Viel Grausames und Fürchterliches ist von 1933 bis 1945 in Deutschland geschehen. Im April 1945 war dann endlich Schluss. Außer in Waibstadt in der Nähe von Heidelberg – da ging das Grauen im April 1945 erst so richtig los: Ein ehemaliger SS-Mann und KZ-Aufseher nutzte das entstandene Machtvakuum, um mit Duldung der einmarschierten US-Armee und Unterstützung durch Verschleppte und Vertriebene eine sadistische Schreckensherrschaft in der Gegend aufzubauen. Mit dem vorgeblichen Auftrag, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, begann er stattdessen, Tag und Nacht mit seiner Bande zu rauben, zu plündern, sinnlos zu zerstören und anständige und gebildete Bürger aus ihren Ämtern zu jagen, zu foltern und hinzurichten.
Der Autor des Romans, Peter Wilhelm, der sonst durch Ratgeber und Blogs unter anderem zu den Themen Diabetes, Tod und Bestattung, Hörgeräte und Technik bekannt geworden ist, hat hier ein umfangreiches Werk zu einem wahren, aber nach 80 Jahren fast vergessenen Vorfall der Nachkriegswochen in Baden-Württemberg verfasst, der zeigt, wie schnell alles mühsam über die Diktatur Erhaltene doch noch zugrunde gehen kann, wenn sich ein neuer, machthungriger, sadistischer Psychopath durchsetzt und zur falschen Zeit am falschen Ort in Erscheinung tritt.
Obwohl die schlimmsten Themen wie massive sexuelle Übergriffe vom Autor bewusst ausgelassen wurden, ist das Buch zwar hochinteressant, aber es ist mitunter auch schwer erträglich. Und das auch, weil man weiß, dass es sich dabei eben nicht um die düsteren Phantasien eines Thriller-Autors handelt, sondern er echte Geschichte und Ereignisse aufgreift, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
In nur wenigen Wochen wurde größtes Leid unter denjenigen angerichtet, die eigentlich dachten, den Krieg doch noch halbwegs unbeschadet überstanden zu haben. Einerseits sind das alles historische Ereignisse, andererseits ist das Erzählte trotzdem auch erschreckend aktuell.