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08 Technik Wörteruhr 1

Zeit im Wort

Zeiger und Digitalziffern sind bei der Uhr Qlocktwo out: Hier wird die Uhrzeit gut lesbar aufgeschrieben. Und das sogar in zig verschiedenen Sprachen. FORUM hat das Designstück getestet.

Es heißt, die heutige Zeit sei schneller, stressiger, sie würde rasen. Das, was uns dabei ständig antreibt, ist der Zeitmesser. Uhren mit originellen Ideen gibt es dabei viele. Meist sind diese Modelle jedoch so kompliziert wie beispielsweise die „Mengenlehreuhr“ am Berliner Europacenter.

Nur selten trifft man auf ein Modell, das das Ablesen der Zeit vereinfacht. Hierzu gehört die Qlocktwo von Biegert & Funk, eine interessante Mischung aus Hightech, Design und Simplifizierung.
Die Qlocktwo zeigt die Zeit so an, wie sie gesprochen wird. Das geht einerseits direkt ins Ohr, wirkt andererseits auch sehr entspannend, weil keine Sekunden ticken.

So zerlegt kommt die Uhr an, mit farbigen Ziffer- beziehungs­weise Buchstabenblättern für den individuellen Geschmack.

Tatsächlich wird die Anzeige nur alle fünf Minuten aktualisiert; lediglich vier kleine Leuchtpunkte in den vier Ecken der Uhr zeigen zusätzlich noch die Minuten. Man erfährt, wie spät es ist, muss dabei nicht lange nachdenken, fühlt sich nicht gedrängt. Und wenn einen jemand am Telefon fragt, wie spät es eigentlich ist, braucht man es nur vorzulesen.

Materialien und Design der Uhr sind extrem hochwertig: Eine magnetisch befestigte, auswechselbare Edelstahlfront enthält die Buchstaben, die von einer Zwölf-mal-zwölf-Matrix weißer LEDs hinterleuchtet werden und so die gewünschte Anzeige ergeben. Diese LEDs werden wiederum von einem kleinen Computer gesteuert, der die richtige Kombination aus Uhrzeit und eingestellter Sprache generiert. Die Uhrzeit selbst kommt bei aller Lässigkeit dennoch sekundengenau und mit automatischer Sommer-/Winterzeitumschaltung per Funk.

Optisch wirkt das gute Stück wie aus der Design-Schmiede von Apple, Bauhaus-Ästhetik pur, und gewann so auch mehrere Designpreise. Preislich wirkt die Qlocktwo allerdings leider auch wie aus dem Hause Apple: 885 Euro sind viel für eine Uhr, die nicht am Arm getragen wird und keine Edelsteine enthält.

Wem dies zu teuer ist, der kann zur neuen und kleineren Version für den Schreib- oder Nachttisch greifen, der Qlocktwo Touch, die „nur“ 395 Euro kostet und auch wecken kann.
Der Kurier brachte zum Test ein erstaunlich großes Paket vorbei, das auf allen Seiten mit roten „Vorsicht, zerbrechlich“-Warnungen beklebt war – und dies, obwohl die Qlocktwo nur Plexiglas oder Edelstahl als Frontmaterial verwendet, kein Mineralglas, und nicht extrem zerbrechlich ist. Aber umstoßen sollte man das teure und mit etwa vier Kilogramm für die Größe durchaus schwere Stück keinesfalls.

Aus dem Paket kommt ein schlanker Koffer, in dem sich dann nebst Uhr mit Frontplatte noch Zubehör findet, wie ein Sortiment aus Mini-Frontplatten in anderen Farben. Hier ist die Analogie zu Apple iMacs und iPods in unterschiedlichen Farben offensichtlich – und der teure Wunsch des Produzenten, der Käufer möge sich mehrere verschiedenfarbige Frontplatten anschaffen und dann die Frontplatte passend zur Tagesstimmung oder dem Abendkleid auswechseln.

Zusätzliche Frontplatten kosten nämlich jeweils 95 Euro, die Edelstahl-Frontplatte 295 Euro und die Gold-Frontplatte mit arabischer Schrift noch einiges mehr.
Hinzu kommen ein weiches Tuch zur Reinigung, Plexiglasständer für das Aufstellen auf Regalen oder Tischen, ein Wandhalter mit Montageschrauben, zwei Anschlusskabel (lang oder kurz), ein Steckernetzteil und ein Adapterkabel, wenn man die Uhr an eine feste Installation unter Putz anschließen will statt an eine normale Steckdose. Dies ist natürlich besonders elegant, weil dann die Verdrahtung unsichtbar bleibt.
Steht der Zeitmesser bereit, entpuppt er sich als weitgereist: Die Qlocktwo spricht, pardon, schreibt auch Fremdsprachen: neben Deutsch, Englisch, Holländisch, Schwyzerdütsch und Französisch auch Italienisch, Spanisch, Dänisch, Schwedisch, Russisch und eben auch noch Arabisch. 

Die Uhr selbst kann nach einer kurzen Umprogrammierung die gewünschte Sprache anzeigen, allerdings muss auch die dazu gehörende Frontplatte aufgesetzt sein, sonst entsteht nur Buchstabensalat. Zwei Sprachen kann die Qlocktwo aber schon ab Werk und ohne Wechsel der Frontplatte: Deutsch (West/Nord) und Deutsch (Ost/Süd), kurz „D“ und „D2“.

Nein, die Uhr spricht nicht Saarländisch, Sächsisch oder Bayerisch, sondern reinstes Hochdeutsch. Doch gibt es einen Unterschied in der gesprochenen Angabe der Uhrzeit, der vermutlich den meisten gar nicht bewusst ist, weil sie es nicht anders kennen. Erklärt man einem Rheinländer, es sei gerade „drei viertel vier“, schaut der meistens ratlos, während andere genau wissen, es ist nun 15.45 Uhr.
Hinzu kommen einige andere Sprach-Variationen wie „Es ist zehn vor halb zwei“, was anderswo jedoch eher als „Es ist zwanzig nach eins“ wiedergegeben würde. Die Qlocktwo passt sich also in Einstellung „D2“ dem eigenen Sprachempfinden an.

Die Anzeigehelligkeit wird dabei automatisch geregelt, mit einem Lichtsensor auf der Uhrenrückseite, um nicht optisch in Erscheinung zu treten.
In einem dunklen Raum oder nachts regelt die Qlocktwo das Licht so weit herunter, dass man auf den ersten Blick denkt, es scheine nur etwas Licht durch einen nicht ganz geschlossenen Rollladen. Bei Sonne dreht sie dagegen immer weiter auf und bleibt stets gut lesbar.

Einzige Einschränkung: Die Anzeige ist aus Effizienzgründen getaktet und flimmert bei höherer Helligkeit ganz leicht. Erstaunlich dabei: Der Energieverbrauch ist selbst bei maximaler Helligkeit noch extrem gering.
Dass das Produkt Qlocktwo designorientiert ist, hat den Hersteller also nicht daran gehindert, auch technisch eine optimale Lösung zu liefern. Nur der hohe Preis dürfte dazu führen, dass die Qlocktwo eher ein – wenn auch sehr hübsches – luxuriöses Nischenprodukt bleiben wird.

Wolf-Dieter Roth

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