…Wolfgang Lippert?
Er trägt auffällige Brillen und extravagante Anzüge, redet ohne Punkt und Komma und spaltet die Kritiker. Fest steht: Er liebt die Bühne. Wolfgang Lippert ist mittlerweile 60 Jahre alt, hat eine Privatinsolvenz hinter sich und kürzlich seine Autobiografie veröffentlicht.
Vom Automechaniker zum Showmaster und vom Vielverdiener zum Pleitier: Wolfgang Lippert kennt das Achterbahngefühl beruflich und privat. Der Sänger, Entertainer, TV- und Radiomoderator war in der DDR extrem bekannt und erfolgreich. Er schaffte dann kurzzeitig mit „Wetten, dass…?“ den Sprung ins gesamtdeutsche TV-Abendprogramm, gehört aber seit Jahren schon nicht mehr zu den fest gebuchten Gesichtern der großen Sender. Vor seinem 60. Geburtstag, der im 16. Februar war, sagte die Berliner Frohnatur: „Von einem Berg zum anderen muss man immer durchs Tal. Es fühlt sich aktuell nach aufwärts an.“
Die Liebe zum Entertainment hat „Lippi“ im Blut. Sein Vater war Kapellmeister des „Walter Lippert Tanzorchesters“. Sein jüngster Sohn Wolfgang absolvierte zwar nach der Schule eine Lehre als Kfz-Mechaniker und blieb auch kurz in diesem Beruf. Doch dann schwenkte er ins Künstlerische um. Er arbeitete als Fotograf, ließ sich in Kameratechnik ausbilden und assistierte bei der beliebten DDR-Sendung „Außenseiter – Spitzenreiter“. Dann studierte Lippert Gesang und Klavier.
Er zog mit einer eigenen Rockband durchs Land, komponierte selbst – und schaffte vor mittlerweile 30 Jahren seinen vom DDR-Erfolgskomponisten Arndt Bause geschriebenen Hit „Erna kommt“. Im Westen wurde dieser eingängige Song von Hugo Egon Balder gecovert. Multitalent Lippert sang aber auch Kinderlieder und Schlager und bekam schließlich 1984 seine erste eigene Samstagabendsendung im DDR-Fernsehen. Sie hieß „Meine erste Show“.

Wolfgang Lippert hat seine Erinnerungen veröffentlicht.
Wie schon als Sänger trat der Vater einer Tochter auch als Moderator abwechselnd vor Erwachsenen und Kindern auf. Es folgten etwa die Kindersendung „He – Du!“ und die Samstagabend-TV-Show „Glück muss man haben“. Auch im Hörfunk war der quirlige Unterhalter aktiv. Schon ein Jahr vor dem Mauerfall moderierte der Entertainer aus Ostberlin bei Radio Bremen. „Es war eine Mischung aus Gunst und Frechheit“, sagt er heute auf die Frage, wie es dazu kam. Für Ärger habe er bei den DDR-Fernsehchefs auch mit einem „heimlichen“ Besuch bei Frank Elstners ZDF-Sendung „Nase vorn“ gesorgt. „Die haben Millionen Menschen in ganz Europa gesehen“, berichtet Lippert stolz.
Nach dem Mauerfall stieg der Ost-Unterhalter schnell zum gesamtdeutschen Showmaster auf – als zwischenzeitlicher Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“. Er erreichte bis zu 15 Millionen Zuschauer. Kritiker bemängelten jedoch seinen „brav-biederen Charme“. Bei der folgenden „Goldmillion-Familienshow“ wurde ihm zwar ein gelungener Einstand bescheinigt – aber es gab zu wenig Zuschauer. Danach holte sich der DDR-Publikumsliebling im Fernsehen viele blaue Flecken und stieg einige Jahre ganz aus.
Der Showmaster wurde zum Schauspieler, war seit 2000 in verschiedenen Rollen bei den Störtebeker-Festspielen auf Rügen zu sehen und ging an der Seite von Herbert Köfer mit dem Boulevard-Stück „Der Liebesfall“ auf Deutschlandtournee. Für den KiKa agierte er als Ideengeber – und dachte sich die politische Unterhaltungsreihe „Politibongo“ aus, in der die Arbeit des Deutschen Bundestags vorgestellt wurde.
Zur Jahrtausendwende verlor der Moderator bei Immobiliengeschäften sein Vermögen, musste Privatinsolvenz anmelden. Dann brachte ihn eine im Baumarkt geklaute Zange auf die Boulevard-Titelblätter – ein „dummes Versehen“, wie er selbst danach sagte. Er habe die Zange aus Versehen in seine Manteltasche gesteckt.
Unterdessen hat er sich wieder gefangen. In seiner 2011 erschienenen Autobiografie schreibt „Lippi“: „Statt immer im Mittelpunkt zu stehen, habe ich selbst meine Mitte gefunden.“ Ruhm und Erfolg können einsam machen, sagte er. Wichtiger seien ihm Liebe, Freundschaft und Fairness. Und bei Misserfolgen helfe ihm ein gutes Glas Wein – neben einem „guten seelischen Immunsystem“, der Familie und Freunden. Echten Freunden, wie er betont.
Sophia Caroline Kosel
Zur Person:
Wolfgang Lippert wurde am 16. Februar 1952 in Berlin geboren. Er genoss eine Klavier- und Gesangsausbildung. Außerdem machte er eine Lehre zum Kfz-Mechaniker und arbeitete als Fotograf. Mit einer Rockband auf Tournee entdeckte ihn das Fernsehen. Dort moderierte er die Kindersendung „He – Du!“ (1983 bis 1986). „Erna kommt“ war ein Hit, den Lippert im Osten landete. Durch die Cover-Version von Hugo Egon Balder wurde der Song auch im Westen bekannt. „Ein Kessel Buntes“ oder „Glück muss man haben“ waren Sendungen, die Lippert im DDR-Fernsehen bis 1988 moderierte. 1989 war er der erste Moderator aus der DDR, der im Westfernsehen eine Show moderierte (Radio Bremen). 1992 wurde er Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass…?“ – gab es aber nach neun Folgen wieder „zurück“. „Der große Preis“, „Goldmillion“ oder „Sommergarten“ waren Sendungen, die er später moderierte. 2002 meldete Lippert Privatinsolvenz an. Seine Erinnerungen veröffentlichte er 2011 als „Lippi-Bekenntnisse“. Er lebt mit seiner Frau Gesine bei Berlin und auf Rügen.
