Mit seiner Band Roxy Music beeinflusste er in den 70ern maßgeblich die Glam-Rock-Szene. Dann ließ er die Federboa links liegen, trug als Solokünstler lieber Maßanzüge und erfreute den Mainstream. Vor Kurzem wurde der Gentleman der Popmusik 80 Jahre alt.
Dandy of the Bizarre“ nannte ihn das amerikanische Musikmagazin „Rolling Stone“ in den 1970er-Jahren – und traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn Bryan Ferry prägte mit seiner Band Roxy Music zu jener Zeit nicht nur die Glam-Rock-Szene, sondern wechselte auch munter zwischen Art-Rock, Jazz-Standards und coolen Cover-Versionen hin und her.
Gleich die allererste Single, „Virginia Plain“, die er 1972 mit Roxy Music aufnahm, katapultierte die Band in die britischen Top Ten. Ebenso erfolgreich war das hochoriginelle Album „Roxy Music“.
In den nächsten Jahren veröffentlichte die Band bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1983 noch acht weitere Studioalben. Bei seinen glamourösen Konzert-Auftritten mit Roxy Music wirkte Bryan Ferry allerdings immer ein bisschen unterkühlt. Als Solo-Interpret verfeinerte er dann im Laufe von vier Jahrzehnten mit Charme und Contenance die Aura eines echten Crooners.
Bryan Ferry wurde 1945 in Washington geboren, einer Stadt im Norden von England. Er stammt aus einem typischen Arbeiterhaushalt, in dem, wie er selbst sagte, „nicht viel miteinander gesprochen wurde und es auch keine körperlichen Berührungen gab“. An der Newcastle University studierte er zunächst Kunst bei dem britischen Pop-Künstler Richard Hamilton, hielt sich als Kraftfahrer und Restaurator finanziell über Wasser und arbeitete auch eine Zeit lang als Kunsterzieher in einer Mädchenschule.
Seine große Liebe, die Musik
Seine große Liebe galt aber immer schon der Musik: dem Rhythm & Blues, der Soul- und Popmusik. Er trat damals auch als Sänger mit diversen Bands auf, spielte Klavier und komponierte schon eigene Songs. 1971 gründete er mit Freunden und Bekannten, darunter der Klangkünstler Brian Eno, die Band Roxy Music. Der Bandname ist eine Hommage an die Kinos und Ballsäle in England aus jener Zeit.
Als ehemaliger Kunststudent legte Bryan Ferry auch immer großen Wert auf die Gestaltung der LP-Cover von Roxy Music. Darauf waren statt der üblichen Band-Fotos daher stets erotisch stilisierte Frauen zu sehen. So zum Beispiel auf der zweiten LP „For Your Pleasure“ (1973) die Sängerin und Malerin Amanda Lear, die in einer nachtschwarzen Szenerie einen Panther an der Leine führte. Oder auf dem Cover von „Siren“ (1975) das blonde Luxus-Model Jerry Hall als gestrandete Sirene auf einem Felsen. Mit Jerry Hall war Bryan Ferry außerdem von 1975 bis 1977 liiert und sogar verlobt. Allerdings verließ ihn Hall dann für den Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger. Bryan Ferry verarbeitete diese unschöne Trennung anschließend auf seiner Solo-LP „The Bride Stripped Bare“ (1978) und in dem Song „Bête Noire“ (1987). Von 1982 bis 2003 war Bryan Ferry mit dem Model Lucy Helmore verheiratet. Aus dieser Ehe stammen vier Söhne. 2012 heiratete Bryan Ferry die 37 Jahre jüngere Amanda Sheppard, mit der er seit 2009 zusammen war. 2014 folgte dann die Blitzscheidung.
Bis vor wenigen Jahren unternahm Bryan Ferry noch ausgedehnte Konzert-Tourneen auf der ganzen Welt und arbeitete dabei mit Ex-Roxy-Music-Musikern zusammen, aber auch – bei einem Abstecher in die Swing-Ära – mit dem Pasadena Roof Orchestra und später mit dem Bryan Ferry Orchestra.
Von allen Zwängen befreit
Kaum ein Sänger aus dem Popmusik-Lager hat die Vergnügungen des urbanen Nachtlebens, das Ende toxischer Liebesbeziehungen und den melancholischen Weltschmerz mit so viel geschmeidiger Kultiviertheit und mondänem Stilbewusstsein besungen wie er. In den vergangenen Jahren hat er sich allmählich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und führt, wie er sagt, „ein beschauliches Leben“. Darüber hinaus philosophiert er weiter: „Ich habe jetzt viel Zeit, um über die Dinge des Lebens nachzudenken und über Beziehungen, die wirklich wichtig sind. Das habe ich zwar auch schon früher getan, aber mit den Jahren habe ich das immer lockerer und unaufgeregter hingekriegt.“
Ganz in der Art, wie es sich eben für einen britischen Gentleman gehört, der am liebsten viel Zeit auf seinem Landsitz in der südenglischen Grafschaft Sussex verbringt.
Vergangenes Jahr erschien dann zur großen Freude seiner Fans seine De-Luxe-Box „Retrospective: Selected Recordings 1973 bis 2023“, die insgesamt 81 Songs umfasst. Doch kaum hatte man sich darauf eingestellt, dass das wohl tatsächlich der grandiose Schlussstrich unter Bryan Ferrys Karriere gewesen war, da veröffentlichte er im Frühjahr 2025 völlig überraschend doch wieder ein neues Album, auf dem er noch einmal ganz neue Wege beschritt: „Loose Talk“. Dafür holte er sich die britische Malerin und Schriftstellerin Amelia Berrett, die darauf, begleitet von diversen Instrumentalstücken, ihre poetischen Texte vorträgt.
Längst hat er sich von allen Zwängen befreit, muss nicht mehr ständig Hits wie am Fließband produzieren. Vor Kurzem feierte Bryan Ferry im kleinen Kreis seinen 80. Geburtstag.