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06 Politik Nadine Schön 01

Wortspiele verboten

Die CDU-Politikerin Nadine Schön vertritt St. Wendel im Bundestag und hat dort alle Hände voll zu tun. Das politische Berlin fordert die ganze Frau, die Stadt selbst ist ihr deshalb bisher fremd geblieben. Kontakt zur Heimat hält die 27-Jährige über soziale Netzwerke im Internet wie Twitter und wkw.

Nadine Schön hat es echt nicht leicht. Als die 27-Jährige noch Müller hieß und für die CDU im saarländischen Landtag saß, kamen ständig Anfragen, ob sie denn mit Ministerpräsident Peter Müller verwandt sei. Ist sie nicht. Doch seitdem sie geheiratet hat und nun Schön statt Müller heißt, ist nichts besser geworden. Denn weil Nadine Schön ihrem Namen optisch alle Ehre macht, reißen die Wortspiele nicht ab.

Dabei hat die gebürtige Lebacherin viel mehr zu bieten als wilde Wortakrobatik. Mit ihren 27 Jahren gehört sie zu den jüngsten Mitgliedern des Deutschen Bundestages und gibt sich da gleich voll die Kante. Alte Bundestagshasen wissen, ein Ausschuss als Vollmitglied und eine Ausschussvertretung reichen als Arbeitspensum völlig aus. Schön sieht das nicht so: Sie sitzt in gleich zwei Ausschüssen als Vollmitglied, in zwei anderen vertritt sie Kollegen, wenn die mal nicht können.

Da verwundert es kaum, dass die Abgeordnete Deutschlands Hauptstadt noch nicht ernsthaft wahrgenommen hat: „Die Stadt kenne ich noch durch ein Praktikum, bei dem ich vier Wochen in Berlin verbracht habe. Deshalb weiß ich, dass Berlin eine tolle Stadt ist“, lächelt sie. Während der Sitzungswoche bekomme sie von Berlin aber kaum etwas mit. In der Adventszeit war ihr Mann für ein Wochenende da, doch viel mehr als ein Gang über die Weihnachtsmärkte blieb nicht. Das soll sich aber ändern. Im neuen Jahr hat sich die Saarländerin vorgenommen, Berlin wenigstens ab und zu einmal am Wochenende anzuschauen. „Die Tage in den Sitzungswochen sind sehr lang. In meinem ersten Jahr als Bundestagsabgeordnete bin ich jetzt tatsächlich nur ein einziges Mal privat abends ausgegangen“, erklärt sie. Da helfe es auch gar nicht, dass sie in Berlin-Mitte direkt an der U-Bahn-Linie 2 wohne und von dort aus direkt in die Ausgehviertel am Prenzlauer Berg oder auch nach Kreuzberg fahren könnte. „Ich gebe zu, dass ich die Zeit, die dafür übrig bleibt, anfangs optimistischer eingeschätzt hatte“, sagt sie.
Zum Gespräch trägt die 1,64 Meter große, blonde Frau ein schwarzes Jackett  mit schwarzer Stoffhose, ein dunkles Oberteil und einen grau-schwarzen Schal mit Muster. Die Farbe Schwarz passt natürlich zur politischen Gesinnung, tut der stylish-chicen Optik der Abgeordneten aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Ihr Stil wirkt weder aufgesetzt noch betont untertrieben, sondern für eine junge, moderne Volksvertreterin durchaus angemessen.

Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit soll künftig das Thema Technologie werden, „weil dies für das Saarland aufgrund des Strukturwandels ein ganz wichtiger Aspekt ist“, sagt sie. „Wir haben uns von Kohle und Stahl jetzt immer mehr in Richtung IT und Nanotechnologie entwickelt. Neue Technologien und der Technologie-Transfer sowie Unternehmensgründungen waren schon als Landtagsabgeordnete meine Themen. Damals allerdings mehr aus Sicht der Hochschulen. Und im nächsten Jahr möchte ich das Thema nun mehr aus der Sicht der Wirtschaft angehen.“

Für Nadine Schön sind Technologieparks wie der „sciene park saar“ wegweisend für das Land.

Im Familienausschuss engagiert sich Nadine Schön für Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf und  Gleichstellung. „Das Schöne daran ist, dass es viele Schnittpunkte zu den Themen des Wirtschafts- und Technologie-Ausschusses gibt. Etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder bei Frauen in Führungspositionen und auch bei Existenzgründerinnen“, erklärt sie.

Man merkt ihr an, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auch das Thema Wiedereinstieg nach der Eltern- oder auch der Pflegezeit ihr wirklich am Herzen liegen. „In meinem Freundeskreis gibt es zum Beispiel viele junge Mamas, die das betrifft. Dadurch komme ich mit dem Thema Wiedereinstieg in den Beruf auch unmittelbar in Berührung. Es geht hier um eine Aufgabe, die nur gemeinsam mit den betreffenden Unternehmen, der Wirtschaft und der Politik angegangen werden kann. Flexible Arbeitszeitmodelle oder Weiterbildungsangebote, die vielleicht sogar während der Elternzeit oder auch der Pflegezeit stattfinden, sind Aspekte, die künftig gemeinsam gestaltet werden müssen“, fordert sie.

Wenn Nadine Schön im Bundestag redet, hört man ihr zu. Sie kann reden. Optisch gibt es aber noch Verbesserungsbedarf. Denn während sie am Pult spricht, tänzelt ihr Oberkörper von links nach rechts und zurück. Das lenkt vom Debattenthema ab, wirkt unruhig. Ein typisches Zeichen für Nervösität, die alte Politikstrategen besser verbergen können. Aber sie hat noch Zeit, ist ja erst 27. Passend zum Thema „Technologie“ setzt Schön bei der Eigen-PR auf moderne Technik. Sie nutzt die eigene Website, um ihre Wähler auf dem Laufenden zu halten und verschickt regelmäßig Newsletter aus Berlin. Im sozialen Netzwerk wer-kennt-wen (wkw) wird sie gleich von einem ganzen Nadine-Schön-Team vertreten. Und natürlich twittert sie: „In den Sitzungswochen geschieht das so etwa vier bis fünf Mal am Tag. Ich will, dass die Bürger im Wahlkreis ein wenig verfolgen können, was ich hier mache, deswegen twittere ich gerne und auch viel.“ Überhaupt ist die Abgeordnete, die bei der Bundestagswahl 2009 den vierthöchsten Stimmenzuwachs an Erststimmen in Westdeutschland für sich verbuchen konnte, gut erreichbar – manchmal auch ganz so wie früher: über Briefe, Anrufe, und nicht zuletzt natürlich durch persönliche Gespräche vor Ort im Wahlkreis. Die Juristin versteht sich ganz klassisch als Vertreterin des Volkes. Und von eben diesem möchte sie sich auch gar nicht abheben. Kostenlose Einladungen zu Konzerten und anderen Events lehnt sie ab. „Für mich ist es selbstverständlich, die Eintrittskarte trotzdem selbst zu bezahlen. Wenn die anderen  Besucher das tun, mache ich das auch.“

Frank M. Wagner

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