Der Schlafmohn ist eine uralte Pflanze, die für Heilzwecke genutzt wird, aber auch für das daraus gewonnene Rauschmittel Opium bekannt ist. Er hat Länder reich gemacht, Gesellschaften zerstört, Kriege entfacht und kriminelle Netzwerke geschaffen. Der in Indien geborene und in den USA lebende Schriftsteller Amitav Ghosh geht dem verheerenden Siegeszug des Opiums nach.
Nebenbei ist seine Recherche auch ein Lehrbuch über die Schamlosigkeit und Gemeinheit des Kolonialismus, der die Einwohner und Einwohnerinnen Asiens ebenso wie die Indigenen in Amerika für seine Zwecke missbrauchte. Als das von den Sklaven in Amerika mühsam gewonnene Silber zur Neige ging, mit dem England für chinesische Waren bezahlte, sattelte es um auf Opium. Ab dem 18. Jahrhundert war England der weltweit größte Drogenschmuggler. Während es große Teile Chinas süchtig machte und damit das riesige Reich schwächte, häufte es in Europa enorme Reichtümer an. Die Niederlande machten es in Java nicht viel anders.
Der Kaiser von China bestand aus Sorge um das Wohlergehen der Bevölkerung weiterhin auf dem Verbot von Opium in seinem Reich. Doch gegen die Perfidie und Rücksichtslosigkeit des englischen Kolonialregimes war er machtlos. Als sich China gegen den Drogenschmuggel aktiv zur Wehr setzte, schlugen die Engländer das Land in zwei Opiumkriegen vernichtend und zwangen es zudem zu hohen Schadenersatzzahlungen an die Dealer und zur Abtretung der Insel Hongkong. Auch die Wirtschaft in den USA hatte inzwischen den Opiumhandel für sich entdeckt.
Es ist eine bestürzende Bestandsaufnahme, wie sehr der Schlafmohn die Geschichte dieser Welt mitgestaltet hat. Schade ist nur, dass der Autor immer wieder seine schon früher erschienene Romantrilogie zitiert, in der der Opiumschmuggel ebenfalls eine zentrale Rolle spielt. Denn grundsätzlich sollten Erzählungen aus einem Roman in einem Sachbuch nichts zu suchen haben.