Metakilla ist eine Metallica-Tributband. Bei ihren Shows spielen die Saarländer Metallica-Songs originalgetreu nach. Bandgründer Chris Beck (Gesang, Gitarre), Alexander Petry (Gitarre) und Torsten Petry (Schlagzeug) im Interview.
Eine Frage vorweg: Gibt es einen Unterschied zwischen Cover- und Tribute-Band?
Chris Beck: Ja, definitiv. Eine Coverband hat viele Songs von vielen Künstlern im Repertoire und verleiht diesen eine eigene Note. Eine Tribute-Band hingegen versucht, das Original so genau es geht zu imitieren, sei es visuell, soundtechnisch, vom Equipment her oder sogar in Bezug auf Mimik und Gestik. Das wiederum muss man selbst irgendwie leben und nicht nur nachäffen. Unser Equipment beispielsweise besteht aus Originalen oder eigens hergestellten Metallica-Replikaten. Das kostete uns viele Tausende Euro über die Jahre. Wir sind aber auch extreme Nerds und äußerst anspruchsvoll. Die Fans sollen bei unseren Konzerten das Gefühl vermittelt bekommen, dass da oben das Original spielt.
Ihr wart noch 1988 bei Blind Obsession aktiv und hattet da bereits ein großes Faible für Metallica. Wieso gerade die Faszination für diese Band?
Alex Petry: Der Stil, die Komplexität der Lieder, die Spieltechnik und das Erscheinungsbild von Metallica hatten uns seinerzeit gepackt und inspiriert und geprägt. Für uns war klar: Wenn wir je irgendeiner Band Tribut zollen werden, dann an erster Stelle Metallica.
Auf Blind Obsession folgte die Band Mos Eisley. 2005 hattet Ihr dann tatsächlich beschlossen, fortan als Metallica-Tributband aufzutreten, statt eigene Songs zu spielen.
Torsten Petry: Korrekt. Nach Jahren der teilweise auch ziemlich erfolgreichen Zeit mit Blind Obsession und Mos Eisley planten wir für 2004 eine Blind-Obsession-Reunion und probten in Originalbesetzung für ein großes Open Air. Bei der Show spielten wir auch die Metallica-Songs „Master of Puppets“ und „Enter Sandman“. Die Fans feierten das total. Nach der Show kamen einige auf uns zu und fragten eher so spaßeshalber: Warum spielt ihr nicht mal ein komplettes Metallica-Konzert? Der Gedanke gefiel uns irgendwie und wir beschlossen, erst mal so nebenher eine Metallica-Tribute-Band zu starten.
Wer kam denn auf den smarten Namen – Metakilla statt Metallica?
Alex Petry: Unser damaliger Bassist Achim Pohl hatte die Idee. Es ist eine Zusammenführung aus dem Namen Metallica und ihrem Album „Kill ’Em All“. Das fanden wir einfach genial.
Hattet Ihr mal die Gelegenheit, ein Mitglied von Metallica persönlich zu treffen? Oder ist Euch bekannt, ob sie von Euch wissen und Eure Version ihrer Band goutieren?
Torsten Petry: Wir hatten mal ein kurzes Zusammentreffen 2009 auf der „Death Magnetic“-Tour, jedoch eben nur ein kurzes. Metallica haben ihre Tribute-Bands tatsächlich auf dem Schirm und finden das Konzept dahinter auch gut. So zumindest erklärte uns das der offizielle deutsche Metallica-Fanclub „St. Germany“, mit dem wir in Kontakt stehen.
Welcher ist Euer unpopulärster Lieblings-Metallica-Song, also einer, der nicht so offensichtlich ist und nicht zu den Klassikern zählt?
Alex Petry: Für mich ist das „The God That Failed“.
Chris Beck: Ich sage: „Disposable Heroes“.
Torsten Petry: „Bleeding Me“.
Gibt es noch andere Bands, die Ihr annähernd so verehrt?
Chris Beck: Ich spreche jetzt mal für uns drei, denn auch hier sind wir einer Meinung: Queen. Außerdem wären da Muse, Pink Floyd, Toto und Dream Theater zu nennen. Und fast alle Metalbands der 80er und 90er wie Coroner, Vicious Rumors, Slayer und Accept. Ich persönlich liebe auch Biffy Clyro.
Man könnte das Cover- und Tribute-Geschäft durchaus auch kritisch sehen und sagen, Ihr verdient Geld (über Eintritt) mit anderer Leute Kunst. Was würdet Ihr dem entgegnen?
Chris Beck: Das sehe ich ganz und gar nicht so. Man darf nicht vergessen, dass die Originalkünstler bei jedem Gig solcher Bands wie uns über die Gema und andere Verwertungsgesellschaften mitverdienen. So ist das Geschäft strukturiert. Außerdem hören wir – vor allem in den letzten Jahren – von den Fans, dass sie sehr glücklich darüber sind, wenn wir spielen, denn aufgrund von finanziellen und persönlichen Einschränkungen ist es vielen nicht mehr möglich, die Originale zu einem vernünftigen Preis live zu erleben. Was nicht verwundert, wenn man mitunter die Ticketpreise einiger Künstler betrachtet. Unser Publikum ist jedenfalls sehr, sehr dankbar. Das stellen wir immer wieder im persönlichen Austausch mit ihnen fest.
Wie stellt Ihr eure Setlist zusammen? Gibt es Alben, die Ihr ignoriert? Und wenn Metallica ein neues starkes wie zuletzt „Season 72“ veröffentlichen, wie schafft Ihr es, neue Songs in Euer Set zu integrieren, ohne Klassiker wegzulassen?
Chris Beck: Wir erstellen die Setlist so, wie wir gerade Lust haben. Natürlich beachten wir, dass gewisse Songs eben immer dabei sein müssen. Aber letztendlich besprechen wir, auf was wir gerade Lust haben. Zudem hat man über die Jahre gesehen, was die Fans am meisten abfeiern. Wir haben von allen Alben Songs im Repertoire, darauf legen wir großen Wert. Nur die ersten vier oder fünf Alben zu präsentieren, wäre für uns nicht Tribut genug. (lacht) Die Mischung macht’s eben. Man muss aber auch mal Songs ausprobieren.
Wie ist eigentlich Euer Verhältnis zu anderen Metallica-Tribute-Bands wie My’tallica? Gibt es Konkurrenzdenken oder kollegialen Respekt?
Chris Beck: Da das Tribute-Geschäft ziemlich boomt, ist es für eine einzige Band schier unmöglich, alle Konzertanfragen anzunehmen. Es gibt prinzipiell viele Clubs und Veranstalter, die eine gute Tributband suchen und auch bekommen. Wir haben unser Kontingent, das wir neben Beruf und Familie spielen wollen und können, immer voll ausgeschöpft. Wir sind da meistens eher noch drüber. (lacht) Wir haben auch schon Anfragen, die wir nicht mehr annehmen konnten, an die Kollegen weitergeleitet. Außerdem haben wir einen supernetten und professionellen Aushilfsbassisten, der in einer anderen Metallica-Tribute-Band spielt und seit Jahren immer dann einspringt, wenn unser Bassist mal nicht kann. Das ist doch ziemlich genial, oder?