Das „Bistro Krempels“ ist in St. Ingbert eine Institution. Mitte Januar hat Ben Schaefer hier über-nommen. Vieles hat der neue Betreiber beibehalten, setzt in der Küche aber auch neue Akzente.
Das „Bistro Krempels“ in St. Ingbert kenne ich schon lange. Es war irgendwann in den 1990er-Jahren, als ich meinen Kumpel Ralf besuchte. Er wohnte damals in dieser Gegend und schleppte mich in das Kultbistro. Schon damals gefiel es mir auf Anhieb, und das hat sich über Jahrzehnte nicht verändert.
Handgemacht, frisch und kreativ
Doch was ist eigentlich ein Bistro, und woher stammt der Begriff? Das Wort „Bistro“ kommt höchstwahrscheinlich aus dem Russischen – und zwar vom Wort „bystro“, was „schnell“ bedeutet. Die bekannteste Erklärung dafür ist eine kleine historische Anekdote: Als russische Soldaten 1814 nach dem Sieg über Napoleon in Paris stationiert waren, sollen sie in Wirtshäusern immer wieder gerufen haben: „Bystro! Bystro!“ („Schnell! Schnell!“). Die Pariser Wirte hätten diesen Ruf übernommen und ihre kleinen, einfachen Lokale fortan „Bistro“ genannt – Orte, an denen es rasch etwas zu essen und zu trinken gibt. Heute bedeutet Bistro: ein kleines, ungezwungenes Lokal mit herkömmlichen Speisen und Getränken. In Frankreich steht „Bistro“ bis heute für Gemütlichkeit, Alltagsküche, schnellen Café au lait und Speisen, die an die eigene Kindheit erinnern – nicht für feine Luxusrestaurants.
Doch zurück zum „Bistro Krempels“. Am 15. Januar hat Ben Schaefer den Laden übernommen und damit eine neue Epoche eingeläutet, denn er hat dem Bistro seinen Stempel aufgedrückt. Zwar ist vieles von früher erhalten, aber es gibt Neuigkeiten zu vermelden. Schaefer setzt auch weiterhin auf eine gute, verlässliche Küche.
Das bedeutet, die Küche ist handgemacht, frisch, kreativ, vor allem aber auch regional und saisonal. Ich erlebe bei meinem Besuch eine saarländisch-deutsch-französische Küche mit besonderen Akzenten. Schaefer erklärt: „Wir lassen das, was vorher schon das ,Bistro Krempels‘ war, ohne irgendwelche Dinge groß zu verändern. Das Ambiente ist im Großen und Ganzen gleich geblieben, damit die Leute ihr altgewohntes Bistro vorfinden. Wir kochen alles frisch, manchmal sogar auf höherem Niveau. Selbstverständlich ziehen wir die Saucen selbst, aber es soll eine klassische Karte bleiben mit separaten Empfehlungen der Küche.“ Alle seine Saucen stellt er also ganz traditionell aus Knochen her für die Grundsaucen. Daraus entsteht dann etwa Trüffelmayonnaise oder auch Cocktailsauce. Er kennt sich aus in Sachen Gastronomie.
Ben Schaefer wurde in Ottweiler geboren und stammt aus einer Bäckerfamilie. Nur logisch also, dass er auch seine Baguettes und das Brot selbst macht – in Zusammenarbeit mit der Klosterbäckerei in Ottweiler. Das hat den Vorteil, dass er die Gärprozesse selber bestimmen kann. Dazu ist der Salzgehalt etwas geringer als anderswo.
„Flittkopp“-Baguettes künftig im Biergarten
Auf der abwechslungsreichen Mittagskarte finden sich zudem immer wieder Besonderheiten. Die Gäste erwartet neben wechselnden Tagesgerichten und einem Stammessen auch eine Auswahl, die Qualität und Geschmack verbindet.
Nachdem ich erfahren hatte, wie sorgfältig er mit seinem Brot umgeht, wunderte es mich auch nicht, welche Akzente er künftig im Biergarten setzen möchte, indem er auch dort neue Wege geht. „Meine Oma war Französin und wir nannten sie liebevoll ‚Flittkopp’“, erzählt er. „Genauso werden auch unsere Baguette und Burger heißen, die auf der Biergarten-Karte stehen werden. Wenn wir Kapazitäten haben, dürfen im Biergarten auch Gäste und Familien mit eigenem Picknick an den Tischen Platz nehmen“, kündigt Schaefer an. „Und für Hunde haben wir immer einen Trinknapf bereit“, sagt er lachend, worauf Hund Peppels zustimmend bellt. Groß, frisch und sehr reichhaltig belegt werden die „Flittkopp“-Baguettes dann künftig im Biergarten angeboten. Man könne auch in der Mittagspause vorbeischauen, um sich ein Sandwich zu bestellen – mit Fleisch oder als Veggie-Variante.
Ben Schaefer ist im besten Sinne des Wortes Kind der Gastronomie und bringt viel Sachverstand mit. Als Sohn der Bäckerei Schaefer kennt er von klein auf den Duft frischer Speisen, kennt handwerkliche Sorgfalt und echte Gastfreundschaft. Sein Berufsweg führte ihn schon zu den unterschiedlichsten Stationen. Besonders erwähnenswert dabei finde ich, dass er auf Sylt Betriebsleiter beim Traditionshaus „Gosch“ war. Doch wie so viele Saarländer zog es ihn irgendwann wieder zurück in die Heimat, und mit dem „Bistro Krempels“ hat er sich jetzt einen Herzenswunsch erfüllt. „Das Angebot zur Übernahme des ,Krempels‘ kam wie gerufen, und ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe und meine Gäste“, betont er.
Bier vom Fass von „Herz & Heimat“
Reingeschnuppert in die Karte haben wir auch schon, und ich finde sie überzeugend. Ob gebratener Lachs mit Butter, Mini-Kartoffeln und Apfelpüree, Linguine in einer dunklen Bolognesesauce mit Parmesan, Rumpsteak, Surf ’n’ Turf mit Black-Tiger-Garnelen, Ofenkartoffel mit Kräuterquark und Chimichurri-Sauce, Carpaccio vom Rind, Chili, Öl und Parmesan und Rucola, Mini-Kartoffelrösti mit Black-Tiger-Garnelen und Kräuterquark an Salat-Bouquet oder ein Soufflé an Beerenkompott und Vanilleeis. Besonders erwähnenswert finde ich Surf ’n’ Turf mit Black-Tiger-Garnelen und Ofenkartoffeln. Mir hat alles gut geschmeckt, doch dieses Gericht ganz besonders. Die Karte bietet aber noch allerlei weitere Spezialitäten, die es sich sicher auszuprobieren lohnt. Ein Besuch im „Bistro Krempels“ bedeutet für mich auch immer, dass es hier ein besonderes Bier gibt, das man nicht überall findet. 2017 wurde die kleine „Herz & Heimat“-Brauerei von Oliver Muskalla, dem Vorbesitzer des „Bistro Krempels“, gegründet. Ben Schaefer ist natürlich bei diesem hervorragenden Gerstensaft geblieben. Mehrere Sorten der St. Ing-berter Brauerei gibt es direkt frisch aus dem Zapfhahn. Muskallas erstes Bier hieß damals übrigens „Weisgerber“, lokal verbunden und verwurzelt in St. Ingbert, als Verbeugung vor dem großen Maler der Stadt, Albert Weisgerber. Ein süffiges Helles mit weniger Bitternoten als industrielles Pils. Es kam damals so gut an, dass die Bierfreaks ein zweites Bier von „Herz & Heimat“ forderten. Muskalla dachte sich, ein Weizenbier braucht der Gastronom immer. Gedacht, getan! Seither gibt es das „Ludwig“, ein Bernsteinweizen mit Zitrusnoten, das nicht nur im Sommer gut ankommt. Der Name ist zwar angelehnt an bayerische Biertradition, in diesem Fall aber eine Verbeugung vor Olis Großvater.
Das dritte Bier wurde schon etwas progressiver. Die Craft-Beer-Szene trinkt gerne Pale Ale, auf Deutsch „blasses Bier“. Hell, kupferfarben und obergärig. Kalt gehopft, dadurch gehen Fruchtnoten ins Bier über. Es heißt hier „Kronprinz“. Dazu noch ein herbes Pils, im Charakter wie einst Beckers Extra, mit einem leichten zitronigen Abgang. Es heißt „Nicos“, als Verbeugung vor Nico Becker, dem letzten Besitzer der Becker-Brauerei. Alle vier genannten Biere hat Ben Schaefer zurzeit im Zapfhahn. Mir ist es immer eine ganz besondere Freude, die Biere der Craft-Beer-Szene in Deutschland und Frankreich zu probieren. Sehr gerne trinke ich die Biere von „Herz & Heimat“. Ein weiterer Grund, hin und wieder mal ins „Bistro Krempels“ zu fahren!