Aufsteiger BFC Preussen scheint schnell in der Regionalliga Nordost anzukommen – der Trend ist aber alles andere als zufällig.
Die Fans des 1.FC Lokomotive Leipzig hatten es nicht ganz genau genommen – denn auf dem Transparent, das sie vor dem Auswärtsspiel beim BFC Preussen entrollten, war zu lesen: „Unaufhaltsam – Unbesiegbar.“ Der amtierende Meister der Regionalliga Nordost, der den Aufstieg diesen Sommer erst in der Qualifikation gegen den Nord-Ersten TSV Havelse verpasste, hatte aber vor dem 15. Spieltag bereits eine Niederlage hinnehmen müssen. Trotzdem war man so schon wieder Tabellenführer mit vier Punkten Vorsprung vor Carl Zeiss Jena auf Platz zwei.
Kein Wunder also, dass die Euphorie des Leipziger Anhangs groß war – doch an diesem Novembersonntag in Berlin mussten sie beim Neuling die zweite Saisonniederlage erleben. „Sicher haben die Platzverhältnisse Lok nicht unbedingt in die Karten gespielt“, erklärte Preussen-Trainer Daniel Volbert nach dem 2:0-Erfolg wie gewohnt bescheiden angesichts des tiefen Geläufs im Stadion an der Malteserstraße.
Volbert gewohnt bescheiden
Um anschließend anzufügen, was er in den vergangenen Wochen immer öfter gesagt hat: „Aber ein Riesenkompliment an die Jungs, wie sie wieder geackert haben, wie sie wieder diszipliniert gespielt haben – unser Plan ist ganz gut aufgegangen.“ Bis Mitte Oktober hatten sich die Hauptstädter aufgrund eines fast komplett erneuerten Kaders erst mit Aufs und Abs beschäftigen müssen, ehe der Trend aufwärts zeigte. Dann aber gab es beim Tabellenzweiten in Jena eine 1:3-Niederlage, bei der man einmal mehr Lehrgeld zahlen musste: Früh in Rückstand geraten, stand es bereits zur Pause 2:0 für den Gegner. Im zweiten Durchgang bäumte man sich noch mal auf, kam durch einen Elfmeter von Lenny Stein auch tatsächlich zum Anschluss – und lief dann beim Treffer zum 3:1-Endstand in der Nachspielzeit ins offene Messer.
Doch offensichtlich haben Volbert und seine Schützlinge daraus die richtigen Lehren gezogen, denn bis zur Ligapause konnte man alle drei Partien für sich entscheiden. Und das trotz schwieriger Gegner beziehungsweise Spielverläufe: Der FSV Zwickau (zuvor fünf von sechs Partien gewonnen) etwa kam mit breiter Brust nach Lankwitz, ließ sich auch durch den schnellen Rückstand nach einem Treffer von Stein nicht beirren und führte bereits zur Halbzeit mit 2:1. Doch die Preussen überwanden die missliche Situation nach dem Wechsel, denn Adrian Kireski und Patrick Breitkreuz konnten das Blatt noch wenden. Anschließend zeigte sich Daniel Volbert glücklich über den Dreier, hielt den Ball aber einmal mehr flach: „Das ist ja nur eine Momentaufnahme: Jetzt kommt Babelsberg, dann Lok – da sind wir gut beraten, demütig zu bleiben.“
Die sportlich im Abwärtstrend steckenden Babelsberger hatten sich dabei gegen den Neuling einiges vorgenommen und waren in den ersten 45 Minuten klar dominant – doch den Gästen gelang es, mit zwei Chancen jeweils auszugleichen und zumindest einen 2:2-Pausenstand zu halten. In der zweiten Halbzeit besaßen die Hausherren weiterhin mehr Spielanteile, ohne diese aber auf die Anzeigetafel bringen zu können – und dann setzte Preussen den Nadelstich mit dem Tor zur erstmaligen Führung 20 Minuten vor Schluss.
Damit hatte man den angeschlagenen 03ern den Zahn gezogen und ging am Ende noch mit einem deutlichen 5:2-Erfolg vom Platz. Zusammen mit dem erwähnten, darauf folgenden 2:0-Sieg gegen den Spitzenreiter machte das zuletzt eine Bilanz von 17 Punkten aus den vergangenen acht Partien und Tabellenplatz fünf – eine starke Serie.
Was sind nun aber die Ursachen für die offenbar rasche Anpassung an die neuen Gefilde in der Regionalliga Nordost? Zuallererst: dass der BFC Preussen über die nötigen finanziellen Voraussetzungen verfügt, um sich diesen Sommer einerseits die Umstellung auf Vollprofitum sowie andererseits auch entsprechende Spieler leisten zu können.
Viele der Neuzugänge bringen Regionalligaerfahrung mit, wodurch dieser Teil der Assimilierung leichter fiel – allerdings muss man dabei auch das richtige „Händchen“ haben, dass es auch menschlich im Kader passt. Das sportliche Zusammenfinden ist unter diesen Bedingungen dann wie in Lankwitz schneller zu bewerkstelligen.
Ein eingespieltes System gefunden
Dazu hat Trainer Volbert zuletzt ein eingespieltes System gefunden – oder genau genommen zwei: zu Hause ein offensiveres 4-4-2, auf des Gegners Platz meist ein stabileres 4-2-3-1. Sehr hilfreich auch, dass der Defensivbereich zuletzt siebenmal in Folge in identischer Besetzung auflaufen konnte.
Im Tor hat sich nach der schweren Verletzung von Steffen Westphal am sechsten Spieltag die Verpflichtung eines starken zweiten Torwarts vor der Saison bezahlt gemacht, denn Karl Albers (23) hat die Lücke nahtlos geschlossen. Rechts in der Viererkette hat sich der eigentlich offensiver beheimatete Sergey Dikarev (20) festgespielt, im Zentrum sind Stein (30) und der von Lok Leipzig gekommene Adrian Kireski (25) gesetzt. Links wiederum hat sich Routinier Stefan Brehmer (32) als „Mr. Zuverlässig“ behauptet – vor der Abwehr hat dazu wie erwartet Niklas Brandt (33) seinen Platz sicher, an seiner Seite hat sich der ebenfalls eigentlich offensiver ausgerichtete Philip Fontein behauptet. Der 32-Jährige stieß erst später zum Kader und brauchte demzufolge länger für die Eingewöhnung – er bekam aber von Volbert das Vertrauen und wurde von Beginn an in der Startelf gebracht.
So ist er nun voll integriert und wurde gegen Lok Leipzig mit einem Tor und einer starken Vorlage zum „Man of the Match“. Danach lobte er die Entwicklung der Mannschaft – sprach dabei aber in gewisser Weise auch über seine eigene: „Ich glaube, man hat anfangs nicht so hundertprozentig gewusst, wo wir stehen – obwohl man gesehen hat, dass da Qualität drinsteckt. Aber letztendlich haben wir uns von Woche zu Woche gesteigert: Das nehmen wir jetzt mit, das macht richtig Bock – und wir holen alles raus.“
Dazu sind die „Adler“ offensiv schwer ausrechenbar, zwölf Schützen bei 24 Treffern legen davon Zeugnis ab. Je nach Ausgang der Partie in Meuselwitz könnte sich der BFC Preussen sogar im Duell mit der VSG Altglienicke an diesem Sonnabend vorübergehend schon zum besten Berliner Vertreter der Nordost-Staffel aufschwingen.
Und sollte der Trend beibehalten werden, wäre das Soll für diese Saison praktisch übererfüllt – bevor die ambitionierten Pläne für 2026/27 bereits das Mitspielen an der Tabellenspitze vorsehen.