Wilde Drachen, Inselleben in Dörfern, atemberaubende Aussichten und eine faszinierende Unterwasserwelt – die Schönheit des Komodo-Nationalparks in Indonesien lernt man am besten mit einem traditionellen Pinisi-Schiff kennen.
Angekommen auf der Insel Flores, östlich von Bali, eröffnet sich nach kurzer Fahrt mit dem Taxi eine fantastische Aussicht auf die Hafenbucht von Labuan Bajo. Tina sammelt ihre Gäste ein, verteilt Schwimmwesten und mit einem Beiboot geht es zur „Ombak Putih“. Nina und ihr Kollege Dani werden die Gäste auf Reise durch die Inselwelt des Komodo-Nationalparks begleiten. Beide sind aus Indonesien und kenne sich gut aus in der Gegend. In den nächsten neun Tagen werden sie ihre Kontakte zu den Einheimischen und die schönsten Orte mit den Reisenden teilen.
Als alle ihre Kabinen bezogen haben, geht es mit dem Dingi zum nahe gelegenen Strand auf Kalong Island. Die ersten Tinten- und Feuerfische werden entdeckt und nach einer kleinen Schnorcheltour freuen sich die Gäste auf einen erfrischenden Drink an Bord. Beim Sonnenuntergang sorgen Flughunde für ein besonders Schauspiel: Hunderte füllen den Himmel. Sie fliegen zur nächsten Insel, um Nahrung zu finden. Zahlreiche der typischen indonesischen Pinisi-Schiffe mit ihrem eleganten Bug, dem stromlinienförmigen Holzrumpf und den hohen Masten liegen in der Bucht, um am nächsten Tag wie die „Ombak Putih“ zu den Komodo-Inseln aufzubrechen. Die 13 Reisenden kommen aus England, der Schweiz, Deutschland und Argentinien. Eine von ihnen ist Mary Richardson. „Für Seatrek sprach ein kleines Schiff und die Möglichkeit, mit Einheimischen viel sehen und erleben zu können“, sagt sie. Nicht umsonst heißt Seatreks Programm „Sailing Adventures“.
Indonesische Küche auf dem Schiff
Am frühen Morgen steuert Kapitän Rizal Rafin in östlicher Richtung bei ruhiger See den Nationalpark zwischen den Inseln Sumbawa und Flores an. Der Nationalpark umfasst 29 Inseln und zahlreiche kleinere Eilande. Von einer Gesamtfläche von 1.800 sind rund 600 Quadratkilometer Landfläche, der Rest ist Meeresschutzgebiet. Gegründet wurde er 1980 und zählt seit 1991 zum Unesco-Welterbe.
Der nächste Ausflug führt zur Insel Rinca. Nach ein paar Schritten bewegt sich etwas langsam im sandigen Boden. Die Gäste wagen sich in kleinen Gruppen näher. „Geht bitte nicht zu nah ran, einige Touristen haben sie schon erwischt“, sagt Tina. Wenige Meter entfernt liegt einer von sechs gut getarnten riesigen Waranen. Der „Komodo Dragon“ sieht aus wie ein entfernter Verwandter der Dinosaurier. Es ist die größte Echse der Welt, wird bis zu drei Meter lang und rund 80 Kilogramm schwer, ist schneller, als er aussieht, und hat einen kräftigen giftigen Biss. Vor Millionen von Jahren besiedelte er, von Australien kommend, die kleinen indonesischen Inseln. Heute lebt er nur noch auf Rinca, Lili Dasini und Lili Montang. Die Warane sind ein Touristenmagnet der Gegend. Doch Tina und Dani wissen, wo wir sie allein für uns haben. Von der Gruppe wandern einige zu einem höher gelegenen Aussichtspunkt, andere beobachten die Warane.
Wer will, geht am Nachmittag bei Taka Makassar schnorcheln oder liest ein Buch auf dem Sonnendeck. Eine der schönsten Aussichten auf die Inselwelt eröffnet sich am frühen Abend bei einer Wanderung zum höchsten Punkt der Insel Gili Lawa Darat.
Wie jeden Tag vor dem Abendessen lässt einer unserer Guides den Tag mit vielen Fotos und einem Blick auf die Landkarte Revue passieren und gibt einen Programmausblick auf den nächsten Tag.
Zum Frühstück, Mittag- und Abendessen steht ein Büfett mit indonesischen und internationalen Köstlichkeiten im Salon bereit. Für den kulinarischen Genuss sorgt Köchin Albertina Ferani aus Labuan Bajo, die in verschiedenen Restaurants auf Bali gekocht hat. „In meiner Familie gibt es seit vielen Generationen sehr gute Köche“, sagt sie. An der indonesischen Küche faszinieren sie die typischen Gewürze, wie Nelken und Muskatnuss, auch Knoblauch und Zwiebeln sind meistens dabei. „Mein Lieblingsgericht, das ich auch immer für unsere Gäste zubereite, ist Rendang, ein typisches Schmorgericht mit Rindfleisch, Kokosmilch, vielen Gewürzen und frischen Kräutern“, erzählt Ferani.
Mehr als 350 Korallenarten
Die „Ombak Putih“ gleitet durch die ruhige See, an grünen Inseln, Vulkanen vorbei, und bringt die Gäste zu neuen Abenteuern. Auf der Insel Labuan Aji geht es auf einem verwurzelten Weg mit Mopeds und Jeeps bergauf und nach kurzer Wanderung zu einem erfrischenden Bad unter einem Wasserfall. An einem anderen Tag wartet ein Bad in einem Vulkansee oder eine Tour mit dem Stand-up-Paddleboard, und immer wieder lockt das Meer.
Eine der schönsten Seiten des Komodo-Nationalparks zeigt sich unter der Meeresoberfläche. Die Unterwasserwelt ist mit über 1.000 Fisch- und mehr als 350 Korallenarten eine der artenreichsten. Die Gegend zählt zu den besten Tauchrevieren, doch auch beim Schnorcheln sind Mantarochen, Schildkröten, Riffhaie, zahlreiche tropische Fische und farbenprächtige Korallen zu sehen. Bei den Schnorcheltouren führen die Guides ihre Gäste zu den schönsten Stellen, und die stehen täglich ein- oder zweimal auf dem Programm. Wer mehr Zeit auf dem schönen Schiff verbringen will, genießt die Aussicht von Bord. Doch beim Schwimmen mit Walhaien sind alle dabei. Am fünften Tag nach einem Kaffee bei Sonnenaufgang ist es so weit. Tina steht mit einem Fernglas an der Reling und beobachtet die Fischer auf ihren Pfahlbauten. „Ich fahre schon mal hin und schaue nach, was zu sehen ist“, sagt Tina und springt auf ein Dingi. Die Fischer kennen unsere Guides schon lange. Den Beifang, wie kleine Fische und Garnelen, werfen sie zurück ins Meer, und diesen fressen die freundlichen Riesen neben Plankton am liebsten. Die Gäste schnappen ihre Schnorchel und fahren hinterher. Elegant rund ruhig gleiten die Walhaie mit einer Länge von bis zu zehn Metern durchs Meer. Vier Walhaie sind zum Greifen nah, und mit ihnen zu schnorcheln oder zu schwimmen ist ein einzigartiges Erlebnis. „Das war Wahnsinn, sie sind ganz nah an mir vorbeigeschwommen“, sagt Juri aus der Schweiz, der mit zehn Jahren einer der Jüngsten an Bord ist. Für alle gehört die Begegnung mit den Walhaien zu den Höhepunkten der Reise.
Am nächsten Morgen ankert die „Ombak Putih“ vor Sumbawa Island. Schon von Weitem ist am Strand der Bau eines Pinisi-Schiffes zu sehen. Im Dorf Wera dürfen sich die Gäste den Bau auch von innen anschauen. Die Tradition der Pinisi stammt von den Bugis und Makassaren, zwei benachbarte Völker auf Sulawesi. Die Ursprünge gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Die Bugis und Makassaren waren berühmte Seefahrer und Händler. Den Monsunwinden folgend segelten sie von Insel zu Insel und transportierten Gewürze, Holz, Textilien und Gold, um sie in entfernten Häfen wie Singapur zu verkaufen. Ihre Routen führten sie bis nach Australien. Doch die Bugis waren nicht nur begnadete Seeleute, sondern wurden als Piraten den Handelsschiffen der britischen und der niederländischen Ostindien-Kompanie zum Verhängnis. Die Baumeister der Pinisi stammen aus dem Volk der Konjo. Die Baukunst basiert auf mündlicher Überlieferung und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Um die Schiffe zu bauen, ließ sich die Bugis-Konjo-Gemeinschaft auch auf Java, Kalimantan, Sumatra, Papua sowie auf der Insel Sumbawa nieder. Der Name Pinisi stammt von der niederländischen Bezeichnung für kleine Segelschiffe, „pinas“ oder englisch „pinnace“, die von niederländischen Kolonialisten in die Region gebracht wurden. Die Bugis nutzten die Pinisi während des indonesischen Kampfes um die Unabhängigkeit von den Niederländern nach dem Zweiten Weltkrieg zum Schmuggeln von Waffen.
Noch heute werden die Schiffe ohne Pläne und nach dem Laschverfahren gebaut, bei dem Planken mit Holzdübeln verbunden werden. Für den Rumpf verwenden sie das besonders stabile Eisenholz und für die Innenausstattung Teak. Seit 2017 zählt das Pinisi-Bauhandwerk zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Auch die „Ombak Putih“ ist ein klassisches Pinisi-Schiff. Kapitän Rizal Rafin gehört zu einer Bugisfamilie in Sulawesi. „Es ist eine große Ehre für mich, diese Reise auf einem Pinisi als Kapitän zu begleiten, Bugis gehören einfach aufs Schiff“, sagt er.
Bevor wir die Insel verlassen, spazieren wir noch durch das Dorf, schauen den Frauen beim Weben schöner Decken über die Schulter und statten der Dorfschule einen Besuch ab.
Da Plastikmüll auch im Komodo-Nationalpark ein riesiges Problem ist, hat Seatrek Kinderbücher veröffentlicht, um auch die Jüngsten über die Folgen und darüber, was sie dagegen tun können, zu informieren. Tina hat einen Stapel dabei und verteilt sie an die Schüler, die sie stolz in den Armen halten.
Um einen Betrag zu leisten, sammeln auch die Gäste mit Tina und Dani Plastikmüll an einem Strand und helfen Mitarbeitern der NGO „Coral Garden“ beim Pflanzen von Korallen.
Vor dem letzten Tag springen alle Gäste noch mal ins Meer, tauschen Fotos aus und feiern am Abend mit der musikalischen Crew. „Das war eine wunderbare Reise, die richtige Mischung aus Entspannung und Aktion – und Guides, die wirklich etwas zu sagen haben“, sagt Corinna Reber, die mit ihrer Familie schon die nächste Reise mit Seatrek plant.
„Ombak Putih“ heißt übrigens „Weiße Welle“ – davon gab es in diesen Tagen wenige. Doch bevor die Reise zu Ende geht, werden die sieben blauen Segel gehisst, um das Schiff noch mal in voller Pracht zu sehen.