Deutschland wird als Reiseziel immer beliebter.
Die Tourismussaison 2026 zeigt laut den Wiesbadener Statistikern eine stabile Nachfrage auf hohem Niveau – trotz gestiegener Preise und wirtschaftlicher Unsicherheiten. So hatten mehr als 60 Prozent der Bundesbürger zumindest eine Reise im Sommer geplant, das heißt zwei Drittel der Bevölkerung waren auf Wanderschaft. Da wundert es nicht, wenn viele nach Ende dieser angeblich schönsten Wochen im Jahr von ihren Urlaubserlebnissen träumen.
Aber nicht alle. Da gab es auch viele unliebsame Ereignisse. Wenn zum Beispiel das eigene Auto ungeplant in einen großen Lastwagen verladen wurde – gestohlen, während man sich hoch droben auf den Geschlechtertürmen in der Toskana befand. Ein Phänomen, das bereits Johann Wolfgang von Goethe 1797 beschrieb: „Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei!“
Der perfekte Fern-Urlaub ist selten. Folgt man den Berichten aus der Presse, so gab es für den deutschen Urlauber manch unliebsame Überraschung: Bikerflotten in der Idylle des einsamen Berghotels, Bettwanzen zu Hauf in diversen Berghütten, Baulärm und Sichtverhinderung aufs blaue Meer durch Hotelneubauten in der Nachbarschaft, die im Hochglanzprospekt des Reisebüros nirgends auftauchten, Montezumas oder Osiris’ Rache bei Verköstigung aus diversen Straßenküchen in Exoten-Ländern, Abzocktricks korrupter Zöllner und Polizisten in Folklore-Ländern, Trickdiebe in Florenz. Der Beispiele gibt es viele.
Da wundert es nicht, dass Deutschland in den vergangenen Jahren als Reiseziel deutlich an Beliebtheit zulegt hat: Rund 42 Prozent der Urlauber bevorzugten laut Befragungen 2026 Reiseziele innerhalb Deutschlands, 40 Prozent reisten ins Ausland. Damit blieb Deutschland das beliebteste Reiseziel im Gesamt-ranking.
Aber nicht nur die mögliche Unbill einer Auslandsreise bestimmt das Reiseziel, die Urlaubskosten spielen bei der Wahl des Zielortes eine wesentlich größere Rolle als früher. Kurz: Das Geld sitzt nicht mehr so locker, das Budgetbewusstsein bei den Bundesbürgern hat deutlich zugelegt. Rund 40 Prozent der Urlauber haben nach eigenen Angaben bei ihren Ausgaben gespart – sei es bedingt durch persönliche wirtschaftliche Unsicherheiten oder durch hohe Preise und begrenzte Budgets. Die durchschnittlichen Tageskosten für Urlaubsreisen sind demnach im Vergleich zum Vorjahr um acht Euro auf 130 Euro gesunken. Allerdings bleiben sie deutlich über dem Niveau von vor zehn Jahren (88 Euro).
Der Urlaub in Deutschland hat zum einen deswegen an Beliebtheit zugenommen, weil er laut Befragten rund 400 Euro günstiger war als Reisen ins europäische Ausland. Hinzu kommt natürlich die Vielfalt der Urlaubsmöglichkeiten im eigenen Land: von der See bis in die Berge, vom Mittelalter bis zur Moderne – alles da! Nach dem Motto: Auch Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl und Miltenberg oder Ludwigs Märchenschlösser sind eine Reise wert! Auch hierfür hatte Dichterfürst Goethe, bereits hochbetagt, eine Lebensweisheit: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“
So denken inzwischen viele, auch einstens die Schwiegermutter des Autors. Diese hatte Zeit ihres Lebens das kleine Saargau-Dörfchen zwischen Mosel und Saar, durch das nach dem Krieg bis 1957 die Grenze zwischen dem französischen Saarland und dem deutschen Rheinland-Pfalz verlief, nur sehr selten verlassen. Urlaub gab es damals nicht. Wenn das Schwieger-Ehepaar sich dann in reifem Alter gelegentlich der Mühe unterzog, ihre Tochter in München zu besuchen, war das Drehbuch schon geschrieben: Der Schwiegersohn bemühte sich nach Kräften, den Anverwandten die Schönheiten des Bayernlandes mit Voralpenland, Schlössern, Bergen und Seen nahezubringen. Die Schwiegermutter beendete jede Besichtigungstour im reinen moselfränkisch stets mit den Worten: „Bei os es et och ganz schen!“