Bei Instagram begeistert Livia Auer aus München rund 460.000 Follower. Ein Interview über ihre Entwicklung, die Zusammenstellung von Outfits und den Pariser Chic, von dem ihre Looks und Bilder inspiriert sind.
Liebe Livia, Du hattest schon mit 15 Jahren Deinen ersten Blog, der später noch professioneller wurde, danach kam dann Dein immer erfolgreicher werdender Instagram-Account. Du bist also schon von Beginn an in der Instagram- und Bloggerwelt unterwegs – wie hat sich die Branche seit Deinen Anfängen verändert?
Die Branche hat sich in den letzten Jahren unglaublich weiterentwickelt und professionalisiert. Früher war vieles spontaner, experimenteller, aber auch ein Stück weit eingeschränkter. Heute gibt es ein breites Feld an Möglichkeiten, große Strukturen und ein klareres Business-Umfeld – von detaillierten Briefings bis hin zu langfristigen Strategien. Gleichzeitig sind die Ansprüche an Content deutlich gestiegen: Hochwertige Fotografie und Videografie, Storytelling und Konsistenz gehören mittlerweile einfach dazu. Das Schöne ist aber, dass Authentizität dabei noch wichtiger geworden ist als früher.
Wie hat sich Dein eigenes Instagram-Profil mit der Zeit verändert?
Mein Profil ist im Grunde mit mir als Person gewachsen. Natürlich habe ich mich über die Jahre verändert, bin erwachsener geworden, mehrmals umgezogen und habe viele neue Eindrücke gesammelt. Das alles spiegelt sich auch in meiner Bildsprache wider. Heute setze ich stärker auf klassische Eleganz und eine Ästhetik, die Ruhe und Beständigkeit ausstrahlt – und hoffentlich zeitlos wirkt.
Heute folgen Dir rund 460.000 Menschen – fast doppelt so viele wie seit unserem letzten Interview vor einigen Jahren. Wie konntest Du Deine Followeranzahl steigern und wie wurden immer mehr Luxusmarken auf Dich aufmerksam?
Ich denke, es ist eine Mischung aus Beständigkeit und einer klaren, wiedererkennbaren Bildsprache. Gerade Premium- und Luxusmarken legen großen Wert darauf, dass ihre Produkte in einem hochwertigen Umfeld gezeigt werden. Mein Content ist bewusst reduziert und klassisch gehalten –
das hebt sich ab und schafft Vertrauen. Ein großer Teil des Wachstums ist aber auch meiner Community zu verdanken: Ihre Interaktionen und ihr Feedback tragen unglaublich viel dazu bei.
Deine Outfits sind sehr vom Pariser Chic und vom klassischen britischen Stil inspiriert, und die Bildserien zu Deinen Fashion-Looks entstehen oft in Paris. Wie kam es zu dieser Inspiration und was fasziniert Dich so am französischen und am britischen Stil?
Ich liebe, wie beide Stile Tradition und Modernität miteinander verbinden. In Paris ist es diese mühelose Eleganz, dieses gewisse „Je ne sais quoi“, das Frauen so zeitlos wirken lässt. Und beim klassischen britischen Stil inspiriert mich die Klarheit und Struktur. Für mich ist das die perfekte Balance aus Strenge und Leichtigkeit.
Worauf achtest Du bei der Zusammenstellung von Outfits?
Mir ist wichtig, dass Farben, Stoffe und Schnitte harmonieren, ohne dass es überladen wirkt. Qualität steht für mich an erster Stelle – lieber weniger, dafür hochwertiger. Am Ende zählt aber immer, dass ich mich in einem Look wohlfühle.
Mit welchen Kleidungsstücken und Accessoires sehen Outfits immer klassisch elegant aus, ohne bieder und zu monoton oder angepasst zu wirken?
Ein gut geschnittener Blazer, eine hochwertige Tasche und schlichte Loafer oder Slingbacks sind für mich absolute Klassiker. Mit einem auffälligen Accessoire –
sei es eine Cap, ein besonderer Gürtel oder Schmuck – lässt sich der Look dann im Handumdrehen modernisieren.
Wo kaufst Du Bekleidung und Accessoires am liebsten?
Ich liebe es, auf Vinted, Etsy oder Vestiaire Collective nach besonderen Vintage-Pieces zu stöbern. Gerade Blazer oder Mäntel haben dort oft eine tolle Qualität und Schnittführung – dazu kommt der schöne Gedanke, einem hochwertigen Teil ein zweites Leben zu schenken.
Was fasziniert Dich an Mode und an der Modewelt?
Für mich ist Mode eine Form der Kommunikation. Kleidung erzählt Geschichten – manchmal bewusst, manchmal ganz unbewusst. Diese Verbindung aus Kreativität, Handwerk und persönlichem Ausdruck begeistert mich seit jeher.
Wenn Du Dinge im Modebusiness und bei den sozialen Medien verändern könntest – welche wären das?
Ich würde mir mehr Nachhaltigkeit wünschen: in Qualität, Langlebigkeit und Fairness. Und in den sozialen Medien fände ich es schön, wenn weniger Vergleich und Perfektionsdruck herrschen würden, aber ich habe das Gefühl, dass sich das gerade schon beginnt zu ändern.
Wie sieht Deine Beauty-Routine aus und welche Produkte sind für Dich wahre Gamechanger?
Inzwischen ist meine Routine sehr reduziert. Ich setze auf wenige, dafür hochwertige Produkte, die perfekt zu meiner Haut passen. Sonnenschutz, Feuchtigkeitspflege und ein leichtes Serum sind meine Basics. Beim Make-up mag ich es frisch: Ein bisschen Mascara, Bronzer – ohne den verlasse ich kaum das Haus – und mein Lipliner sind meine Must-haves.
Die kalte Jahreszeit ist da – wie sieht ein perfekter Alltags-WinterLook für Dich aus?
Winter ist meine liebste Jahreszeit für Mode. Ich greife gerne zu warmen Tönen wie Beige, Camel, Braun oder auch Grau und Bordeaux. Ein klassischer Wollmantel, ein weicher Strickpullover, ein Hemd zum Layern, eine gut sitzende Stoffhose und schlichte Stiefeletten – das ist für mich Winter pur.
Was trägst Du im Winter am liebsten, wenn es schicker sein soll?
Dann trage ich am liebsten einen Midi-Rock, kombiniert mit einem weißen Hemd oder einem schulterfreien Oberteil, dazu Slingbacks, einen Gürtel, eine passende Tasche und einen Trenchcoat.
Was würdest Du nie tragen und warum?
Sehr grelle Neonfarben sind einfach nicht meins. Sie passen nicht zu meiner Ästhetik und ich fühle mich darin nicht wohl.
Was sind Deine Lieblingsstücke im Kleiderschrank?
Definitiv meine Vintage-Blazer, meine alte schwarze Anine-Bing-Tasche, die Prada-Slingbacks, meine Vintage-Chanel-Flap-Bag, ein 90s-Ralph-Lauren-Midi-Skirt und mein Wollmantel von The Frankie Shop.
Welche Stücke in Deinem Kleiderschrank sind die teuersten?
Das sind wahrscheinlich einige meiner Taschen. Für mich sind sie aber Investitionen, die über viele Jahre Freude bereiten. Der Preis allein ist für mich aber kein Kriterium – ein Stück muss mir wirklich gefallen und zu mir passen, dann kann es auch von Zara, vintage oder ein Investment sein.
Wie sehen Dein Alltag und Deine Jobs momentan aus?
Kein Tag gleicht dem anderen – und genau das liebe ich so sehr. Mal habe ich Shootings, mal kreative Konzeptarbeit oder Meetings. Dazwischen plane ich Content, reise oder kümmere mich um die Organisation im Hintergrund. Dabei werde ich zum Glück seit einem Jahr von meinem Management unterstützt, wofür ich extrem dankbar bin. Dadurch habe ich auch mehr Zeit, um mich auf den kreativen Part meiner Arbeit zu konzentrieren.
Für welche Marken hast Du in der letzten Zeit gearbeitet und nach welchen Kriterien wählst Du Werbepartner aus?
Ich arbeite am liebsten mit Marken zusammen, die meine Werte teilen: Qualität, Zeitlosigkeit und Authentizität. In letzter Zeit waren das zum Beispiel Sézane, Dior Beauty und Longchamp – Kooperationen, die perfekt zu meiner Ästhetik passen.
Was waren für Dich die absoluten Highlights in Deiner Karriere und warum?
Meine ersten Kampagnen mit Luxusmarken waren echte Meilensteine – es war ein schönes Gefühl, dass meine Arbeit und Konsequenz so gewürdigt wurden. Ein ganz besonderes Highlight war außerdem ein Shooting in Paris, das ich gemeinsam mit meinem Vater gemacht habe. Und natürlich das Wachstum meiner Community: Zu sehen, dass so viele Menschen Freude an meinem Content haben, bedeutet mir unglaublich viel.
Für welche positiven Dinge nutzt du Dein Profil und Deine Reichweite bei Instagram gerne?
Ich teile sehr gerne Bücher, die mich inspirieren, oder Themen wie Self Care und Slow Living. Auch meine Tipps gegen Flugangst, unter der ich selbst leide, kommen gut an. Außerdem versuche ich, durch meine Ausrichtung ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen – indem Kleidung bewusst gekauft und über viele Jahre getragen wird.
Du hast kürzlich Deine Hochzeit öffentlich gemacht. Wie waren die Reaktionen?
Unglaublich positiv und so herzlich! Ich war wirklich gerührt, wie viele Menschen mitgefiebert und uns gratuliert haben. Das hat unsere Hochzeit sehr besonders gemacht.
Was steht in nächster Zeit bei Dir an und welche Pläne hast Du für die Zukunft?
Nach meinen bisherigen Design-Kooperationen würde ich mich sehr freuen, weitere eigene Projekte umzusetzen – vielleicht sogar etwas ganz Eigenes zu launchen. Am allerwichtigsten ist mir aber, dass ich weiterhin Freude an meiner Arbeit habe und meine Community inspirieren kann.