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Was macht eigentlich…

21 Was macht Schneider 1

…Paul Schneider?

Paul Schneider (62) war deutscher Meister im Ringen, WM-Vierter, EM-Siebter und Landesmeister. Er betreute den Bundesligisten KSV Köllerbach und den AC Heusweiler, war Landestrainer. Heute leitet er die Grundschule Köllerbach und bildet Lehrernachwuchs aus.

Es sieht so aus, als würde Ringen aus der Liste der olympischen Sportarten gestrichen. Wie stehen Sie zu dieser Entscheidung? Glauben Sie, dass sich das auf die Nachwuchsarbeit auswirken wird?
Die Entscheidung ist nicht nur für mich unverständlich und wird sicher korrigiert. Für die Nachwuchsarbeit würde es sicherlich schwieriger werden, da für viele junge Sportler die Teilnahme an Olympischen Spielen eine große Motivation darstellt.

Apropos Nachwuchs: Gibt es noch genügend Kinder, die sich für Ringen interessieren und wird Ihrer Meinung nach im Saarland genügend für die sportliche Ausbildung des Ringer-Nachwuchses getan? Was könnte vielleicht verbessert werden?
Wir leisten im Spitzensport hervorragende Arbeit. Die kurzen Wege im Saarland führten zu einer Konzentration des Trainings in allen Altersklassen an der Sportschule Saarbrücken mit zwei hauptamtlichen Trainern und sechs Honorartrainern. Leider haben immer mehr Vereine Probleme. Es fehlt ihnen an Helfern in der Vorstandsarbeit und an engagierten Trainern.

Geschlagen: Diesmal unterliegt Paul Schneider in einem Bundesliga-Kampf dem türkischen Ringer Yildirim.

Sie sind Lehrer und als Schulleiter sicher oft auch als Schlichter bei Raufereien gefragt. Nun engagieren Sie sich für das Thema „Raufen und Kämpfen im Sportunterricht“. Ist das kein Widerspruch?
Es ist kein Widerspruch, sondern der Beweis, dass das Bewegungsfeld „Kämpfen-Raufen-Ringen“ in der Erziehung wichtiger ist als je zuvor. Erzieher und Erzieherinnen sehen das inzwischen auch so – spätestens nach dem Besuch meiner Fortbildungsveranstaltungen. Übrigens: An einer Modellschule Sport gibt es nachweislich weniger Aggressivität. Unsere Kinder haben drei (statt zwei) Sportstunden und können aus zehn Sportfördergruppen auswählen, körperliche Auseinandersetzungen brauchen sie nicht mehr.

Und wie kann man dafür sorgen, dass die körperlichen Aktivitäten im Rahmen bleiben?
Hierzu nenne ich einige Thesen. Erstens: Kinder suchen den Körperkontakt. Zweitens: Kinder wollen ihre Kräfte messen. Drittens: Kinder sollen ihre Grenzen kennenlernen. Viertens: Kinder müssen lernen, Verantwortung zu tragen. Fünftens: Kinder wollen und sollen Wagnisse eingehen. Sechstens: Kinder sollen den Erfolg – aber auch die Niederlage – erleben. Siebtens: Kinder brauchen Grenzen, Orientierungen und Strukturen. Achtens: Kid-Check, eine Untersuchung der Saar-Uni mit 800 Schulkindern, ergab: Ringen ist die effektivste Sportart.

Wissen Ihre Schüler, dass ihr Lehrer einmal ein deutscher Spitzenringer war?
Ich bin in Köllerbach geboren, habe dort gerungen, war Trainer und bin seit 1975 dort Lehrer. Ich habe schon viele Eltern und Großeltern meiner heutigen Schülerinnen und Schüler unterrichtet – die wissen es, aber durch sie auch viele Kinder.

Wie sind Sie selbst eigentlich zum Ringkampfsport gekommen? Gab es da berühmte oder lokale Vorbilder?
In Köllerbach hat Ringen große Tradition und Bedeutung, jeder Köllerbacher steht mal auf der Ringermatte. Ich hatte zwei Onkel, die gerungen haben. Sportlich orientieren konnte ich mich an Rolf Lacour, mit dem ich viel trainiert habe. Vorbild war für mich Ahmet Bilek, der Olympiasieger 1960 in Rom wurde und der zu früh verstarb. Leider war er nur drei Jahre mein Trainer.

Welche anderen Sportarten wären denn für Sie als Jugendlicher noch in Frage gekommen?
Eigentlich nur Fußball!

Können Sie sich noch an Ihren ersten offiziellen Ringkampf erinnern?
Das war 1963 in Riegelsberg – die Urkunde habe ich noch.

Sie haben eine beachtliche Titelsammlung errungen. Auf welchen Ihrer sportlichen Erfolge sind Sie besonders stolz?
Ich bin der einzige saarländische Ringer, der in beiden Stilarten und allen möglichen Altersklassen Medaillen bei deutschen Meisterschaften gewinnen konnte. Als Vereinstrainer habe ich sowohl Köllerbach von der Oberliga als auch
Heusweiler von der Regionalliga in die Erste Bundesliga geführt.

Schuldirektor im Dienst: Paul Schneider mit einigen
seiner Schüler an der Grundschule Köllerbach.

Gab es auch herbe Enttäuschungen, die länger in der Erinnerung haften geblieben sind?
Sportlich lernt man, mit Niederlagen zu leben. Als Trainer habe ich Enttäuschungen erlebt, über die ich nicht reden möchte.

Die schönsten Momente Ihrer sportlichen Karriere können Sie aber sicher nennen?
Das waren vor allem die drei Wochen als 18-Jähriger bei der WM 1969 in Colorado/USA. Aber auch die Fahrten mit den Köllerbacher Ringern nach Ohio, Kalifornien und Hawaii haben bleibende Eindrücke hinterlassen.

Sie waren Landes- und Vereinstrainer. Welches Amt war denn eine größere Herausforderung?
Beide stellen andere Anforderungen, mehr Arbeit hat man mit Sicherheit als Vereinstrainer.

Wie intensiv verfolgen Sie noch die aktuelle Ringer-Bundesliga? Wann haben Sie den letzten Bundesliga-kampf gesehen?
Ich gehe regelmäßig zu den Kämpfen der Ersten und Zweiten Bundesliga. Der letzte Wettkampf war das tolle Finale Köllerbach gegen Mainz.

Was sind die auffälligsten Veränderungen, die sie dabei feststellen können?
Viele Weltklassesportler bereichern heute die Matten der deutschen Ligen! Das bringt aber nicht nur Vorteile.

Halten Sie es in diesem Zusammenhang für problematisch oder unabänderlich, dass in den Spitzenteams viele ausländische Athleten ringen, die oft nur zu den Kämpfen einfliegen, manchmal aber auch nicht erscheinen?
Es ist sicherlich ein Problem – das Vereinstraining und damit das Vereinsleben haben damit an Bedeutung verloren. Wichtiger als gutes Training ist bei vielen Vereinen die Organisation von Flügen ihrer ausländischen Spitzenringer! Aber: Könnten wir unser deutsches Wettkampfsystem ohne diese Sportler aufrechterhalten? Eine Selbstbeschränkung der Vereine könnte den deutschen Athleten helfen, aber haben wir dann noch genug Sportler für die Erste und Zweite Bundesliga? Das sind Fragen, die sicherlich für die nächsten Jahre eine Herausforderung für unsere Sportart darstellen.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Ringer-Kollegen und ehemaligen Vereinen?
Ja, regelmäßig. Ich habe ja nur für den KSV Köllerbach gerungen und war drei Jahre Trainer in Heusweiler.

Sie haben immer noch eine sportliche Figur. Tun Sie viel dafür? Und wie verbringen Sie sonst Ihre Freizeit?
Ich bin in den letzten Jahren viel gelaufen – bis hin zum Marathon. Zurzeit gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio. In den Ferien fahre ich mit dem Wohnmobil durch Europa, am liebsten bin ich in Frankreich oder in den Alpen unterwegs.

Haben Sie Kinder und Enkel? Wenn ja, ist da sportliches Talent und Interesse vorhanden?
Ich habe eine Tochter, die aber aktiv keinen Sport betrieben hat. Die beiden Jungs aus der ersten Ehe meiner Frau – Andy und Patrick Schmidt – haben gerungen, die Enkelinnen sind noch zu jung.

Interview: Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Paul Schneider, geboren 1951 in Köllerbach, begann 1963 mit dem Ringen beim KSV Köllerbach. Er war unter anderem Landesmeister, deutscher Meister der Jugend und der Junioren in beiden Stilarten. Er startete bei der WM in Colorado (USA) und bei der EM im polnischen Kattowitz und bei diversen deutschen Meisterschaften der Männer. 1984 erwarb Schneider die Trainer-A-Lizenz und übernahm mit 21 Jahren das Training beim KSV Köllerbach. Ab 1996 betreute er den AC Heusweiler, führte ihn von der Regionalliga in die Erste Bundesliga. Zudem war er von 1979 bis 2009 Landestrainer. Beruflich unterrichtete Schneider als Grund- und Hauptschullehrer an verschiedenen Schulen, seit 1987 an der Grundschule Köllerbach (Modellschule: Sportförderzentrum des Bildungsministeriums, Püttlingens und des Landessportverbands). Seit 2006 ist er Schulleiter. Von 1992 bis 1998 war er am Sportwissenschaftlichen Institut der Saar-Uni in der Lehrerausbildung tätig. Bis 2005 leitete er als „Moderator Grundschulsport“ Lehrerfortbildungen an den saarländischen Grundschulen.

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