Aus einer deutsch-französischen Kooperation wuchs eine Hochschule, die sich Internationalität auf die Fahne schreibt. Mit über 120 Nationen in Studium und Lehre ist die Saar-Universität eine der internationalsten Unis Deutschlands – und kennt ihre eigenen Stärken und Schwächen.
Die Universität des Saarlandes feiert 75. Jubiläum. Das bedeutet nicht nur 75 Jahre Lehre und Forschung, sondern auch 75 Jahre internationale Geschichte. Als eine der internationalsten Hochschulen der Bundesrepublik hat sich die Saarbrücker Universität einen Namen gemacht. Durch ihre regionale Lage und die Grenznähe zu Frankreich lockt sie Studierende und Mitarbeitende aus der ganzen Welt. Die deutsch-französische Freundschaft ist „Teil ihrer DNA“, sagt der Vizepräsident für Internationalisierung und Europa, Prof. Dr. Cornelius König. Doch der Blick geht über Frankreich und Europa hinaus, denn „Europa-Universität ist per se international“, lautet ihr Motto.
Mit insgesamt 3.464 ausländischen Studierenden machen Internationale rund 21 Prozent aller Studierenden am Saarbrücker Campus aus. Davon kommen alleine 472 aus Indien, die es laut Sina Vogel vom Welcome Center vor allem wegen der Informatik nach Saarbrücken zieht. Doch auch zahlreiche andere Länder sind vertreten, neben dem französischen Nachbarn auch China, Syrien, Iran, Türkei, Ukraine und noch mehr. Rund 23 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeitenden und circa sieben Prozent der Professorinnen und Professoren kommen aus dem Ausland. Dazu treffen durch Erasmus im Jahr 280 internationale Studierende an der UdS ein und fast genauso viele verlassen sie jährlich, um andere Länder zu erkunden.
Mit insgesamt 550 Partnerhochschulen in 52 Ländern weltweit, von Frankreich, Mittel-, Ost- und Südeuropa bis nach Australien und USA, versucht die Universität des Saarlandes ihre Schwächen zu ihren Stärken zu machen: Als Hochschule des kleinsten Bundeslandes mag sie sich nicht mit Universitäten in Berlin, München oder Heidelberg vergleichen. Doch mit ihrem Frankreichbezug und der deutsch-französischen Freundschaft hat sie laut der ehemaligen Universitätspräsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel doch ein Alleinstellungsmerkmal.
Die Grenznähe zum Vorteil machen
In europäischen Hochschulallianzen wie dem Netzwerk „Transform4Europe“ engagiert sie sich nicht nur für Lehre mit Europaschwerpunkt, sondern will auch die Forschung in diesem Bereich vorantreiben. Mit ihrer Internationalisierungsstrategie hat sie sich vorgenommen, ihre Studierenden und Mitarbeitenden noch mobiler zu machen, noch mehr Internationale anzuziehen und europabezogene Kompetenzen und Studieninhalte in sämtlichen Studiengängen weiter auszubauen. Das alles sind große Ziele, doch sie bringen auch Herausforderungen mit sich.
Wer in ein neues Land kommt, egal ob zum Studieren oder zum Arbeiten, steht vor vielen Hürden. Aller Anfang ist schwer, und die Probleme beginnen nicht erst bei akademischen Fragen. Visa, Wohnungssuche, Krankenversicherungen und Steuernummern gehören zum bürokratischen Alltag Deutschlands, der Neuankömmlinge überfordert. Deshalb sind sie auf die Hilfe der Universität angewiesen, wo sich das Welcome Center als erste Anlaufstelle und der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) bemühen zu helfen. Doch auch die Universität gerät an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, beispielsweise wenn es an Wohnraum mangelt oder es Probleme mit Ausländerbehörden gibt. An dieser Stelle ist das Saarland als Land gefragt, das die internationalen Studierenden und Mitarbeitenden ebenso braucht wie die Universität selbst. Denn immer mehr junge Menschen verlassen das Saarland, um woanders zu studieren oder zu arbeiten – und es fehlt an Nachwuchs.
Vor dem Kontext globaler Herausforderungen scheint es nur gut und richtig, internationale Freundschaften und Kooperationen zu stärken. Doch dabei sollte nicht vergessen werden, welche Aufgaben dieses Engagement mit sich bringt: Angebote nicht nur auf Deutsch machen, Lokale und Internationale miteinander vernetzen und Mitarbeitende wie Studierende motivieren, jetzt nach der Pandemie wieder ins Ausland zu gehen – all das sind Schritte, die die UdS in ihrer Internationalisierungsstrategie weiterbringen können. Was es dafür vor allem braucht ist Zusammenarbeit. Denn bis zu ihrem 100. Geburtstag in 25 Jahren werden die globalen Herausforderungen vermutlich nur noch größer.