Almodóvar über Almodóvar: „Bitteres Fest“ ist gespickt mit Anspielungen auf die Arbeit des spanischen Regisseurs und erzählt eine Geschichte mithilfe verschiedener Metaebenen. Der Film läuft aktuell im Kino.
Ein Regisseur schreibt ein Drehbuch für einen Film, in dem eine Regisseurin mit einer Reihe von Problemen kämpft. Das klingt kompliziert – und ist es irgendwie auch. Der Regisseur und Drehbuchautor des Films, in dem all das passiert, ist Pedro Almodóvar. Einer der ganz großen Regisseure des spanischen Kinos; wenn man auf die in den vergangenen Jahrzehnten aktiven Regisseure schaut, vielleicht sogar der größte.
In „Bitteres Fest“ gibt es zwei Handlungsebenen, quasi einen Film im Film. In der Gegenwart schreibt der alternde Regisseur Raúl Durán (Leonardo Sbaraglia) das Drehbuch für seinen nächsten Film und lässt sich dabei durch die Menschen in seiner Umgebung inspirieren. Gut 20 Jahre zuvor, im Jahr 2004, leidet die Regisseurin Elsa (Bárbara Lennie) an Depressionen, Panikattacken und Migräne. Sie hat längere Zeit zuvor zwei Spielfilme gedreht, die allerdings nicht gerade erfolgreich waren, und hat sich daraufhin auf die Produktion von Werbefilmen verlegt.
Erzählstrang wirkt düster und depressiv
Der 2004er-Handlungsstrang ist der Film, für den Raúl das Drehbuch schreibt. Mit dem Voranschreiten des Films wird klar, dass das, was wir sehen, in seinem Kopf entsteht. Er kann bestimmen, wie die Personen handeln und wie sich ihre Geschichte entwickelt. So erleben wir, wie Elsa mit Migräne, Depression und Panikattacken umgeht, und erfahren, wie die Beziehung zu ihrem Partner – einem Feuerwehrmann und Stripper – entstanden ist und sich weiterentwickelt. Und welche Rolle ihre Freundinnen dabei spielen. Die Handlung in diesem Erzählstrang wirkt düster und depressiv; sie ist mit bedeutungsstarker Musik untermalt. Unter anderem mit dem Lied „Bitteres Fest“, das dem Film seinen Titel gibt. Die Figuren aus der Umgebung von Regisseur Raúl dienen ihm als Anregungen für sein Drehbuch. Sie reagieren darauf allerdings höchst unterschiedlich. So ist sein Partner Santi (Quim Gutiérrez) hoch erfreut, dass es eine Figur im Film gibt, die an ihn erinnert. Assistentin Mónica (Aitana Sánchez-Gijón) ist unterdessen entsetzt darüber, dass der Regisseur eine Freundin von ihr als Inspiration verwendet hat, obwohl er die Filmfigur so stark verändert hat, dass sie eigentlich nicht wiederzuerkennen ist.
Almodóvar hat im Lauf seiner Karriere ganz unterschiedliche Filme gemacht. Da sind die unheimlich schrägen, schrillen Filme der 1980er-Jahre, die damals noch unter Filmliebhabern als Geheimtipp galten, etwa „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von 1988. Dann sind da die tragischen, gleichzeitig aber auch wiederaufbauenden Filme, allen voran natürlich der wohl bekannteste Film des Regisseurs „Alles über meine Mutter“ von 1999. Richtig ernst wird es in Filmen wie „Volver – Zurückkehren“ von 2006 – und dann gibt es wieder schräge, absurde Komödien, etwa „Fliegende Liebende“ aus dem Jahr 2013.
Feine Selbstironie lässt schmunzeln
Typisch für Pedro Almodóvar ist die Ausstattung der Räume. Auch in „Bitteres Fest“ ist sie stilsicher und schräg zugleich – von den Mustern der Tapeten bis hin zu Alltagsgegenständen, die die Protagonisten benutzen. Und dann sind da natürlich die Farben und die Kontraste des Films, die gleichzeitig ein Spiegel der Gefühle der Hauptfiguren sind. Wunderschön sind in dem Film auch zahlreiche Kameraeinstellungen. Beispielhaft genannt sei nur eine Szene, die auf der Vulkaninsel Lanzarote gedreht worden ist. Eine Szene, in der zwei Frauen zusammen mit einem Kind auf dem schwarzen Sand des Strands der Insel liegen, gefilmt aus der Vogelperspektive.
Immer wieder hat Pedro Almodóvar in seinen Filmen auch seine eigenen Erlebnisse verarbeitet. Sei es in „La mala educación – Schlechte Erziehung“ von 2004 oder in „Leid und Herrlichkeit“ von 2019. Auch in „Bitteres Fest“ gibt es zahlreiche Anspielungen, bei denen offensichtlich ist, dass in Raúl auch ein Stück von Almodóvar steckt. Wenn etwa die Bemerkung fällt, dass er seine bedeutendsten Filme schon gemacht habe, oder dass die Streaminganbieter nur darauf warten, seinen nächsten Film aufzukaufen, dann wird deutlich, was sich Almodóvar vermutlich immer wieder anhören muss – und auch, wie wenig er offensichtlich davon hält.
Es ist diese feine Selbstironie, die den Zuschauer immer wieder schmunzeln lässt und mitunter auch zum Lachen bringt.