„Love Story“ von Ryan Murphy erzählt die leidenschaftliche Romanze von John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette mit viel Sentiment, ohne dabei die erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den beiden schönzufärben. Eine Zeitreise mit nostalgischem Hochglanz-Appeal.
In der Welt der Reichen und Schönen gab es in den 1990er-Jahren zwei welterschütternde Todesfälle: In der Nacht zum 31. August 1997 starb Lady Di bei einem Autounfall in einem Tunnel in Paris. Und am 16. Juli 1999 kam Amerikas Traumpaar, John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Das leichte Privatflugzeug, das JFK Jr. selbst flog, stürzte bei einem Nachtflug in den Atlantik und wurde nie gefunden. „Love Story“ beginnt 1999 und zeigt, wie Carolyn (Sarah Pidgeon) zusammen mit ihrer Schwester Lauren (Sidney Lemmon) in eine Piper Saratoga steigt, die sie – mit John F. Kennedy Jr. (Paul Anthony Kelly) als Pilot – zum Anwesen der Kennedys in Hyannis Port auf Cape Cod bringen soll. Dort werden sie allerdings nie ankommen.
Liebesgeschichte mit tragischem Ende
New York City, sieben Jahre zuvor: Carolyn ist eine versierte Verkaufsstrategin im Mode-Imperium von Calvin Klein (Alessandro Nivola). Sie ist strahlend schön, selbstbewusst und unabhängig. Eine moderne Frau, die von Klein protegiert wird und bald zu seiner Publizistin aufsteigt. Sie genießt das Leben, ist bei ihren Kollegen beliebt und hat eine lockere Liebesbeziehung mit einem männlichen Model. JFK Jr. ist zum zweiten Mal durch das Anwaltsexamen gerasselt – sehr zum Missfallen seiner Mutter Jacqueline Kennedy Onassis (Naomi Watts) und seiner älteren Schwester Caroline Kennedy (Grace Gummer). Er ist der Herausgeber des Hochglanz-Magazins „George“, ein Mix aus Politik und Popkultur, das schon von Anfang an unter einem schlechten Stern steht. Was John aber nicht besonders zu kümmern scheint. Für den begehrtesten Junggesellen Amerikas scheint das Leben ein exquisites Spiel zu sein, das er hervorragend beherrscht.
Auf einer Benefizveranstaltung stellt Calvin Klein Carolyn dem berühmten Kennedy-Spross vor. JFK Jr. ist sofort von Carolyn angetan, taucht am nächsten Tag für eine Anprobe in Kleins Flagship-Store auf und lädt sie zum Essen ein. Auch Carolyn findet John sympathisch und fühlt sich in seiner Gegenwart wohl. Natürlich weiß Carolyn, dass John mit der Hollywood-Schauspielerin Daryl Hannah (Dree Hemingway) zusammen ist. Aber nicht nur deshalb verhält sie sich zurückhaltend. Vor allem hat sie größten Respekt vor dem schweren Kennedy-Erbe, das auf den Schultern von John lastet. Zu Recht, wie sich bald herausstellt. John und Carolyn beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Doch der Camelot-Clan nimmt Carolyn, wie sie bei einem Besuch auf dem Kennedy-Anwesen erkennt, alles andere als herzlich auf. Vor allem Johns Schwester zeigt Carolyn die kalte Schulter. Auch der überlebensgroße Schatten von Johns mittlerweile verstorbener Mutter belastet die Beziehung zusätzlich. Doch die Liebe der beiden ist stärker als jede Vernunft. Nach einigem Zögern ist Carolyn dann bereit, John zu heiraten.
Die Aschenputtel-Affäre des Golden Boy der Kennedy-Dynastie mit der kühlen Blonden ist ein gefundenes Fressen für die Medien. Auch nach der Traumhochzeit vergeht kein Tag, an dem die beiden nicht in den Schlagzeilen der Boulevardpresse sind. Horden von Paparazzi lauern von morgens bis spät in die Nacht vor ihrem New Yorker Appartement. Was Carolyn zunehmend stresst. Sie fühlt sich in ihrer persönlichen Entscheidungsfreiheit extrem beschnitten, was zu Depressionen und vermehrten Auseinandersetzungen, ja mitunter sogar zu hässlichen Streitereien mit John führt. John versucht, die Wogen zu glätten, so gut er kann.
Wichtig zu bedenken: Vieles ist reine Fiktion
Woher wissen die Macher von „Love Story“ eigentlich so genau, was zwischen John und Carolyn wirklich ablief? Nun, sie wissen es nicht. Die ganze Geschichte stützt sich auf eine Handvoll Fakten, die öffentlich bekannt sind, und auf die Biografie „Once Upon a Time“ von Elizabeth Beller, die laut eigener Aussage für ihr Buch mit vielen Zeitzeugen gesprochen hat. Der Rest ist pure Fiktion. Und das ist – zunächst einmal – völlig legitim. Denn „Love Story“ sollte man genauso wenig für bare Münze nehmen wie zum Beispiel die TV-Serie „The Crown“. Kein Mensch weiß, was John und Carolyn in ihren zärtlichen Stunden taten und was sie sich gegenseitig anvertrauten. Und schon gar nicht, was sie sich bei ihren überhitzten Auseinandersetzungen an den Kopf warfen. Haben sie wirklich darüber gestritten, wie man eine Geschirrspülmaschine am besten einräumt oder was man sich im TV anschaut? Aber darauf kommt es letztlich nicht an. Sondern vielmehr, wie glaubhaft diese Liebesgeschichte inszeniert wurde und wie unterhaltsam sie ist. Wenn man sich nämlich auf das melodramatische Märchen einlässt, ist es Ryan Murphy ( „Glee“, „American Horror Story“, „The Beauty“) und seinem Team durchaus gelungen.
Kritik an der Serie kommt allerdings vom Sohn von JFK Juniors Schwester, der meinte, die Show verzerre das Andenken seines Onkels auf geradezu groteske Weise. Noch schwerer wiegen allerdings die Vorwürfe von Daryl Hannah, der Ex-Freundin von JFK Junior. Sie sagte in der „New York Times“, die fast zur Karikatur entstellte Figur und deren Verhalten entsprächen ihr selbst „nicht einmal annähernd“. Weder habe sie je Kokain geschnupft, noch das Familienerbe der Kennedys entweiht. „Und ich habe niemals den Tod von Jacqueline Onassis mit dem Tod eines Hundes verglichen.“ Gut, dass Daryl Hannah das klarstellen konnte. Mit der „künstlerischen Freiheit“ ist das eben so eine Sache. Auf billige Tricks, die bloß einen schlüpfrigen Gegenpol zu Carolyn präsentieren wollen, sollte man allerdings besser verzichten. Von Carolyn und John bleibt indessen nur die glamouröse Fiktion ihrer „Love Story“.