Die Ausbildungsplatzmesse der Wirtschaftsjunioren Saarland startet zum 15. Mal in der Congresshalle Saarbrücken. Jennifer Moseler, Vorständin des Vereins, setzt auf das duale Studium und Schulkooperationen.
Frau Moseler, was steckt hinter dem Konzept „Ausbildung zum Anfassen“?
Die Idee ist so alt wie die Messe selbst. Es ging damals darum, nicht einfach nur Unternehmen und Schülerinnen und Schüler in einen Raum zu bringen, sondern tatsächlich erlebbar zu machen, was ein Beruf bedeutet. Wir geben den Ausstellern zwar nichts vor – aber der Fokus liegt darauf, das Aufgabenfeld praxisnah zu zeigen. Ein Pflegebetrieb bringt eine Reanimationspuppe mit, ein Industrieunternehmen eine kleine programmierbare Maschine. Es soll ein Erlebnis sein, kein Hochglanzkatalog.
Und was unterscheidet Ihre von anderen Messen?
Zum einen der inhaltliche Schwerpunkt: Wir setzen bewusst auf duale Ausbildung, nicht auf Hochschule oder Studium. Das Abitur ist heute Standard, viele gehen studieren – aber es gibt wahnsinnig tolle Ausbildungsberufe, die schlicht unterbewertet werden. Die wollen wir zeigen, aus möglichst vielen Branchen. Zum anderen der Termin: Unsere Messe findet samstags statt. Das klingt nach einem Detail, ist aber entscheidend.
Inwiefern?
Wer samstags kommt, kommt freiwillig. Bei Messen unter der Woche kommen Schulklassen in Bussen, ob mit Interesse oder nicht. Bei uns ist das anders. Viele kommen mit ihren Eltern, die ein echtes Interesse daran haben, dass ihr Kind ins Gespräch kommt. Die Qualität der Begegnungen ist eine andere. Wir hören das immer wieder von den Ausstellern.
Was können Schülerinnen und Schüler konkret auf der Messe tun?
Sie informieren sich an den Ständen, können Berufe aber auch direkt ausprobieren – und sie können direkt ihre Bewerbungsunterlagen checken lassen. Wir haben ein kleines Fotostudio für Bewerbungsfotos. Die Idee ist: Wer kommt, geht nicht nur mit Flyern und Kugelschreibern nach Hause, sondern ist danach wirklich bereit für die Bewerbung. Manche treffen dort auch direkt ihren künftigen Arbeitgeber.
Und wie finanziert sich die Messe?
Über Standgebühren, die wir bewusst moderat halten. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, wir wollen keinen Gewinn maximieren. Dadurch, dass wir ehrenamtlich arbeiten und kein Personal bezahlen müssen, können wir die Kosten niedrig halten. Früher war das noch einfacher – wir haben klein angefangen, mit ein paar Ständen in der IHK. Jetzt haben wir die Congresshalle, das ist eine andere Hausnummer. Aber das Prinzip bleibt: Auch kleine Unternehmen sollen sich einen Stand leisten können. Was wir an Überschüssen erwirtschaften, fließt in andere Vereinsprojekte.
Welche Partner stehen hinter der Messe?
Die IHK ist unser wichtigster Partner. Wir sind zwar ein eigenständiger Verein, aber die IHK stellt unseren Geschäftsführer und wir haben dort unsere Geschäftsstelle. Das CCS unterstützt uns ebenfalls und wir haben vier Goldsponsoren, die nicht nur einen größeren Standplatz erhalten, sondern noch zusätzliche Sichtbarkeit erhalten. In diesem Jahr sind die Goldsponsoren Duvenbeck, Festo, Bundeswehr und Marienhaus GmbH. Gleichzeitig schließen wir Handwerk und andere Branchen ausdrücklich nicht aus – wir wollen Breite, keine Nische.
Wie arbeiten Sie dabei mit Schulen zusammen?
Alle Schulen in der Region werden vor der Messe angeschrieben, viele kooperieren aktiv mit uns. Darüber hinaus gehen wir unterjährig selbst in Schulen – für Bewerberchecks, bei denen Schülerinnen und Schüler ihre Unterlagen individuell prüfen lassen können. Wir waren zuletzt am ZBB. (Zentrum für Bildung und Beruf Saar gGmbH in Burbach; Anm. d. Red.) Dabei bringen wir auch unsere eigene Perspektive ein: Viele unserer Mitglieder sind Unternehmer oder Führungskräfte, die über ihren eigenen Werdegang erzählen. Das öffnet Horizonte.
Gibt es Überlegungen, die Messe auch für Bewerber aus Frankreich zu öffnen?
Wir denken darüber nach, haben es aber noch nicht aktiv angegangen – das ist eine Kapazitätsfrage. Grundsätzlich kann jedes Unternehmen bei uns einen Stand mieten, auch französische. Wenn sich Schulen aus dem Grenzgebiet melden, sind sie herzlich willkommen. Wir bewerben es nur nicht aktiv.
Was fehlt der Messe noch, was würden Sie sich wünschen?
Ehrlich gesagt läuft die Messe gut. Was wir uns wünschen, sind Menschen, die mitmachen wollen. Unsere Projektleiterin Jennifer Brill-Dewes ist selbst Unternehmerin – Geschäftsführerin der Spectral-Haus GmbH – und organisiert die gesamte Messe ehrenamtlich. Das ist nicht selbstverständlich. Ehrenamt geht insgesamt zurück, das merken wir. Dabei ist die Wirkung enorm: Wer sich engagiert, bringt nicht nur die Messe voran – sein Unternehmen rückt auch bei Schülern und Auszubildenden ins Blickfeld. Das ist ein unterschätzter Nebeneffekt.
Und es gibt jedes Jahr ein Gewinnspiel.
Ja, das darf natürlich nicht fehlen. Seit einigen Jahren verlosen wir eine Klassenfahrt in den Europapark. Das ist ein echter Anreiz – gerade für Schulklassen, in denen nicht alle Schülerinnen und Schüler sich solche Ausflüge leisten können. Es passt zum Geist der Messe: Wir wollen, dass alle etwas mitnehmen.