Seit einiger Zeit gibt es einen neuen Trend in der Verlagsszene. Ein Genre erobert die Bestsellerlisten und spaltet die Leserschaft. Vor allem die ältere Generation ist schockiert. Aber ist das nicht immer so?
Mit ihrem „New Adult“-Roman „Die Manufaktur der magischen Worte“ macht die junge Autorin Allison King nach den USA nun auch hierzulande auf sich aufmerksam. Die Autorin widmet sich in ihrem Buch einem sperrigen, aber aktuellen Thema: Borderline-Störungen. Im Mittelpunkt der Handlung: Studentin Monica, die von einem Geheimnis erfährt, das ihre Großmutter mit einer alten Bleistiftfabrik in Shanghai verbindet. Aber was geschah wirklich in der Phoenix Pencil Company?
Wer die ersten Seiten dieses Romans liest, tendiert zunächst vielleicht eher dazu, das Buch wieder wegzulegen. Doch man sollte Büchern eine Chance geben. Die Aktualität ist leider so stark ausgeprägt wie seit langem nicht.
Monicas Familie mütterlicherseits leidet an einer Borderline-Störung. Die Mütter geben diese hier als „magische Fähigkeit“ zelebrierte Krankheit an ihre Töchter weiter. Damit dies auf die Leser einen abschreckenden Effekt hat, werden die Symptome zwar ins Magische verklärt (der Begriff lautet: „Magische Borderline-Symptomatik“), aber so direkt geschildert, dass man als Leser durchaus gute Nerven haben sollte.
Wie auch Monicas Vorfahren leiden viele Borderliner an einem geschwächten Selbstbild. Sie leiden und ritzen sich, um den eigentlichen Schmerz zu betäuben. Monica kann den Teufelskreis ansatzweise durchbrechen. Zwar ist sie sehr schüchtern und hat nicht viele Freunde, aber sie kümmert sich um ihre Familie, ist kreativ –
und wächst daran.
In Anbetracht der Tatsache, dass psychische Erkrankungen in der Gesellschaft immer stärker zunehmen und besonders junge Menschen belasten, sollte dies durchaus ein Grund sein, sich diesem neuen Genre zu widmen. Denn die Welt schreit nach einer fokussierten Resilienzförderung der angespannten Jugend. Ansonsten verbauen wir alle unsere eigene Zukunft.