellte Lehrer wird sich weiterhin äußerst negativ auf die bereits jetzt schon problematische Lehrerversorgung auswirken. Es ist zu befürchten, dass noch viel mehr Lehrer als bisher in die benachbarten Bundesländer abwandern werden.

Die jungen Kollegen werden später verbeamtet, haben schlechtere Beförderungschancen, eine höhere Arbeitszeit und sollen nun auch noch schlechter bezahlt werden. Wer kann es den jungen Kollegen verdenken, wenn sie das Saarland verlassen?
In den letzten Jahren ist der Konkurrenzkampf der Bundesländer um qualifizierte Lehrer immer härter geworden; insbesondere bei Lehrern, die Mangelfächer wie Physik oder Mathematik unterrichten. Dieser Kampf um die Junglehrer wird sich weiter dramatisch zuspitzen, wenn in den nächsten Jahren auf breiter Front Lehrer an allen Schulformen in Pension gehen werden.

Es drängt sich hier der Vergleich mit dem übrigen öffentlichen Dienst auf.
Diese Situation ist mit anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes nicht vergleichbar. Deshalb ist zu fordern, dass die jungen Lehrer zu den gleichen Konditionen eingestellt werden, wie in den Nachbarländern. Nur dadurch kann erreicht werden, dass qualifizierte saarländische Junglehrer hierbleiben. Wenn die vorgesehene Regelung so bleibt, wird das dazu führen, dass wir uns im Saarland viel Mühe geben, gute Lehrer auszubilden, die dann in Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg oder Bayern zu wesentlich besseren Konditionen eingestellt werden. Das Saarland hat zuerst die Kosten, dann das Nachsehen – und koppelt sich mal wieder zum Nachteil seiner Bürger von der Entwicklung im Rest der Republik ab.

Zu große Klassen an saarländischen Gymnasien sind ein nicht zu unterschätzendes Problem.

Sind aus Ihrer Sicht tatsächlich die viel beklagten leeren Haushaltskassen Hauptgrund für das Siechtum saarländischer Gymnasien?
Von Siechtum kann man sicher noch nicht sprechen. Es ist aber politischer Wille, dass das Gymnasium zur „ungeliebten Säule“ geworden ist. Das beginnt bereits bei der Vorstellung des Gymnasiums in den vierten Grundschulklassen. Das Gymnasium wird in der Präsentation des Bildungsministeriums bewusst sehr bescheiden dargestellt.

Was meinen Sie damit?
Klar ist, dass nach den Angaben in den saarländischen Haushaltsplänen dem Gymnasium massiv Lehrerstellen entzogen wurden. Die Stellenstreichungen haben sich inzwischen nach diesen Zahlen auf 77 Lehrerstellen aufsummiert. Angaben aus dem Bildungsministerium zur Personalisierung belegen zudem: Es ist durchgängig eine Bevorzugung der Gesamtschule und eine drastische Benachteiligung des Gymnasiums und auch der Erweiterten Realschule bei der Personalisierung festzustellen. An den Gesamtschulen, also den kommende Gemeinschaftsschulen, wurden zum Beispiel den Junglehrern nur Planstellen (Beamtenstellen, Anmerkung der Redaktion) und keine befristeten Angestelltenstellen wie an den Gymnasien angeboten. An den Gesamtschulen wurden zur Unterrichtsversorgung außerdem keine Aushilfskräfte ohne abgeschlossene Lehrerausbildung eingesetzt.

In Deutschland gibt es einen kaum zu durchdringenden schulischen Wildwuchs. Ist Bildungszentralismus an dieser Stelle das Allheilmittel oder gibt es sinnvolle Alternativen?
Die föderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland ist im Prinzip gut so, der Föderalismus ist ein wesentliches Merkmal unserer Staatsform und ein wichtiger Schutzwall gegen zentralistische Schwerfälligkeit oder gar Radikalität.

Gilt das auch für die Bildungspolitik?
Die Bildungspolitik ist eines der wenigen Felder, auf denen Landespolitik gestalten kann. Bildungspolitische Überzeugungen werden im Zuge von Koalitionsverhandlungen häufig jedoch den Machtinteressen geopfert – das Saarland ist dafür ein gutes Beispiel. Ständige bildungspolitische Experimente der Parteien mit dem Ziel einer Mehrheitsbeschaffung führten dazu, dass in einem föderalen Deutschland ein bildungspolitischer Flickenteppich entstanden ist, der Strukturen der Kleinstaaterei aufweist. Für Eltern mit Schulkindern ist ein Umzug in ein anderes Bundesland zunehmend zum riskanten Abenteuer geworden.

Wie stehen die Menschen dazu?
Ein Föderalismus, wie er sich in der Schulpolitik zeigt, widerstrebt nach aktuellen Umfragen einer Mehrheit der Deutschen. Die Politik will allerdings am Bildungsföderalismus festhalten, Bildungspolitik soll unbedingt Ländersache bleiben. Die Bundesdirektorenkonferenz hält eine Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Bildungsbereich aber für dringend erforderlich.

Warum?
In wachsendem Maße müssen sich Schulen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Dazu gehören zum Beispiel die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, Inklusion, Ganztagsangebote, Förderunterricht, Begabtenförderung, neue Medien. Weder die personelle noch die bauliche Ausstattung vieler Schulen in allen Bundesländern genügen den damit verbundenen Anforderungen. Die chronisch unterfinanzierten Länder und Kommunen können diese Aufgaben nicht mehr alleine bewältigen. Bund und Länder sind verpflichtet, im Bildungsbereich gemeinsam die gesamtgesellschaftlichen Probleme zu lösen. Bund und Länder sind gefordert!

Wegen der ungünstigen politischen Rahmen­bedingungen bleiben nur noch wenige Lehrer im Saarland.

Welche Bestrebungen gibt es in diese Richtung?
Die BDK hat die Fraktionen im Deutschen Bundestag aufgefordert, das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern durch eine Änderung des Grundgesetzes aufzuheben und damit wieder zielgerichtete Bildungsinvestitionen im Einvernehmen mit den Ländern zu ermöglichen. Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern bleibt der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland zukunftsfähig.

Wie würden Sie die Schwächen des Bildungsföderalismus in Deutschland auf den Punkt bringen und wirkt sich dieser auf das Saarland besonders nachteilig aus?
Eine überzogene Gestaltungswut hat die Bildungspolitik zunehmend zum Spielball der Parteien und wechselnden Koalitionen gemacht. Ständig werden neue Schulformen kreiert. Diese Schulformen haben nicht nur verschiedene Namen, sie sind auch in der inneren Struktur sehr unterschiedlich ausgeprägt. Aus der vom Grundgesetz gewollten vielfältigen Entwicklungsmöglichkeit ist ein einfältiger Tanz der Eitelkeit und der Profilierungssucht geworden.

Und das Saarland?
Das Saarland kocht sein eigenes bildungspolitisches Süppchen, ohne sich dafür zu interessieren, was außerhalb seiner Landesgrenzen geschieht. Es orientiert sich nicht an anderen – erfolgreichen – Bundesländern, die bereits ein Zwei-Säulen-Modell haben. Ich denke dabei an Sachsen.

Welche Rolle spielt die geplante Gemeinschaftsschule?
Die Struktur der geplanten Gemeinschaftsschule, als einzige Schulform neben dem Gymnasium, entspricht im Wesentlichen der einer Gesamtschule. Das Saarland isoliert sich damit, denn es ist kaum anzunehmen, dass in der Bildung besonders erfolgreiche Länder wie Bayern oder Sachsen das saarländische Modell übernehmen werden.

Verlangen Sie da nicht einen Sonderweg vom kleinen Saarland?
Im Gegenteil: Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben bereits einen gemeinsamen Abitur-Aufgabenpool in Mathematik, Deutsch und Englisch beschlossen. Dies erfordert von diesen Ländern eine ganz enge Abstimmung – auch mit Blick auf die Schulstrukturen und die Vereinbarung eines Wissenskanons. Denn Kompetenzen ohne Wissen gibt es nicht. Die Schulleiter der Gymnasien können bestätigen: Spitzenkräfte binden in der Tat ihre Familie in ihre Entscheidung ein. Sie werden sich bei diesen Gegebenheiten in den Bildungsangeboten noch stärker gegen das Saarland entscheiden.

Kann man sagen, das Saarland hat einen Standortnachteil Bildung?
Ich sehe durchaus erhebliche Nachteile. Das Gymnasium wendet sich mit seinen Zielen einer vertieften Allgemeinbildung und einer allgemeinen Studierfähigkeit bereits ab Klasse fünf an alle Schüler. Gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung ist das Vorhaben, auch an jeder Gemeinschaftsschule von Anfang an ein gymnasiales Angebot einzurichten und über eine eigene Oberstufe verfügen zu können, eine Illusion.

Wieso?
Wer meint, die vorgesehene Struktur der Gemeinschaftsschule wäre das Modell für die anderen Bundesländer, irrt. Das Saarland wird sich bildungspolitisch weiter isolieren, ein Umzug in andere Bundesländer oder ein Zuzug ins Saarland wird für Eltern mit schulpflichtigen Kindern zum Abenteuer.

Wie stehen Sie grundsätzlich zum Thema Gemeinschaftsschule?
Ich persönlich kann mit dem Namen „Gemeinschaftsschule“ gar nichts anfangen. Auch weil der Name 1937 für die „Schule der Deutschen“ hat herhalten müssen. Weitreichende Folgen für das Saarland wird die Abschaffung des Lehramts an Gymnasien haben. Im nun vorliegenden Entwurf für ein Lehrerbildungsgesetz ist dieses nicht mehr vorgesehen. Stattdessen ist das Ziel klar formuliert: „Die Lehrämter orientieren sich zukünftig nicht mehr vornehmlich an der Schulform, sondern an den jeweiligen Schulstufen.“ Stufenlehrer können beliebig, also flexibel an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien eingesetzt werden.

Wer will dann noch Lehrer an einem saarländischen Gymnasium werden?
Hat man erst einmal den Einheitslehrer eingeführt, muss man die Einheitsschule nicht mehr verordnen; sie stellt sich dann von alleine ein. Gibt es keine Lehrer mehr, die für den Einsatz am Gymnasium ausgebildet sind, so ist das Gymnasium tot. Die Vereinigung der Oberstudiendirektoren der Gymnasien im Saarland fordert, dass sich die Lehramtsausbildung weiterhin an den Schulformen orientiert, so wie es in den anderen Bundesländern der Fall ist. Es muss daher im Saarland im Zwei-Säulen-Modell ein Lehramt an Gemeinschaftsschulen und ein Lehramt an Gymnasien geben.

Wo findet gymnasiale Bildung statt?
Gymnasiale Bildung findet vor allem in den Klassen fünf bis zehn statt. Die Ziele der Gemeinschaftsschule als Pflichtschule sind mit denen des achtjährigen Gymnasiums nicht vergleichbar! Daher müssen die Lehramtsausbildungen unterschiedlich sein. Das gilt auch für deren Bezeichnung. Hinzukommen muss ein reines Lehramt an Grundschulen – wie Rheinland-Pfalz es bereits eingeführt hat.

Was hat die Einführung der Gymnasialen Oberstufe im Saarland gebracht?
Die Einführung der „Gymnasialen Oberstufe Saar“ (GOS, Anmerkung der Redaktion) war hauptsächlich als Lehrereinsparmodell gedacht. Heute muss man allerdings feststellen, dass die GOS nicht die erhofften Einsparungen gebracht hat. Die Folgen der GOS für die Qualifikation der saarländischen Abiturienten sind allerdings erheblich. Betroffen sind vor allem die Fremdsprachen und die Naturwissenschaften.

Welche Auswirkungen gibt es in puncto Fremdsprachen?
Im Kurssystem der GOS können drei Fremdsprachen nicht mehr parallel belegt werden. Dies gilt ebenfalls für drei Naturwissenschaften. Auch die Wahl von zwei Fremdsprachen und parallel dazu von zwei Naturwissenschaften ist nicht möglich – einmalig in ganz Deutschland! Nur noch eine Naturwissenschaft ist Pflichtfach und muss kein Abiturprüfungsfach sein. Die Konsequenzen liegen auf der Hand! Zum Vergleich: In Sachsen muss jeder Gymnasiast bis zum Abitur zwei Fremdsprachen und drei Naturwissenschaften verpflichtend belegen. Sachsen ist und bleibt die Ingenieurschmiede Deutschlands.

Geht das Anspruchsniveau des Gymnasiums damit nicht flöten?
Bei der Gleichstellung von Abschlüssen – gemeint sind der Hauptschulabschluss und der mittlere Bildungsabschluss – ist es natürlich richtig und gerecht, das höhere Anspruchsniveau an den Gymnasien zu berücksichtigen. Man muss dies auch tun. Aber Zeugnisnoten sollten immer noch wahr bleiben.

Was sagt die Wirtschaft, wenn sie die Regelungen für das Gymnasium im Saarland zur Kenntnis nimmt?
Schüler, die das Gymnasium nach der neunten oder zehnten Klasse verlassen, können ein Abgangszeugnis beantragen, in dem die Noten pauschal angehoben werden. Die Noten – außer im Fach Sport – werden in der Klassenstufe zehn pauschal um eine Notenstufe und in der Klassenstufe neun gar um zwei Notenstufen – abgesehen vom Anheben der Noten „gut“ und „ungenügend“ um eine Notenstufe – angehoben. Die Gleichstellung des mittleren Bildungsabschlusses beziehungsweise des Hauptschulabschlusses erfolgt auf der Grundlage der geänderten Noten! De facto bedeutet das Anheben der Noten, dass jeder Schüler, der am Gymnasium in die Klassenstufe zehn beziehungsweise in die Klassenstufe neun versetzt wurde, den mittleren Bildungsabschluss beziehungsweise den Hauptschulabschluss erwirbt.

Ist doch ungerecht, oder?
Es ist erkennbar, dass dies zu groben Ungerechtigkeiten gegenüber leistungswilligen Schülern führt, in vielen Fällen eine Verhöhnung der Lehrkräfte darstellt und geeignet ist, die Arbeitsmoral der Schüler zu erschüttern. Das einzige Ziel ist eine Beschönigung der Statistiken von Schülern mit schulischen Abschlüssen.

Was kann ein Minibundesland wie das Saarland tun, um seinen Nachwuchs besser zu fördern?
Unser Schulsystem darf in einer freien und offenen Gesellschaft keine Einrichtung zur Herstellung von Gleichheit sein. Es muss vielmehr Verschiedenheit fördern. Dies ist im Interesse der Förderung schwächerer Schüler und im Interesse der Bildung zukünftiger Eliten. Wir müssen sehr skeptisch gegenüber den Versprechungen von Bildungspolitikern sein.

Und die Lösung?
Wir brauchen endlich wieder Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft als unverzichtbare Tugenden einer Gesellschaft, die ihre nationalen Aufgaben lösen und in internationaler Konkurrenz bestehen will. In jedem Fall benötigen wir dringend kleinere Klassen. Angesichts der Schülerschaft an den Gemeinschaftsschulen ist es für mich dabei selbstverständlich, dass der Klassenteiler an der Gemeinschaftsschule deutlich kleiner sein muss als am Gymnasium.

Reicht das schon?
Wir brauchen eine wirklich voll bedarfsdeckende Lehrerversorgung. Und darüber hinaus einen angemessenen Lehrerstundenanteil, mit dem man schwache und leistungsstarke Schüler fördern oder bei Erkrankung von Lehrkräften Unterrichtsausfall vermeiden kann. Auch brauchen wir wieder einen hohen Stellenwert des Faches Deutsch, um den zunehmenden Mängeln im Beherrschen unserer Muttersprache entgegenzutreten.

Ein sehr dicker Forderungskatalog.
Wir brauchen ein Ende des ausufernden Abwälzens von Erziehungsaufgaben an die Schulen. Natürlich muss Schule Erziehung fortführen, unterstützen und ergänzen – aber sie kann sie nicht ersetzen und darf sich Erziehungsdefizite und ihre Folgen nicht pauschal zuschreiben lassen. Wir brauchen zudem eine Qualitätsoffensive im Lehrerberuf, um auch in Zukunft exzellent ausgebildete und hoch motivierte Lehrkräfte – auch wieder Männer – in ausreichender Anzahl zu gewinnen. Will man die Besten für den Lehrerberuf gewinnen, sind Nullrunden und die Absenkung der Eingangsbesoldung das Letzte, was wir brauchen können. „Das Schicksal einer Gesellschaft wird dadurch bestimmt, wie sie ihre Lehrer achtet“, hat der Philosoph Karl Jaspers einmal gesagt.

Das leuchtet ein, aber wo liegt der Schlüssel zum Erfolg?
Zur stärkeren Objektivierung brauchen wir im schriftlichen Abitur eine Zweitkorrektur an einer anderen Schule – so wie dies in Baden-Württemberg Standard ist. Schulleiter müssen im Saarland endlich Dienstvorgesetzte mit einem wesentlichen Mitspracherecht bei der Personalauswahl werden. Und: Wir müssen weiter in die Ausstattung unserer Schulen investieren.

Es wird von Experten immer wieder eine Individualisierung des Unterrichts gefordert. Geht das überhaupt mit unserer Schularchitektur, den teils viel zu großen Klassen und dem schon erwähnten Lehrermangel?
Individualisierung des Unterrichts bedeutet Binnendifferenzierung. Damit sollen die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern einer Schulklasse durch eine entsprechende Unterrichtsplanung aufgefangen werden. Die Guten sollen sich nicht langweilen und die Schlechten sollen nicht überfordert werden. Gebetsmühlenartig wird behauptet, dass die unterschiedlichen Vorkenntnisse und Begabungen durch eine gelungene Binnendifferenzierung aufgefangen werden können. „Nichts ist ungerechter als die gleiche Behandlung Ungleicher“, hat der amerikanische Psychologe Paul F. Brandwein gesagt.

Was meinen Sie damit?
Die immer wieder aufgewärmte Behauptung, die eher ein Wunschdenken ist, wonach in begabungs- und leistungsheterogenen Lerngruppen und Einheitsschulen eine Minderung der Leistungsunterschiede bei gleichzeitiger Verbesserung der Leistungsförderung aller möglich sei, ist eindeutig empirisch widerlegt. Binnendifferenzierung ist keine Alternative zur Schaffung von homogeneren Lerngruppen, die jeweils einen ihrem Leistungsvermögen entsprechenden Unterricht erhalten.

Aber das reicht doch nicht.
Äußere Differenzierung – wie in der bisherigen Erweiterten Realschule – dient der teilweisen Homogenisierung der Gruppen. Sie ist keineswegs nur ideologisch begründet und schon gar nicht in erster Linie ein Auswahlinstrument. Homogenere Gruppen erleichtern das Lernen. Jede Lehrkraft wird bestätigen, dass es schwierig bis unmöglich ist, den besten und den schwächsten Schülern einer Lerngruppe immer gleichermaßen gerecht zu werden – Binnendifferenzierung als durchgängiges Unterrichtsprinzip ist von einer Lehrkraft gar nicht zu leisten.

Was bedeutet das fürs Saarland?
Betrachten Sie doch einfach nur einmal die kommende Gemeinschaftsschule im Saarland. Die Gemeinschaftsschule ist die Pflichtschule und hat eine sehr heterogene Schülerschaft. Das reicht von Schülern mit Lernbehinderungen bis hin zu Schülern, die den mittleren Bildungsabschluss oder vielleicht einmal auch das Abitur anstreben.

Fehlt der Leistungsanreiz an dieser Stelle?
Bis einschließlich in die Klassenstufe acht „steigt jeder Schüler zu Beginn eines neuen Schuljahres in die nächste Klassenstufe auf“, das heißt es gibt erstmals am Ende der Klassenstufe acht eine Versetzungsentscheidung. Selbst eine freiwillige Wiederholung auf Antrag der Erziehungsberechtigten bedarf der Genehmigung durch die Klassenkonferenz. Eine Genehmigung in den Klassen fünf und sechs ist dabei sogar nur als Ausnahmefall vorgesehen. Wie soll da ein Lehrer den unterschiedlichen Begabungen und Leistungsmöglichkeiten eines Schülers etwa in einer Klasse sechs mit 26 Schülern gerecht werden? An welchen Schülern soll sich der Lehrer dann orientieren? Doch sicherlich nicht an den leistungsstärksten. Wie sollen da von Anfang an „gymnasiale Standards“ vermittelt werden? Gymnasiale Lerngegenstände müssen „schwer“ sein und in einer konzentrierten Lernhaltung und Lernatmosphäre erarbeitet und vertieft werden. Die „äußere Differenzierung“ wird gerne mit „Auslese“ gleichgesetzt und damit moralisch verurteilt. Die wichtige Zielnorm „Leistung“ hingegen wird oft nur am Rande erwähnt.

Das klingt je nach Sichtweise entweder naiv oder wie ein Horrorszenarium.
Aber auch in der Gesamtschule und der kommenden Gemeinschaftsschule gibt es äußere Fachleistungsdifferenzierungen und immer wieder werden durch Einstufungen neue Lerngruppen geschaffen. Auch das ist eine Auslese – genau wie die Weiterführung leistungsstärkerer Schülerinnen und Schüler in eine gymnasiale Oberstufe. Gerade leistungsschwächere Kinder werden durch den Bezugsgruppeneffekt und die ständigen Aufwärtsvergleiche hohen psychischen Belastungen ausgesetzt.

Lässt sich Bildung umverteilen?
Bildung lässt sich nicht umverteilen, sie muss – gelegentlich durchaus hart – erarbeitet werden. Die Verwirklichung des Traums von einer egalitären Gesellschaft lässt sich durch keine Schulform erzwingen, selbst wenn man den Leistungsgedanken dafür opfert. Und: Klassenwiederholungen sind für mich so etwas wie eine pädagogische Notfallreaktion, die – wenn sie nötig sind – meines Erachtens unvermeidbar sind.

Wann wird die Basis zum schulischen Erfolg gelegt?
Die Wissenschaft ist sich inzwischen einig darin, dass die entscheidenden Voraussetzungen für den Schulerfolg schon in der frühen Kindheit liegen. Familien aus sogenannten bildungsfernen Schichten dabei zu helfen, ihren Nachwuchs von Geburt an zu fördern – das ist die zentrale Aufgabe einer klugen Bildungs- und Sozialpolitik. Die Hoffnung, dass mit längerem gemeinsamem Lernen die soziale Gerechtigkeit und die Entwicklungschancen nachhaltig verbessert werden können, hat sich als (bedauerlicher) Irrtum herausgestellt. Nicht nivellierende Einheitsschulen, sondern ausreichend differenzierte Lernangebote und Schullaufbahnen werden den unterschiedlichen Lernbedürfnissen der Schüler gerecht.

Was müsste aus Ihrer Sicht geschehen, damit der ewige Gleichschritt in der Wissensvermittlung hin zu einer gezielten Förderung von Schülern verbessert wird?
Was soll man eigentlich unter Gleichschritt der Wissensvermittlung verstehen? Wissen kann nie „im Gleichschritt“ vermittelt werden. Auch die Gymnasien haben eine durchaus heterogene Schülerschaft und berücksichtigen daher im Unterricht sehr wohl die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Lernenden. Aber gerade das Gymnasium fördert Schüler in besonderem Maße. Ich denke dabei an die von der Vorgängerregierung eingeführten Förderstunden und die vielen anspruchsvollen nationalen und internationalen Wettbewerbe oder die vielfältigen Arbeitsgemeinschaften auf hohem Niveau.

Welche Funktion kommt dem Förderunterricht zu?
Der Förderunterricht kann Kindern helfen, die aus unterschiedlichen Gründen in schulische Schwierigkeiten geraten – zum Beispiel durch längere Krankheit, familiäre Probleme, Wissensrückstände gegenüber der übrigen Klasse bei der Einschulung, Sprachdefizite bei Nicht-Muttersprachlern. Er kann aber insbesondere auch besonders begabten Kindern die Förderung und Herausforderung bieten, die sie benötigen, um nicht durch Unterforderung das Interesse an der Schule zu verlieren und letztlich dadurch Schaden zu nehmen. Aber ich meine, gerade die Förderung besonders begabter Schüler kann an den Gymnasien noch deutlich verbessert werden. Das Milieu des Gymnasiums ist lernförderlich und die Lehrerbildung hat einen hohen Stellenwert. Eine aufwendige Untersuchung der Hamburger Schulen hat gezeigt, dass gerade schwächere Schüler, die aufs Gymnasium gelangten, dort bessere Leistungen erbrachten als vergleichbare Schüler an der Gesamtschule.

Herr Dr. Stein-Bastuck, konkret gefragt: Ist das Gymnasium im Saarland noch zu retten?
Die Bildungspolitik der Grünen und der Linken, aber leider auch der SPD, sieht – bundesweit – in der Zweigliedrigkeit nur einen Zwischenschritt zur weiterhin ersehnten integrativen Einheitsschule. Bis dieses Ziel erreicht ist, propagiert man die Gemeinschaftsschule.

Soll heißen?
Viele Befürworter der Gemeinschaftsschule im Saarland geraten ins Stottern, wenn sie die Unterschiede zur Gesamtschule erklären sollen. Mit der Einheitsschule untrennbar verbunden sind auch der „Einheitslehrer“ mit der „Einheitsausbildung“, der „Einheitsqualifikation“ und der „Einheitsbesoldung“. Mit der Verfassungsänderung ist im Saarland vom Gymnasium nur noch der Name übriggeblieben. Neu am Verfassungstext ist der Satz „Das Nähere bestimmt ein Gesetz“. Dieser Gesetzesvorbehalt stellt grundsätzlich eine offene Flanke für die nähere Ausgestaltung der Schulformen – und damit auch des Gymnasiums – dar. Von vielen wurde noch gar nicht bemerkt, dass die Grundschule als Schulform nicht mehr in der Verfassung festgeschrieben ist. Damit ist auch eine Einheitsschule ab Klasse eins im Saarland möglich geworden.

Malen Sie da nicht zu schwarz?
Mit einer Bildungspolitik, die sich im Saarland so eindeutig gegen das Gymnasium richtet, ist das Gymnasium in seiner bisherigen, sehr bewährten Form sicherlich auf Dauer nicht zu retten. Wir brauchen deshalb wieder eine Bildungspolitik, die sich zu einem starken, leistungsorientierten achtjährigen Gymnasium bekennt! Eine Einheitsschule, die wie ein Bauchladen alles anbietet, wird dem Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Saarland nicht dienen. Auch ein Zwei-Säulen-Modell, das in beiden Säulen von Beginn an gymnasiale Bildung vermitteln will, wird an der Realität zerplatzen. Doch bis dahin hofft man, damit noch einige Wahlkämpfe bestehen zu können. Es ist ein entscheidendes Merkmal des demokratischen Bildungswesens, allen leistungsfähigen und leistungsbereiten Schülerinnen und Schülern unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund Chancen zu eröffnen. Begabte junge Menschen müssen sich entfalten können.

Welche Rolle spielt an dieser Stelle die Herkunft eines Schülers?
Das Gymnasium ist eine Schule des sozialen Aufstiegs, in der eben nicht Herkunft, sondern Begabung und Leistung über den Bildungserfolg entscheiden. Viele individuelle Lebenswege bestätigen: Eliteförderung stellt soziale Gerechtigkeit her! Das Gymnasium führt begabte, leistungsbereite und motivierte Schülerinnen und Schüler in einem ganzheitlichen Bildungsgang von der Klasse fünf bis zum Abitur. In diesem Sinne ist das Gymnasium aufgrund seiner Öffnung für alle Gesellschaftsschichten eine Schule für viele, aber keine Schule für alle.

Ein klares Plädoyer für das Gymnasium.
Es sichert den Fortbestand von Spitzenleistungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, da es die schulischen Voraussetzungen dafür erbringt. Dadurch trägt es auch wesentlich zur technisch-wissenschaftlichen Entwicklung und zum weiteren wirtschaftlichen Wohlstand auch im Saarland bei. Unser Land braucht diese gut ausgebildeten Absolventen der Gymnasien.

Interview: Roman Länger

Die Bundesdirektorenkonferenz (BDK)
Die Bundesvereinigung der Oberstudiendirektoren – kurz Bundesdirektorenkonferenz (BDK) – ist der Zusammenschluss von Direktorenvereinigungen der Bundesländer. Sie wurde 1971 gegründet. Von den circa 3.000 Direktoren von Gymnasien in Deutschland sind derzeit 2.225 über ihre Vereinigungen in der Bundesvereinigung der Oberstudiendirektoren organisiert. Die Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien ist das ausführende Organ der Bundesvereinigung der Oberstudiendirektoren. Die BDK besteht aus 26 Vertretern der Direktorenvereinigungen; größere Bundesländer sind durch mehrere Mitglieder in der BDK vertreten. Bundesvorsitzender ist seit März 2009 der Leiter des Gymnasiums am Krebsberg Neunkirchen, Oberstudiendirektor Dr. Rainer Stein-Bastuck.

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