Pünktlich zu ihrem 90. Geburtstag im September ist Ingrid Nolls neuer Roman „Nachteule“ erschienen.
Die Krimibestsellerautorin begeistert auch im hohen Alter durch ihre originellen Figuren und einen Schreibstil mit feinem Humor und leisem Sarkasmus. Für ihr Lebenswerk erhielt die Autorin Anfang dieses Jahres das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Im Mittelpunkt des Romans steht die 15-jährige Luisa, die aus Peru adoptiert wurde. Das außergewöhnliche Mädchen scheint hochbegabt und verfügt über eine besondere Fähigkeit: Sie kann im Dunkeln sehen. So streift sie nachts völlig unbesorgt durch die Gegend.
Eines Abends entdeckt sie im Wald den jungen Obdachlosen Tim, der sich offenbar dort versteckt hält. Sie merkt bald, dass er es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Doch sie fühlt sich magisch zu ihm hingezogen und verliebt sich in ihn. Zunächst versorgt sie ihn mit Lebensmitteln, dann gewährt sie ihm heimlich Unterschlupf. Luisa will Sozialarbeiterin werden. Damit rechtfertigt sie ihre Gewissensbisse vor sich selbst.
Ihre Eltern bemerken nichts. Sie reden sich ein, Luisas seltsames Verhalten läge an der Pubertät. Viel zu sehr sind sie mit ihren eigenen Problemen beschäftigt.
Als Außenseiterin ohne Freunde erfährt Luisa von Tim Anerkennung und Wertschätzung.
Wegen ihres fremdländischen Aussehens und ihrer Klugheit erlebt sie in der Schule Mobbing und Alltagsrassismus. Während sie Tim hilft, genießt sie die Freiheit, eigenständige Entscheidungen zu treffen, unabhängig von ihren Eltern. Es ist Luisas Form der Rebellion gegen die Überbehütung zu Hause. Dabei verstrickt sie sich zunehmend in die kriminellen Machenschaften von Tim, nach dem gefahndet wird. „Nachteule“ ist kein klassischer Kriminalroman, bei dem die Ermittlungen eines Kommissars im Vordergrund stehen. Zwar verzichtet die Autorin nicht auf Mord, Raub und andere Verbrechen, doch gleichzeitig erzählt sie eine spannende Coming-of-Age-Geschichte einer sympathischen Außenseiterin.