Schladming-Dachstein zählt zu den größten Skiregionen der Steiermark in Österreich. Ein besonderes Erlebnis sind die überwältigenden Gletscher und die Langlauf-Events bei Vollmond.
Die Sicht auf das Gipfel-Dreiergespann des Dachsteins mit seiner surrealen Gletscherwelt ist heute erstaunlich klar – ein Glücksfall! Oft betten sich die Wolken wie gekräuselte Watte über die drei markanten Berggipfel. Torstein, Mittelspitze und Dachstein thronen stoisch, steinern und schneegepudert über dem Tal von Ramsau. Die höchste Berggruppe der Steiermark formiert sich in knapp unter 3.000 Höhenmetern. Am Dachsteingletscher startet rund 200 Höhenmeter unterhalb der Bergstation die hochalpine Gletscherloipe. Sie setzt sich aus der Ramsauer und der Hallstätter Loipe zusammen. Gemeinsam ergeben sie bis zu 15 Kilometer – beworben als „längste Gletscherloipe der Welt“.
Wer sich diese Strecke im klassischen Stil oder skatend erobern möchte, sollte die Wintersportdisziplin auf den filigranen Schneebrettern bereits sicher beherrschen. Üben lässt sich das in der Skiarena Ramsau. Bei fit & fun, einer von vier Langlaufschulen und zugleich der ältesten im Ramsauer Tal, ist zu beobachten, dass immer mehr ehemalige Alpinfahrer zum Langlauf wechseln oder ihn als Zweitdisziplin ausüben.
Schießen beim Biathlon probieren
Ob mit kurzer oder langer Gleitphase, kraftvollem Abdruck oder feiner Technik: Hier lernen alle, Energie, Balance, Rhythmus und Koordination zu kombinieren. Oft drehen die Teilnehmenden schon am dritten Tag eine Parcoursrunde rund um den nahen Speicherteich oder entdecken ihr Talent beim Biathlon. Unter Anleitung trainieren sie die Atem- und Schießtechnik und finden nach den intensiven Langlaufeinheiten ihren optimalen Puls, um beim Laserschießen ruhig Treffer zu erzielen.
In Ramsau gab es Langlauf „immer schon“ – dokumentiert spätestens seit der Erstbegehung des Steinerwegs in der Dachstein-Südwand durch die Steiner-Brüder im Jahr 1909. Ein Meilenstein der Alpingeschichte. Heute zählt Ramsau zu den führenden nordischen Langlaufzentren Österreichs. Umso schöner ist der zweite Blick auf den Namen: Er leitet sich von den althochdeutschen Wörtern „Rams“ (Bärlauch) und „Ouwa“ (Aue) ab und beschreibt das Bild einer feuchten Wiese in Flussnähe. Mit der alpinen „Pistensau“, die manche damit assoziieren, hat das absolut nichts zu tun.
Auf dem Hochplateau standen bis vor zwei Jahren bis zu 220 Kilometer präparierte Loipen zur Verfügung, darunter 125 Kilometer klassische Spuren und 95 Kilometer Skating-Strecken. Fast immer dabei ist der Blick auf die Südwände. Dazu kommen Nachtloipen und Vollmond-Langlauf-Erlebnisse. Aufgrund der prekären Schneesituation sind im Ramsauer Tal allerdings nur noch rund 70 Kilometer Loipenspuren präpariert. Kunstschnee steht ausreichend zur Verfügung. Entlang der Loipe sind Wasserleitungen im Boden verlegt und die Zapfstellen für die 16 Schneekanonen werden per Software gesteuert – auch mobil. Bereits eine Schneehöhe von 15 bis 20 Zentimetern reicht aus. Technischer Schnee gilt als kompakter und langlebiger als Naturschnee, sodass Schneesicherheit bis Ostermontag gewährleistet ist. Darüber hinaus ist man stolz darauf, dass im Dezember im Rahmen des Nordic Winter Openings ein FIS-Weltcup der Nordischen Kombination stattfindet. Konzerte mit internationalen Top-Acts und großen Pop-Bookings – von den Backstreet Boys bis Scooter – sorgen zusätzlich für Besucherzustrom in der winterlichen Aue.
Wenn der Berg und der Naturschnee rufen, gibt es viele Wege nach oben: So bringt etwa die neue Kombibahn Besucher zur Höhenloipe am Rittisberg (Bergstation auf circa 1.500 Metern). Ein etwa sechs Kilometer langer Rundkurs verbindet die Bergstation mit dem Gipfelkreuz. Begleiter sind dabei stets die unverstellten Ausblicke auf das Dachsteingebirge, das Ramsauer Plateau und die Bergwelt der Schladminger Tauern in ihrer ganzen Schönheit. Erfahrene Bergsteiger können über die „Schulter“ auf den Hohen Dachstein steigen; die „Randkluft“ bleibt – je nach Verhältnissen – wegen heikler Übergänge und Spalten eine deutlich herausforderndere Aufstiegsoption. Gemütlicher geht es von der Ramsauer Talstation mit der Dachstein-Gletscherbahn (Dachstein-Südwandbahn) hinauf zur Bergstation Hunerkogel auf 2.700 Metern Höhe – einst Österreichs höchstgelegene tonnenschwere Baustelle. Für die runderneuerte Bergstation wurden 150 Tonnen Stahl neu verbaut. Seit 1969 tragen 95 Tonnen Tragseil die Seilbahn, die zu den ersten freischwebenden Pendelbahnen Österreichs gehört. Sie wird regelmäßig von dem Seilbahntechniker Markus Schiefer und seinem Team nachgesetzt und gewartet.
Eine freischwebende Pendelbahn
Dort oben, auf dem schwebenden Aussichtsplateau, bekommt der Name seine wahre Bedeutung: „Dachstein“ kommt aus der steirisch-bayerischen Mundart und bedeutet „Doanschtoa“, was auch als „Donnerstein“ gedeutet wird. Das klingt archaisch und passt perfekt. Das Panorama wird durch bauliche Attraktionen ergänzt: den Skywalk, den „Balkon der Alpen“ mit freiem Blick in die Tiefe, die Hängebrücke und als Höhepunkt die „Himmelsleiter“ ins Nichts für Besucher ohne Höhenangst. Laut Betreiberangaben wurden 63 Tonnen Stahl verbaut. Die Brücke hält Windstärken bis 250 Kilometer pro Stunde stand und ist für Belastungen bis 750 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt. Man möchte sich die Bauarbeiten dort oben – selbst ohne Höhenangst – kaum vorstellen.
Im „Eispalast“, der sich sechs Meter unter dem Eis im Inneren des Gletschers befindet, sind neben Eisskulpturen auch Inhalte der Dauerausstellung „Dachstein im Wandel“ zu sehen. Es wird erzählt, wie Flora und Fauna mit Höhe und Kälte ringen: vom kälteresistenten Gletscher-Hahnenfuß, der selbst in extremen Höhen noch vorkommt, bis zum robusten Enzian, dessen Bitterstoffe als Schnaps eine fast schon sagenhafte Karriere gemacht haben. Ebenso aus Eis gemeißelt wirkt stattlich der Gletscherfloh: Er ist eigentlich nur 1,5 bis 2,5 Millimeter groß und das einzige Tier, das bei unter minus zwölf Grad im Gletscher lebt. Er ernährt sich von eingewehten Pollen, Schneealgen und deren „Frostschutz“-Proteinen. Auch der Dachstein hat seinen Volkshelden, und der heißt Friedrich Simony. Als Pionier der österreichischen Gletscherforschung widmete er sich über fünf Jahrzehnte hinweg nicht nur der Pflanzen- und Tierkunde am Dachstein, sondern trieb auch dessen touristische Erschließung voran. Unterhalb des Dachsteingipfels schuf er einen der ersten gesicherten Steige der Ostalpen, indem er Trittstufen und Eisenhaken in den Felsen schlug, Holzleitern aufstellte und Seile spannte. Kaum ein Gletscher in Europa wurde über einen so langen Zeitraum hinweg so intensiv beobachtet. Noch heute nutzen Wissenschaftler seine Messdaten – als Chronik einer Entwicklung, die nicht gerade optimistisch stimmt. Der Dachstein-Gletscher könnte bis zum Ende dieses Jahrhunderts weitgehend verschwunden sein.
Gletscher wird für Messungen genutzt
Bevor es nach all den Gletscherabenteuern wieder ins Tal hinuntergeht, lädt das neu eröffnete Dachstein-Gletscherrestaurant mit 280-Grad-Panorama und überraschend guter regionaler Küche zum Durchatmen ein. Für weitere kulinarische Stopps sorgen die vielen urigen Berghütten und das Projekt „Almkulinarik by Richard Rauch“. Seit 2019 bieten 16 über die Region verteilte Almhütten neben zünftig-regionalen Spezialitäten jeweils ein Gericht an, das vom Vier-Hauben-Koch signiert wurde. Hier wird eine Küche geboten, die das Ursprüngliche bewahrt und zugleich neue Wege geht. So wird das Hendlhaxerl in Zirben-Buttermilch eingelegt und die Crème brulée mit Wiesenkräutern verfeinert: regional gedacht und zeitgemäß interpretiert. Typisch für die Obersteiermark sind auch eine Jause mit Graukäse und die mit Pflaumenmus gefüllten Krapfen, die mit Puderzucker „beschneit“ sind – wie passend zur Dachstein-Kulisse.
Mit rund 222 Pistenkilometern zählt die Region Schladming-Dachstein zu den größten Skiregionen der Steiermark. Die Obersteiermark ist Teil von „Ski amadé“. Das Angebot verteilt sich auf neun Skiberge. Zentral liegt die Vier-Berge-Skischaukel mit den Bergen Hauser Kaibling, Planai, Hochwurzen und Reiteralm, die Pisten in allen Schwierigkeitsgraden bietet. Abseits der Skipisten setzt die Region auf ein breites Winter-Wegenetz: In der regionalen Tourendatenbank sind derzeit 65 Routen für Skitourengeher verzeichnet – von kurzen Trainingsanstiegen bis zu längeren Unternehmungen in den Schladminger Tauern. Daneben sind mehr als 300 Kilometer präparierte Winterwanderwege und Schneeschuhrouten ausgewiesen.
Ein einfaches Ziel ist der Winterspaziergang rund um den Steirischen Bodensee. In Schladming führt ein kurzer Weg durch die Talbachklamm, die im Winter mit Eisformationen und gefrorenen Wasserfällen beeindruckt und abends beleuchtet ist. Wer ins Schladminger Untertal fährt, kann eine kleine Runde zum Riesachwasserfall anschließen. Als zusätzliche, eher entschleunigte Option werden Pferdeschlittenfahrten angeboten, die teils auch am Abend stattfinden, je nach Witterung und Betrieb. Die Routen führen über das Plateau und in Seitentäler.