Friseur und Redken-Artist Tobias Essig mit eigenem Salon in München hat sich auf die Königsdisziplin spezialisiert – Blond. Im Interview erzählt er Wissenswertes über Herausforderungen, Techniken, No-Gos und Frisurentrends für den Winter.
Herr Essig, wann und wie entstand Ihr großes Interesse für Haare und Styling?
Schon als Jugendlicher habe ich gemerkt, dass Haare für mich mehr sind als nur ein praktischer Teil des Alltags. Ich fand es faszinierend, wie stark eine Frisur die Ausstrahlung, das Selbstbewusstsein und sogar die Stimmung eines Menschen verändern kann. Während andere Fußball gespielt haben, habe ich Frisuren ausprobiert –
erst bei Freunden, dann professioneller. Für mich war schnell klar: Das ist nicht nur ein Beruf, das ist meine Berufung.
Wie kam es dazu, dass Sie sich auf Blond spezialisiert haben?
Blond ist unglaublich facettenreich – von kühlem Eisblond über warmes Honigblond bis hin zu zarten, sonnengeküssten Nuancen. Gleichzeitig ist es die Königsdisziplin: Blond erfordert Präzision, Geduld und ein tiefes Verständnis für Haarstruktur und Farbchemie. Diese Herausforderung hat mich von Anfang an gereizt. Blond ist wie eine Leinwand, auf der ich als Friseur kreativ arbeiten und die Persönlichkeit meiner Kundinnen und Kunden zum Strahlen bringen kann. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe ja selbst sehr lange, blonde Haare.
Blond kann wirklich nicht jeder Friseur – es gilt als Herausforderung. Was gibt es hier alles zu beachten?
Zunächst braucht es ein sehr gutes Verständnis der Haarstruktur: Wie gesund ist das Haar? Wie verhält es sich unter chemischen Prozessen? Dann ist die Farbtheorie entscheidend – Untertöne, Pigmente und Nuancen müssen perfekt abgestimmt werden. Blond bedeutet Feingefühl, keine Pauschallösung. Jeder Mensch hat einen anderen Ausgangston, eine andere Hautfarbe und einen eigenen Look – das berücksichtigen wir bei jedem einzelnen Blond.
Ist Olaplex immer noch so ein großes Thema bei Blondierungen beziehungsweise arbeiten Sie selbst damit?
Ja, absolut. Olaplex war ein Gamechanger in der Blondwelt. Es hat ermöglicht, Blondierungen deutlich schonender zu gestalten und Haarstrukturen zu schützen. Ich selbst arbeite aktuell bevorzugt mit Redken Flash Lift Bonder Inside. Am Ende zählt: Das Haar soll nicht nur toll aussehen, sondern auch gesund bleiben.
Klassische Strähnen sieht man kaum noch, stattdessen Balayage und Color-Contouring. Mit welchen Techniken arbeiten Sie am liebsten und wie gehen Sie vor?
Balayage ist nach wie vor ein Favorit, weil es unglaublich individuell ist – man malt das Licht quasi direkt ins Haar. Color-Contouring ist spannend, weil man mit gezielten Highlights Gesichtsformen modellieren kann. Aber auch Foilyage oder Soft-Highlights kommen bei mir regelmäßig zum Einsatz. Mir ist wichtig, dass das Ergebnis natürlich wirkt und zur Kundin passt, statt einem Schema F zu folgen.
Eine meiner Signature-Techniken ist Dimensional Blonde, bei der es auf veränderte Abstände und Auftragetechnik von unterschiedlichen Blond-Nuancen geht. Für maximale Farbdynamik, verbessertes „Rauswachs“-Verhalten, natürliches Ergebnis.
Blondiert man heute überhaupt noch das komplette Haar?
Vollblondierungen gibt es noch, aber viel seltener. Sie machen dann Sinn, wenn jemand einen sehr klaren, uniformen Look möchte – etwa ein kühles Platinblond oder ein cleanes Statement-Blond. Auch bei Typveränderungen, zum Beispiel von sehr dunklem Haar auf hellblond, kann es nötig sein. Aber die meisten Kundinnen und Kunden wünschen sich weiche Übergänge und ein natürliches Farbspiel.
Empfehlen Sie Dunkelhaarigen bei Highlights dunklere Blondtöne, um das Haar nicht zu strapazieren und um es natürlich wirken zu lassen, oder können auch stärkere Kontraste gut aussehen?
Beides ist möglich. Bei dunkler Basis wirken karamellige oder honigfarbene Highlights oft sehr harmonisch und schonend. Wer aber Lust auf Kontraste hat, kann durchaus auch hellere Strähnen tragen – wichtig ist, dass der Look zur Persönlichkeit passt. Ich sage immer: Die Haarfarbe muss die Trägerin widerspiegeln, nicht nur einem Trend folgen.
Mit welchen Färbetechniken fallen dunkle Ansätze nicht so stark ins Auge beziehungsweise worauf sollte man bei sehr dunklen Haaren achten? Und wie kann man dunkle Ansätze bis zum nächsten Friseurbesuch kaschieren?
Techniken wie Balayage oder Foilyage sind ideal, weil sie weiche Übergänge schaffen und den Ansatz fast unsichtbar wirken lassen. Bei sehr dunklen Haaren sollte man immer auf ein harmonisches Farbspiel achten, damit der Kontrast nicht zu hart wirkt. Für die Zeit bis zum nächsten Termin eignen sich Tönungssprays oder spezielle Ansatzpuder – kleine Helfer, die im Alltag Wunder wirken.
Können Naturblonde einfach mit natürlichen Mitteln oder schonenden Verfahren die Haare aufhellen?
Ja, Naturblonde haben es leichter. Oft reicht schon eine leichte Tönung oder ein Glossing, um das Haar frischer und heller wirken zu lassen. Auch Sonne hellt natürlich auf – allerdings sollte man hier unbedingt UV-Schutz verwenden, damit das Haar nicht austrocknet.
Stehen blonde Highlights jeder Frau?
Grundsätzlich ja – es gibt für jeden Typ die passende Nuance. Wichtig ist, dass die Haarfarbe auf Hautunterton und Augenfarbe abgestimmt wird. Eine kühle Haut braucht eher aschige Töne, warme Hauttypen strahlen mit goldigen oder karamelligen Highlights. Blond ist unglaublich vielseitig – man muss nur die richtige Facette finden.
Wie sollte man das Haar pflegen, wenn stark blondiert wurde?
Pflege ist das A und O. Blondiertes Haar braucht viel Feuchtigkeit, Proteine und Schutz vor äußeren Einflüssen. Ich empfehle immer ein abgestimmtes Pflegeritual mit reichhaltigen Masken, Leave-in-Schutz und regelmäßigen Salonbehandlungen. Und: Hitze-Styling nur mit Hitzeschutz, sonst leidet das Haar.
Welche Blond-Nuancen finden Sie besonders schön und warum?
Ich liebe cremige Beigetöne und kühle Champagnernuancen – sie wirken luxuriös, ohne künstlich zu sein. Aber auch sanfte Honigblonds finde ich toll, weil sie Wärme ins Gesicht zaubern. Besonders schön ist es, wenn die Nuance die Persönlichkeit der Kundin unterstreicht – dann entsteht ein authentischer Look, der strahlt.
Welche Farb- und Frisurentrends erwarten uns diesen Herbst/Winter und welche gefallen Ihnen davon besonders gut?
Wir sehen viel Natürlichkeit: weiche, sonnengeküsste Blondtöne, aber auch dunklere, satte Farben wie Espresso oder Mahagoni. Im Styling geht der Trend zu „effortless looks“ – also Frisuren, die lässig und natürlich wirken. Besonders gefällt mir, dass Individualität wieder im Vordergrund steht: weniger Perfektion, mehr Persönlichkeit.
Was waren Ihre persönlichen Highlights in Ihrer Karriere?
Definitiv die Eröffnung meines eigenen Salons hier in München – das war ein großer Traum, den ich mir erfüllt habe. Außerdem meine Arbeit als Redken-Artist: Ich liebe es, mein Wissen an andere Profis weiterzugeben, auf internationalen Bühnen zu stehen und Trends mitzugestalten. Aber das größte Highlight ist immer noch das Strahlen meiner Kundinnen und Kunden, wenn sie in den Spiegel schauen.
Gibt es No-Gos in Ihrem Salon – Welche Kundenwünsche würden Sie nicht umsetzen und warum?
Ja – alles, was das Haar nachhaltig zerstören würde, lehne ich ab. Ich sage meinen Kundinnen und Kunden ehrlich, wenn eine gewünschte Farbe nicht realistisch oder gesund fürs Haar ist. Auch extreme Farbwünsche, die nicht zum Typ passen und nur kurzfristig Freude machen, setze ich ungern um. Mir ist wichtig, dass man langfristig glücklich ist – nicht nur für einen Tag.
Haben Sie Tipps für Bad Hair Days – was tun, wenn die Haare einfach nicht mitmachen wollen?
Ja, auf jeden Fall. Ein lockerer Zopf oder ein Messy-Bun wirken oft stylischer, als man denkt. Mit ein bisschen Trockenshampoo bekommt das Haar sofort mehr Frische und Volumen. Und: Haaraccessoires sind echte Lifesaver – ein schönes Haarband oder eine Spange machen aus jedem Bad Hair Day einen Good Hair Day.
Von wem lassen Sie sich selbst die Haare schneiden/färben und worauf legen Sie Wert?
Ich vertraue mein Haar tatsächlich nur Kolleginnen und Kollegen an, denen ich zu 100 Prozent vertraue – sowohl in meinem Team als auch im Redken-Netzwerk. Mir ist wichtig, dass nicht nur die Technik stimmt, sondern dass jemand meine Persönlichkeit versteht. Haare sind so eng mit Identität verbunden – deshalb lege ich großen Wert auf Individualität und Authentizität.