Die älteste Stadt Europas, das 6.000 Jahre alte Plovdiv in Bulgarien, ist nicht nur die Geburtsstadt der Lyrikerin Rumiana Ebert, sondern auch jene von Marie, der Hauptperson ihres Romans. Der beginnt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Das kommunistische Bulgarien verfolgt und benachteiligt alle, die vor oder im Krieg zu jenen gehörten, die das Regime als Volksfeinde betrachtet. Marie, ihr Bruder Niko, Vater Stefan und Mutter Mila standen auf der falschen Seite und müssen sich nun irgendwie durchs Leben schlagen. Ein Gedanke treibt sie an: Bulgarien zu verlassen.
Hauptperson Marie ist ein begabtes Mädchen, hochmusikalisch und des Deutschen mächtig. Und da ist noch Michael. Beide sind ineinander verliebt, doch wie das Schicksal es will, kommen sie nicht richtig zusammen, auch wenn es die unausgesprochen große Liebe ihres Lebens ist. Beiden gelingt unabhängig voneinander die Ausreise aus Bulgarien. Beide spült es nach Deutschland.
Richtig glücklich werden sie aber in der Freiheit nicht. In Wien lernt Marie auf einem Ärztekongress Hermann, einen Kardiologen, kennen, und die zwei heiraten ziemlich überstürzt. Bald kommt Tochter Verena zur Welt, die Familie lebt im Wohlstand, doch es stellt sich neben den bekannten Abnutzungserscheinungen einer Ehe auch eine Entfremdung der zwei Ehepartner ein. Vielleicht auch, weil jeder der beiden die Anerkennung des anderen sucht, diese aber nicht erhält.
Es ist der erste Roman der 81-jährigen, in Deutschland lebenden Rumiana Ebert. Mit leisem Humor, knapp, klar und ungekünstelt erzählt sie als Chronistin ohne Schuldzuweisungen. Sie tut das zuweilen in der Ich-Form als Marie, zum Teil in Zeitsprüngen nach vorne und hinten, sodass der Leser stets gut aufpassen muss, wo er sich gerade in der Geschichte befindet, zumal auch nicht wenige Personen den Roman bevölkern. Wie viel Autobiografisches in dem Werk steckt, wäre interessant, ist aber unerheblich, weil Rumiana Ebert ein lesenswertes eigenständiges Debüt gelungen ist.