Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, die Zeit möge stehen bleiben. In einem wunderbaren Augenblick für immer zu verweilen. In Maja Lundes neuem Roman geschieht genau das. Die Zeit steht still.
Der Urlaub geht immer weiter, der Tumor wächst nicht mehr, das Alter schreitet nicht voran. Die Natur jedoch folgt unbeirrt ihrem Rhythmus. Pflanzen entfalten sich, Bäume wachsen. Die Jahreszeiten wechseln wie gewohnt. Nur die Menschen scheinen aus der Zeit gefallen. Neues Leben gibt es nicht mehr, aber auch keinen Tod. Es scheint, als wäre die menschliche Verbindung zur Natur unterbrochen.
Während sich die einen voller Begeisterung ins „ewige“ Leben stürzen, erleben die anderen den Dauerzustand als Zumutung. Die Hebamme, die auf einer anderen Station aushelfen muss, weil keine Kinder mehr geboren werden. Die Unfallopfer, die nicht sterben können, egal wie zertrümmert ihr Körper ist. Die Bestatterin, die nichts mehr zu tun hat.
Doch selbst diejenigen, die den Stillstand zunächst begrüßen, werden mit der Zeit unruhig. Der Urlaub wird langweilig. Paare zerstreiten sich. Viele fühlen sich zum Nichtstun verdammt. Werdende Eltern können nicht mehr warten. Voller Ungeduld lassen sie ihre Kinder frühzeitig durch einen Kaiserschnitt holen. Verzweifelte suchen den Selbstmord, um ihrem Leiden zu entkommen. Aber sie sterben nicht. Verschwörungstheorien breiten sich aus. Forderungen an die Politiker werden laut. Fieberhaft arbeiten Forschergruppen daran, die Ursachen zu finden, um eine Lösung zu entwickeln und den Schaden möglichst zu begrenzen. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Autorin Maja Lunde erzählt eindrucksvoll vom Erleben der Romanfiguren und ihren Versuchen, die Krise zu bewältigen. Überzeugend beschreibt Lunde, wie sich die Menschen im Laufe des Stillstands verändern und ihr bisheriges Leben infrage stellen.
Die Autorin macht deutlich, wie sehr wir Menschen auf Wachstum und Entwicklung angelegt sind, und dass wir alles Werden und Vergehen brauchen, wie die Natur es uns zeigt.