Die Saarbrücker Architektin und Professorin Andrea Wandel wurde mit dem Kunstpreis des Saarlandes im Bereich Architektur 2026 ausgezeichnet.
Frau Professor Wandel, waren Frauen, die Architektinnen werden wollten, Anfang der Achtzigerjahre, als Sie Ihr Architekturstudium in Kaiserslautern aufnahmen, danach in Darmstadt fortsetzten, bereits durchgesetzt?
Ja, würde ich schon sagen. Ich hatte sehr viele Kommilitoninnen, auch während meines Studiums. Was man sicherlich trotzdem kritisch anmerken muss, ist: Wie viele konnten danach wirklich als Architektinnen erfolgreich tätig werden? Da ist sicherlich eine größere Diskrepanz. Wesentlich weniger konnten dann in diesem Beruf selbstständig Fuß fassen. Das muss man leider auch bis heute immer noch so konstatieren.
Was, glauben Sie, sind die Gründe? Ist es die berühmte ‚Kinderfalle‘ (in Anführungszeichen)?
Ich glaube, es sind mehrere Gründe. Kinderfalle, ja, Sie haben es selbst in Anführungsstrichen schon formuliert. Es ist so, dass es auf beruflichem Weg durchaus hilft, wenn man die Erfahrung macht, Kinder zu haben. Ich habe ja auch zwei, aber man braucht ein Umfeld, das einem das auch mit ermöglicht. Ich hatte sicherlich den großen Vorteil, dass ich eine Großfamilie im Hintergrund hatte, die mir das ermöglicht hat. Ich konnte trotz kleiner Kinder meinen Beruf konsequent ausüben und hatte trotzdem nicht das Gefühl, meine Familie kommt zu kurz. Man muss daran weiterhin gesellschaftlich arbeiten – die Gleichberechtigung ist weiterhin ein Thema. Da sind wir leider immer noch nicht da angekommen, wo wir sein sollten.
Man spricht heute viel über nachhaltige Baukultur. Das Cloef-Atrium – das Besucher- und Tagungszentrum in Orscholz – entstand 2004 und gilt als wegweisend in dieser Hinsicht. Welche Gedanken haben Sie geleitet?
Bei allen unseren Projekten versuchen wir (Wandel Lorch Götze Wach GmbH; Anm. d. Red.), den Kontext aufzunehmen – im Fall von Orscholz war es der Wald – und eine spezielle spezifische Antwort für unsere Architektur zu finden. An dieser Stelle existieren wichtige Wege, Verbindungen zur Saarschleife. Wir haben einen Kreuzungspunkt von zwei wichtigen Wegen aufgegriffen. Mit welcher Materialität, mit welcher konstruktiven Art setzen wir das um? Die Bilder des Waldes waren diejenigen, die wir übertragen haben. Das heißt also, alles prägt und wird geprägt durch Holzkonstruktionen, die wir im Dach, in den Rundstützen, im Inneren finden, und die wir dort konsequent umgesetzt haben. Auch mit einem Holzsteg, der das Ganze verbindet und dann räumlich zu einer Lichtung im Wald werden lässt. Das Thema Holz ist an der Stelle sehr prägend. Holz ist schon lange ein nachhaltiger Baustoff, der natürlich auch in vielen anderen Bereichen eingesetzt wird.
Ein Gebäude entsteht für einen Zweck, mit einer Bestimmung und übernimmt eine soziale Funktion. Architekten möchten gleichzeitig eine eigene Handschrift entwickeln. Lässt sich das vereinen?
Das würde ich sogar eher hinterfragen wollen. Für uns ist es immer die Suche nach dem Spezifischen, das sich aus der Bauaufgabe ableitet, und das hängt natürlich mit sozialen, mit funktionalen Aspekten, mit Raumprogrammen und mit den Anforderungen der Bauherrschaft zusammen. Man gibt seine Handschrift mit hinein, ja, aber in unserem Büro ist es uns immer wichtig, dass wir nicht eine formale Handschrift über alles ziehen, denn die soll sich aus der Aufgabe selbst herausentwickeln.
Meine Frage entstand, weil Sie sich mit Gedenkorten und sakralen Bauwerken befasst haben, ist aber auch grundsätzlich: Ist Architektur Kunst?
Ja, Architektur hat ganz viel mit Kunst zu tun. Architektur beinhaltet unwahrscheinlich viele künstlerische und gestalterische Aspekte – und ist dennoch viel generalistischer, würde ich sagen.
Welche Projekte gehen Sie als nächstes an?
Ja, wir haben einige Projekte, zum Beispiel in Speyer die Erweiterung des historischen Museums. Das realisieren wir derzeit, wobei wir uns stark mit dem Bestand auseinandersetzen – eine sehr komplexe Aufgabe. In Saarbrücken werden wir das ehemalige Finanzamt transformieren. Auch das ist etwas, was uns sehr freut und was hier im Saarland ein sehr interessantes Projekt sein wird.
Sie haben eine Professur für Entwerfen, Raumbildung und Darstellung an der Hochschule Trier. Was ist es, was Sie Ihren Studenten unbedingt mitgeben möchten?
Natürlich möchte ich Wissen vermitteln – das bleibt jetzt ein bisschen sehr allgemein. Ich finde es unheimlich wichtig, Verantwortungsbewusstsein für das, was wir tun, nämlich Umwelt zu gestalten, zu vermitteln. Ich will aber auch auf dem Weg zur Eigenständigkeit begleiten und ich möchte diese Begeisterungsfähigkeit, die mit dem Architekturberuf zusammenhängt – die möchte ich fördern.