Cordt Schnibben, Jahrgang 1952, wurde vor allem als tief recherchierender und hart arbeitender Journalist bekannt, der mit der „Reporterfabrik“ und vielen anderen Initiativen auch für die Ausbildung des Nachwuchses sorgte. Viele Jahre war er Redakteur beim „Spiegel“ und prägte dort den erzählerischen Reportagestil. Er tauchte in viele gesellschaftliche Themen ein und wurde zu einem der bekanntesten Reportagejournalisten seiner Generation.
2022 erlitt er mit 70 Jahren einen Schlaganfall und dann auch noch eine Corona-Infektion und entschied sich deshalb, auch noch etwas anderes schreiben zu wollen – nämlich einen Roman. Herausgekommen ist das Werk „Lila Eule“, benannt nach einem Bremer Club, der für Schnibben und viele andere zum Tor zur großen, weiten Welt wurde und heute noch existiert – die Betonung liegt auf „noch“.
„Lila Eule“ enthält viel Ost-West-Geschichte und fängt die Atmosphäre jener Zeit ein. Ob Beatclub und LSD im Westen, Rotlichtbestrahlung, Stasi im Osten oder die Techno-Szene in Fabrikkellern nach dem Mauerfall. Der auf Schnibbens Leben beruhende Roman hat unzählige unerwartete Szenen und Wendungen, und heute fragt sich Schnibben dann zu Recht, wie es wohl ausgegangen wäre, wenn er auch nur einmal anders abgebogen wäre.
Die Ausgangsgeschichte: Der Protagonist Carl flieht vor seinem Nazi-Vater in die DDR und würde gern freiwillig im „besseren Deutschland“ leben. Doch das kann die Stasi einfach nicht glauben und schlussfolgert: Er muss ja ein Spion sein, das kann doch gar nicht anders sein. Also verliert er die Aufenthaltserlaubnis und damit auch seine große Liebe. Kann er sie nach dem Mauerfall endlich wiedersehen? Und warum ist der Mensch schlau genug, um zu erkennen, wie er die Welt besser machen kann, aber dumm genug, um daran immer wieder zu scheitern?
Nur ein solcher Wandler zwischen den Welten konnte diesen zeitgeschichtlichen Musik-, Liebes- und Agentenroman schreiben.