30 Minuten präsentierte sich der 1. FC Saarbrücken desolat. Das reichte, um die Partie bei Viktoria Köln zu verlieren.
Das Freitagabendspiel zwischen Viktoria Köln und dem 1. FC Saarbrücken hatte etwas von einem Schaulaufen. Amtierende und ehemalige Aufsichtsräte sowie Präsidiumsmitglieder aus der saarländischen Landeshauptstadt, jede Menge potenzielle Bewerber für einen bezahlten Vorstandsposten, dazwischen schillernde Gestalten wie Mo Idrissou – und auf dem Platz eine Truppe, die sich zumindest in den ersten 30 Minuten wie ein sicherer Absteiger präsentierte.
Seit 14 Spieltagen ist der tief gefallene Aufstiegsanwärter mittlerweile ohne Sieg, und es gehört viel Vorstellungskraft dazu, dass ausgerechnet am Samstag gegen den VfL Osnabrück die Wende kommen soll. Zwar erklärten Torwart Phillip Menzel und Interims-Kapitän Patrick Sontheimer nach dem Spiel nahezu wortgleich: „Wir wissen seit Wochen, wie die Situation ist. Es geht nur noch gegen den Abstieg.“ Und doch herrscht immer noch die trügerische Meinung, man sei eigentlich viel zu stark, um am Ende auf einem der vier letzten Plätze zu stehen. „Nein, nein, Angst habe ich nicht. Ich sehe viele positive Sachen: die Fans, die Spieler. Ich glaube nicht, dass wir absteigen“, sagte Trainer Jürgen Luginger.
Dessen Bilanz liest sich so: sechs Spiele, elf Gegentore, drei Punkte. Die Art des Fußballs ist ansehnlicher geworden, der Ertrag nicht. „Wir hatten in den vergangenen fünf Spielen so viele Torchancen wie im gesamten Saisonverlauf zuvor. Es ist schon eine Tendenz da“, sagte Torwart Menzel. Doch die Chancenverwertung ist und bleibt katastrophal. „Wir sind sehr niedergeschlagen. Wir wollten heute die Wende schaffen. Wir wollten heute mal einen Dreier holen nach der langen Zeit. Da kann man nicht so 20 bis 25 Minuten spielen, wie wir das gemacht haben, den Gegner in die Räume laufen lassen, nicht richtig in den Zweikämpfen drin sein. Das kannst du nicht machen. Zweite Halbzeit – das hat jeder gesehen – da musst du Tore machen. Wenn du keine Tore machst, kannst du auch keine Spiele mehr gewinnen.“
Und: Wenn man nie zu null spielt, wird es ebenso schwer, Spiele zu gewinnen. „Wir wollten sehr aggressiv auftreten, haben die Eins-gegen-eins-Situationen gesucht. Leider haben wir die Zweikämpfe verloren, und so sind wir sehr früh in Rückstand geraten“, sagte Menzel. Meiko Sponsel traf nach fünf Minuten für die Gastgeber, nach 22 Minuten legte Verthomy Boboy nach. Coach Luginger reagierte, nahm die läuferisch überforderten Manuel Zeitz und Kasim Rabihic vom Feld und brachte dafür Elijah Krahn und Sebastian Vasiliadis. Beide wurden im Spielverlauf zu den besten Gästespielern. „Mit Krahn hatten wir mehr Zugriff im Zentrum, waren dann auch läuferisch präsenter“, sagte Luginger. Ex-Bundesliga-Profi Vasiliadis formulierte die Situation ziemlich spitz: „Wir hatten vielleicht nicht den besten Matchplan und haben es dann auch nicht gut ausgespielt.“
Brünker wird wohl einige Wochen fehlen
Der Plan, mit den jungen Kölnern mitzulaufen und mitzuspielen, entpuppte sich als fatal. „Ist das eine Fan-Auswahl oder eine Altherrenmannschaft?“, fragte der Scout eines Bundesligisten auf der Pressetribüne mit Blick auf die eklatanten läuferischen Schwächen des FCS im Zentrum. Die Anfangsphase erinnerte fatal an den schlimmen Auftritt in Osnabrück im vergangenen September, als der FCS die schwächsten gemessenen Laufwerte im deutschen Profifußball hatte. Der damalige Coach Alois Schwartz baute danach das Team um und gewann viermal in Folge. Darauf, dass das diesmal wieder gelingt, sollte man sich nicht verlassen.
Änderungen in der Startelf sind gegen Osnabrück aber alternativlos. Es braucht Tempo, Dynamik und ein Mindestmaß an körperlicher Fitness, um in dieser engen Liga ein Spiel zu gewinnen. „Wir müssen die Dinger irgendwie mal reinmachen, auch mal dreckig gewinnen. Es muss jetzt klappen, egal wie“, sagte Sontheimer.
Neben den defensiven und läuferischen Schwächen kommen die altbekannten Probleme bei der Chancenverwertung hinzu. Schon vor der Pause hätten Tim Civeja und Florian Pick verkürzen können. Nach dem Wechsel hätte Civeja treffen müssen. Auch die eingewechselten Patrick Schmidt und Rodney Elongo-Yombo scheiterten aus aussichtsreicher Position. „Das ist definitiv richtig große Scheiße! Da ist man so leer, man kann es nicht verstehen. Da muss nur ein Tor fallen, und wir wissen alle, wie es dann im Fußball ist. Dann fängt Viktoria an zu zittern. Dann kommen sie noch weniger raus, als sie in der zweiten Halbzeit rausgekommen sind. Im Endeffekt stehen wir wieder ohne irgendwas da. Wir haben wieder 1.000 Torchancen. Das ist einfach nervig. Da müssen wir uns irgendwie rauskämpfen. Anders kann man es nicht sagen“, fluchte Calogero Rizzuto nach dem Spiel.
Doch wie das gelingen soll, bleibt offen. Kai Brünker humpelte nach gut einer halben Stunde vom Platz, wird vermutlich einige Wochen fehlen. Der eingewechselte Schmidt, einziger Stürmer auf der Reservebank, war zwar bemüht, wirkte aber nicht sehr torgefährlich. Und so könnte Dominic Baumann plötzlich wieder gefragt sein – ein Angreifer, der eigentlich schon die Freigabe erhalten hatte.