„Sekko Soziale“ verbindet Genuss mit Haltung: Die Marke steht für hochwertigen Schaum- und Perlwein sowie ein klares gesellschaftliches Anliegen.
Auch Flaschen können die Welt besser machen. Dieser Satz klang für mich im ersten Moment nach „Trinken für den guten Zweck“ und könnte eine charmante Ausrede dafür sein, ein Zuviel an Alkohol schönzureden. Doch Genuss funktioniert am besten, wenn er bewusst bleibt. Trotzdem wissen nicht nur Marketing-Profis: Erfolgreiche Produkte erzählen Geschichten. Und im Idealfall steckt dahinter mehr als Werbung – so wie bei „Sekko Soziale“.
Hier trifft Schaumwein auf Haltung, Berliner Clubkultur auf gesellschaftliches Engagement, Produktdesign auf politische Klarheit. Ganz klar: eine Marke mit Mission. Man kennt dieses Rezept inzwischen von Wasser, Cola, Limonade und vielen weiteren Produkten, die Fairtrade- und andere Siegel tragen: Konsum soll nicht nur gut schmecken, sondern sich auch gut anfühlen, verantwortungsbewusst, sinnvoll. Das allein überzeugt trotzdem noch nicht. Entscheidend bleibt, ob das Produkt trägt, was seine Botschaft verspricht. Bei „Sekko Soziale“ lautet sie: „Anstoßen statt ausgrenzen.“ Ein Satz, der niedrigschwellig funktioniert. Nicht platt, nicht pathetisch, ein Verweis auf die Herkunft der Marke: aus dem Moment, in dem Menschen das Miteinander feiern.
Zehn Prozent für Exit-Deutschland
Die Idee von David Caspers und Daniel Priller entstand im Sommer 2018 bei einem Festival. „Soziale Cola, soziales Wasser, soziales Bier – engagierte Drinks gab es damals schon einige, aber sozialen Perlwein noch nicht“, erinnert sich Daniel Priller, einer der Initiatoren des legendären Moyn-Festivals. Bald darauf brachten die beiden eine Eigenmarke für ihre Veranstaltungen heraus. Doch dann kam Corona mit Lockdowns und der großen Frage, was man nun mit drei Paletten anfangen soll. Die Antwort: die Gründung der Gutbubbel GmbH. Heute arbeitet in dem Unternehmen mit Sitz in Ludwigsfelde, einer Stadt südlich von Berlin, ein Team von sieben Menschen daran, mit Schaumwein, Perlwein und alkoholfreien Alternativen ein Zeichen zu setzen.
Als „eine prickelnde Chance zur Partizipation“ bezeichnet Stefan Korn, Head of Marketing, das Sortiment. Das Anstoßen mit perlenden Getränken symbolisiere zumeist einen Akt der Inklusion und Verbindung, deshalb sei es naheliegend, mit „Sekko Soziale“ Projekte zu unterstützen, die Brücken bauen in die demokratische Gesellschaft. Von jeder verkauften Flasche gehen seither zehn Prozent der Produktmarge an Exit-Deutschland. Mehr als 70.000 Euro an Spenden kamen so bereits zusammen. Die im Jahr 2000 gegründete Organisation hilft Menschen, die mit politischem sowie ideologisch-religiösem Extremismus brechen und sich ein neues Leben aufbauen wollen. Auch unternehmerisch ist die Gutbubbel GmbH eine Erfolgsgeschichte: Allein in Berlin gibt es mittlerweile rund 50 Verkaufsstellen, deutschlandweit etwa 250.
Bars, Clubs, Veranstaltungsräume, an denen Menschen zusammenkommen – dafür ist „Sekko Soziale“ gedacht. Einer dieser Orte ist der Festsaal Kreuzberg, eine Eventlocation, die Industriecharme mit Großstadtflair verbindet. Laura Benter, zuständig für Personal- und Barmanagement, sagt: „,Sekko Soziale‘ kommt bei uns gut an – auch weil die Flaschen optisch ansprechend sind.“ Für sie zählt das Engagement hinter den Getränken: „Das unterstützen wir gerne.“ Doch letztlich müssen die Produkte bei den Veranstaltungen „von der Kiezlesung bis zu Empfängen der Senatsverwaltung“ auch geschmacklich überzeugen.
Also Zeit für Sensorik. „Der Unkomplizierte“ und „der Alleskönner“ lauten die Beinamen des „Sekt Soziale“, dessen silbriger Kreis auf dem Etikett verheißungsvoll schimmert. Im Glas prickelt er fein und lebendig, am Gaumen wirkt er harmonisch, frisch und zugänglich. Eine deutsche Cuvée mit zarter Frucht von gelbem Obst, angenehm trocken, rund und angenehm klar. Früher hätte man vielleicht „süffig“ gesagt. Heute spricht man von „hoher Drinkability“. Ich nenne es trinkfreudig. Genau so ein Sekt, den man nicht lange erklären muss: aufmachen, einschenken, anstoßen, das Leben feiern. Im Foodpairing empfehle ich Flammkuchen, Pilz-Risotto, Spargel oder Fisch vom Grill. Auch zu salzigen Kleinigkeiten passt er gut, wenn der Abend leicht bleiben soll.
Und dieses Wort, trinkfreudig, fällt mir auch bei der alkoholfreien Variante ein. „Der Entschärfte“ wird der „Alkfrei Soziale“ genannt. Was für manche Erzeuger noch immer eine Herausforderung bleibt, gelingt hier erstaunlich gut: nicht zu süß, sommerlich frisch, überraschend charakterstark in Duft und Geschmack. Ideal für den ausgedehnten Brunch unter freiem Himmel, der am späten Vormittag beginnt und sich bis in den frühen Abend zieht. Auf dem Buffet: Croissants, Frischkäse, Kräuterquark, Gurke, Melone, milder Käse, Räucherlachs, vielleicht eine Quiche mit Gemüse, ein paar Beeren, gutes Brot und alles, was man an solchen Tagen gern nach und nach auf den Teller legt. Dazu passt ein Glas, das nicht nach Ersatz schmeckt, sondern einfach dazugehört.
Eingängige Sätze, aber keine leeren Versprechungen
Außerdem im Sortiment: der „Frizzante Soziale“ – „der Einsteiger“ – sowie die beiden histaminarmen Sorten „Sekko Soziale Weiß“ – „der Elementare“ – und „Sekko Soziale Rosé“ – „für mehr Liebe“. Histaminarm bedeutet hier: weniger Belastung durch Faktoren, die empfindliche Menschen häufig spüren. Entscheidend sind unter anderem ein reduzierter Schwefeleinsatz und eine trockene Stilistik mit wenig Restsüße. Die Folge, die viele damit verbinden: weniger Kopfschmerzen.
Hersteller von Weiß und Rosé ist das Bioweingut Hemer in Rheinhessen. Der Familienbetrieb besteht seit 1902 und verzichtet auf chemische oder synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger. Alle Weine tragen das Ecovin-Zertifikat, das für strenge nationale und EU-weite Richtlinien im ökologischen Weinbau mit Leitlinien zu Biodiversität, Klimaschutz und Sozialverträglichkeit steht. Die Weinkellerei Josef Drathen aus der Moselregion ist ebenfalls ein Partner der Gutbubbel GmbH. Auch deren Trauben stammen aus biozertifizierter Landwirtschaft.
In Planung ist eine 0,0-Variante: Ab Juli soll die Cuvée aus verschiedenen alkoholfreien Rieslingen erhältlich sein, für einen „unbeschwerten, fruchtigen und animierenden Genuss“, wie es in der Ankündigung dazu heißt. Und für die kalte Jahreszeit ist auch schon gesorgt: Der „Glühwein Soziale“ vereint fruchtige Rotweine der Sorten Portugieser und Regent, lieblich, feinwürzig, mit wärmenden zwölf Prozent. Bisher nur angedacht, aber ebenso spannend: Vino Soziale – Mischgetränke auf alkoholfreier Sektbasis.
Was mir an „Sekko Soziale“ gefällt: Haltung und Qualität widersprechen sich nicht. Im Gegenteil. Die Haltung würde verpuffen, wenn das Produkt beliebig wäre. Ganz klar, „Sekko Soziale“ will Gesprächsstoff sein. Und das funktioniert, weil die Marke nicht mit Krawall arbeitet. „Hass mit Hass bekämpfen ist nicht die Lösung“, heißt es sinngemäß im Markenkern. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Sichtbarkeit, Gespräch und Teilhabe. Politisch, aber überparteilich. Für Toleranz, Respekt und ein friedliches Miteinander. Gegen Extremismus, Hass und Ausgrenzung. „Dagegen sein und meckern kann jeder. Sich für den gewünschten Zustand, ‚das Gute‘, einzusetzen, das ist die Kunst“, bringt es Daniel Priller auf den Punkt.
Natürlich kann man darüber diskutieren. Politische Marke oder Genussprodukt? Darf Schaumwein ein gesellschaftliches Anliegen transportieren? Nicht jede Flasche braucht eine Mission. Aber wenn eine Marke es schafft, dass ein Abend nicht nur schön, sondern auch ein bisschen bewusster wird, dann hat das Team der Gutbubbel GmbH viel erreicht. Es beeindruckt sowohl mit Engagement als auch mit Kreativität, wie die Slogans auf der Homepage zeigen: „Let’s make politisches Engagement sexy again“, „Gemeinsam etwas Gutes anstoßen“, „Stößchen auf eine inklusivere, tolerantere Welt“, „Sozialer Sekt gegen soziale Kälte“ oder „Mehr als nur Bubbles im Glas“. Es sind eingängige Sätze, aber keine leeren Versprechungen. Sie erzählen von einer Überzeugung und von einer Marke, die lieber für etwas steht, als nur gegen etwas zu sein.
Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob Flaschen die Welt besser machen können. Aber ich denke, „Sekko Soziale“ ist ein guter Grund, es zu versuchen.