Nein, über eine überbordend komplizierte Einführung kann man sich bei der Serie „From“ wahrlich nicht beklagen: Komm früh genug nach Hause, sperr über Nacht Türen und Fenster zu und finde dich mit deinem Schicksal ab. Ein starkes Ensemble wehrt sich jedoch gegen düstere Gestalten.
Eine Glocke bimmelt, mit stoischer Präzision huschen die Einwohner in ihre Häuser, verschließen ihre Türen. So bricht die Nacht herein, und alles könnte sicher sein – doch einer tanzt aus der Reihe. Und so dauert es keine zehn Minuten, bis der erste Mensch von einem der Monster aus der Dunkelheit in die ewige Finsternis gerissen wird.
Scheinbar ein Ort ohne Entrinnen
Es ist diese einfache, klare Prämisse, die den Zuschauer in die 2022 gestartete Serie „From“ hineinzieht. Wer einmal in dieser kleinen Ortschaft gelandet ist, kommt nicht mehr heraus und kann nur überleben, wenn er sich an Regeln hält.Das alles muss auch Familie Matthews lernen. Jim und seine Frau Tabitha fahren mit ihrem Van und den beiden Kindern Julie und Ethan irgendwo in den USA auf einer Landstraße, bis ihnen ein Baum den Weg versperrt – und ihre Pläne über den Haufen wirft. Sie landen in besagtem Nest irgendwo im Nirgendwo. Sheriff Boyd Stevens (Charisma-Bombe Harold Perrineau) empfängt sie etwas gestresst, und die Familie beschließt, erst mal weiterzufahren. Erst kommt es ihnen seltsam vor, dass sie immer wieder in dem Mini-Ort landen, und dann sind sie noch in einen Unfall mit einem weiteren Fahrzeug verwickelt. Der Van überschlägt sich und bleibt liegen. Während Sohn Ethan mit einer Wunde am Bein und mit Boyd und der Dorf-Ärztin Kristi Miller an den Hacken zurückbleibt und die Eltern im Dorf in Sicherheit gebracht werden, schleichen sich düstere Gestalten aus dem umliegenden Wald Richtung Dorf und Van. Diese Gestaltwandler sind intelligent und scheinen die Jagd auf die Dorfbewohner als eine Art Sport zu betreiben. Nach und nach lernt Familie Matthews, die die Nacht mühsam überlebt hat, das neue Schicksal kennen.
Für die Umsetzung der Regeln im Dorf sind Sheriff Boyd und sein Deputy Kenny Liu zuständig. Die neu Eingetroffenen können wählen, im Dorf selbst oder im „Colony House“ unterzukommen, einer Art Kommune, über die die resolute Donna Raines wacht. Erste Risse in der Familie Matthews werden sichtbar, als sich Tochter Julie (sehr starke Leistung der 22-jährigen Kanadierin Hannah Cheramy) entscheidet, ebendort zu wohnen. Dort lebt auch bereits Ellis Stevens, der Sohn von Sheriff Boyd, der sich von seinem Vater emotional entfernt hat, seit es ein einschneidendes Erlebnis gab.
Weitere tragende Rollen kommen Sara Myers zu, die Stimmen hört und ein schlimmes Verbrechen begeht, sowie Jade Herrera (herrlich arrogant: David Alpay), der das alles für ein riesiges Escape-Spiel hält, Victor, ein skurriler Dorfbewohner, der bereits seit seiner Kindheit hier festsitzt, und Fatima (zuckersüß: Pegah Ghafoori), die mit Ellis Stevens anbandelt. Gemeinsam und in Alleingängen versuchen die Bewohner, herauszufinden, was es mit den Monstern eigentlich auf sich hat – und vor allem, wie die Bewohner dem vermaledeiten Ort entfliehen könnten.
Eine vierte Staffel ist besiegelt
Da das gar nicht so einfach ist, hat im Grunde jeder der Ankommenden und Gestrandeten eine eigene Theorie. Aufgrund der Fantastik und der mysteriösen Elemente wird „From“ daher des Öfteren mit „Lost“ verglichen. Die Theorien sind im Laufe der bislang 30 Episoden in drei Staffeln nicht nur für die jeweils anderen Bewohner schwer zu glauben, sondern auch für die Zuschauer immer schwerer nachzuvollziehen. Das ist aber auch gar nicht weiter tragisch, da es wie in jedem guten Drama um die Personen geht. Und dafür nimmt sich die Serie, von der gerade eine vierte Staffel gedreht wird, schön viel Zeit.
Die Protagonisten streiten sich, versöhnen sich wieder, driften auseinander, finden wieder zusammen, leben, sterben, heiraten und finden während der Schwangerschaft Gefallen an seltsamer Nahrung wie verrottetem Gemüse – das ganz normale Leben eben. Immer wieder führen Rückblenden tiefer in die Vergangenheit der einzelnen Figuren, ebenso wie sie das Universum des mysteriösen Ortes weiter ausbauen. Denn auch wenn die Bewohner dort festsitzen, finden sie immer Nahrung und immer wieder Hinweise darauf, wie sie vielleicht doch entfliehen könnten – und manchmal scheint es auch tatsächlich jemandem zu gelingen, ins wahre Leben zurückzukehren.
„From“ überzeugt mit hervorragender Kameraarbeit, der schön gebrochenen Interpretation des Klassikers „Que Sera“ als Titelmelodie sowie sparsam, aber äußerst effektiv und teils reichlich blutig eingesetzten Schockeffekten.
Zu sehen ist die Serie kostenfrei im Abo bei Paramount+, wo sich der anfängliche Geheimtipp mit Eintreffen von Staffel drei über Wochen in den Streaming-Top-Ten festsetzte.
Serienschöpfer John Griffin gab in einem Interview schon mal eine Vorschau auf die vierte Staffel, die vermutlich nächstes Jahr veröffentlicht wird: „Mit dem Höhepunkt der dritten Staffel haben wir in vielerlei Hinsicht das Ende des Anfangs erreicht. In Staffel vier beginnt eine neue Reise. Die Frage ist, ob sie unsere Charaktere nach Hause oder tiefer in diesen unerbittlichen Albtraum führen wird.“ Es bleibt also spannend.