Energie Cottbus ist in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. Das 0:2 gegen den FC Augsburg erzählt jedoch nur einen Teil der Geschichte: Der Zweitligist lieferte einen leidenschaftlichen Kampf, vergab aber zu viele Chancen.
Das 0:2 wirkte eindeutig, die 90 Minuten zuvor waren es keineswegs gewesen. Energie Cottbus hatte den Bundesligisten vor beeindruckender Kulisse lange gefordert und sich mindestens die Verlängerung verdient. Doch der Pokal belohnt weder gute Eindrücke noch ein Chancenplus. Er belohnt jene Mannschaft, die in den entscheidenden Augenblicken konsequenter handelt. Augsburg benötigte dafür nur wenige Gelegenheiten. Cottbus hatte mehr davon – und nutzte keine einzige.
Trotzdem war dieser Nachmittag für die Lausitzer mehr als eine weitere Niederlage. Nach dem 0:3 bei Arminia Bielefeld präsentierte sich die Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz wie ausgewechselt. Sie spielte mutig und strukturiert, arbeitete geschlossen gegen den Ball und brachte Augsburg mit ihrem Tempo in Schwierigkeiten. Der Erstligist hatte seine Profis im Training sogar mit Cottbuser Fangesängen auf die Atmosphäre vorbereitet. Die Wucht von den Rängen ließ sich simulieren, die Energie auf dem Platz zunächst nicht.
Konsequenzen aus Bielefeld-Spiel
Wollitz hatte aus der schwachen Vorstellung in Bielefeld deutliche Konsequenzen gezogen. Luca Erlein rückte auf die rechte Abwehrseite, Axel Borgmann begann links, King Manu und Doumbia bildeten das Zentrum. Im Mittelfeld ersetzte Pelivan den gesperrten Bittencourt. Die größte Überraschung war der Verzicht auf Kapitän Tolcay Cigerci in der Startelf. Julian Guttau und Christian Kinsombi erhielten stattdessen ihre Chance – und die Veränderungen griffen.
Schon in den ersten Minuten wurde deutlich, dass Cottbus nicht auf einen glücklichen Pokalmoment warten wollte. Die Gastgeber suchten ihn. Moritz Hannemann kam nach einem Steilpass von Guttau früh aus spitzem Winkel zum Abschluss, traf aber nur das Außennetz. Wenig später versuchten es Borgmann aus der Distanz und Manu nach einer Ecke per Kopf. Augsburg fand zunächst kaum einen Weg durch die griffige Cottbuser Ordnung. Der Klassenunterschied, der auf dem Papier bestand, war auf dem Rasen nicht zu erkennen.
Die Grundlage dafür lag in der Arbeit gegen den Ball. Energie stellte den Gegner bereits im Mittelfeld vor schwierige Entscheidungen. Die Pressingfallen funktionierten, nach Ballgewinnen schalteten die Lausitzer schnell um. Besonders über Guttau, Hannemann und Lucas Copado entstanden gefährliche Situationen. Augsburg bekam nur selten Ruhe in sein Spiel.
Was Cottbus fehlte, war die letzte Klarheit. Das zeigte sich am deutlichsten in der 36. Minute. Hannemann und Guttau liefen bei einem Konter gemeinsam auf FCA-Kapitän Keven Schlotterbeck zu. Ein Querpass hätte Guttau in eine ausgezeichnete Abschlussposition gebracht, doch Hannemann entschied sich für den eigenen Versuch. Schlotterbeck konnte eingreifen. Es war die beste Cottbuser Gelegenheit vor der Pause und zugleich jene Szene, in der sich bereits das spätere Ergebnis andeutete: Energie spielte vieles richtig, aber nicht alles zu Ende.
Augsburg kam besser aus der Kabine und benötigte nur wenige Minuten, um genau das zu bestrafen. Fabian Rieder erhielt im Mittelfeld zu viel Raum, Michael Gregoritsch leitete den Ball auf Anton Kade weiter. Der setzte sich am Strafraum gegen Borgmann durch und schob platziert zur Führung ein. Ein einziger Moment, in dem die zuvor so stabile Cottbuser Arbeit gegen den Ball nicht konsequent genug war, genügte dem Bundesligisten. Das 0:1 fiel nicht als Ergebnis einer Augsburger Drangphase, sondern beinahe aus dem Nichts.
Energie ließ sich davon nicht entmutigen. Kinsombis Antwort flog nur knapp über die Latte, anschließend reagierte Wollitz mit einem Dreifachwechsel. Cigerci, Justin Butler und Henry Rorig kamen nach 56 Minuten und sollten dem Angriff neue Kraft geben. Die Gastgeber blieben aktiv, warfen sich weiter in die Zweikämpfe und suchten den Ausgleich, obwohl Augsburg nun mehr Platz für Konter erhielt. Manu verfehlte das Tor, danach scheiterten Copado und Butler am Augsburger Schlussmann Finn Dahmen.
Guttau übte Selbstkritik
Mit zunehmender Spielzeit wurde es schwieriger, den hohen Aufwand mit der notwendigen defensiven Geschlossenheit zu verbinden. Cottbus musste immer mehr riskieren, Augsburg konnte sich häufiger befreien. Anton Kade hatte weitere Möglichkeiten, Noahkai Banks traf in der Schlussphase die Latte. Dennoch blieb der Ausgleich bis tief in die Nachspielzeit möglich, weil Energie nicht aufgab und die Kulisse jeden neuen Angriff begleitete. Erst Jakics Treffer gegen die weit aufgerückte Cottbuser Mannschaft beendete die Hoffnung endgültig.
„Wir haben uns gegen den Favoriten gut geschlagen. Es ist ärgerlich, wir haben unsere sehr guten Offensivansätze leider nicht nutzen können. Da war Augsburg besser als wir“, bilanzierte Butler. Seine Einschätzung traf den Kern dieser Partie. In der Anlage war Cottbus mindestens ebenbürtig, in manchen Phasen sogar überlegen. Vor dem Tor zeigte sich jedoch jener Unterschied, der im Pokal schwerer wiegt als Ballgewinne, gelungene Pressingmomente und eine leidenschaftliche Vorstellung.
Auch Guttau richtete den Blick auf das eigene Versäumnis: „Wir können uns heute nur vorwerfen, unsere Chancen nicht richtig ausgespielt zu haben. Das entscheidet den Fußball nun einmal“, sagte der Mittelfeldspieler. Treffender ließ sich das Ausscheiden kaum zusammenfassen. Cottbus hatte nicht deshalb verloren, weil die Aufgabe gegen einen Bundesligisten zu groß gewesen wäre. Die Mannschaft verlor, weil sie aus einer Reihe guter Angriffe keinen Ertrag zog und Augsburg zwei seiner wenigen entscheidenden Situationen konsequent nutzte.
So bleibt eine Pokalniederlage, die schmerzt, aber Mut machen kann. Wollitz’ Anpassungen funktionierten, die Mannschaft zeigte Intensität, Zusammenhalt und spielerische Qualität. Nimmt sie die Entschlossenheit dieses Nachmittags mit in den Ligaalltag und handelt vor dem Tor klarer, kann aus dem bitteren Ausscheiden dennoch ein Schritt nach vorn werden.