Saarbrücken 1950: Das Saarland ist ein politisches Kuriosum, ein von Deutschland abgetrennter Kleinstaat unter französischem Einfluss. Regiert wird er von Johannes Hoffmann, genannt „Joho“ oder auch weniger schmeichelhaft „der Dicke“. In die spannungsgeladene Nachkriegswelt führt Rainer Petto und erzählt eine Geschichte, die kaum zu glauben, aber dennoch wahr ist. Das Spannende an Romanen, die auf wahren Begebenheiten basieren, ist auch immer die Frage: Was stimmt tatsächlich, was wurde aus dramaturgischen Gründen ergänzt, wie wurden Szenen ausgebaut, wie realitätsnah sind Dialoge? Das macht auch Pettos „Geheimagent Schmeißer in Saarbrücken“ besonders lesenswert.
Im Zentrum steht der zwielichtige Agent Hans-Konrad Schmeißer – eine reale historische Figur –, der im Auftrag des französischen Geheimdienstes die Saarländer ausspionieren soll. Schnell merkt er, dass ihm vieles fremd ist: der Zungenschlag der Einheimischen, ihre ganze Art, das politische Gefüge. Als seine Auftraggeber ihn fallen lassen, steht Schmeißer mit seiner Lebensgefährtin Dorothee Schretzmair vor dem Nichts. Was folgt, ist eine Kette waghalsiger Aktionen, die in einem Höhepunkt gipfeln: dem Versuch, Bundeskanzler Konrad Adenauer und dessen Vertrauten Herbert Blankenhorn zu erpressen, ein Unterfangen, das beinahe eine Regierungskrise in Bonn ausgelöst hätte.
Petto erzählt diese Episode der frühen Bundesrepublik rund, mit journalistischer Präzision und literarischem Gespür. Besonders faszinierend ist die Vielzahl realer Personen, die in der Geschichte auftreten: von Adenauer über Heinrich Böll und Jean-Paul Sartre bis hin zu Peter Scholl-Latour.
Der Autor, Jahrgang 1950 und ehemaliger Kulturredakteur des Saarländischen Rundfunks, kennt die Region und ihre Geschichte bis ins Detail. Sein Buch ist mehr als eine politische Anekdote: Es ist lebendige Geschichte und ein ebenso spannender wie kluger Blick auf die frühen Jahre der Bundesrepublik.