Die Costa Brava in Spanien ist wegen ihrer Schönheit ein Touristen-Hotspot. Neben den Hochburgen finden Urlauber noch die ein oder andere etwas ruhigere Oase auf den Campingplätzen.
Tiefblaues bis türkisfarbenes Wasser, steile, bunte Felsenwände, gelber Sand und Piniengrün, das seinen Harzduft mit dem Salzgeruch des Meeres mischt. Bei Portbou, gleich hinter Frankreich, fängt jene wunderbare Landschaft an, die der Dichter Ferran Agulló 1908 „die wilde Küste“ – Costa Brava – nannte.
Am Ostrand Kataloniens erstreckt sie sich am Mittelmeer entlang bis nach Lloret de Mar und Blanes, wo das Wahrzeichen des 220 Kilometer langen Küstenstreifens aus den Wellen ragt: die Felsengruppe Sa Palomera. Aus Sicht der Katalanen und ihrer Hauptstadt Barcelona ist sie das „Tor zur Costa Brava“.
Viel Grün und eine Burgruine
Die scharfkantigen Brocken stehen für das ungezähmte Wesen dieser Küste. Es blieb erhalten, auch wenn einige der einstmals stillen Fischerdörfer zu „Touristenhochburgen“ mit vollen Stränden und Marinas, großen Hotels und Apartment-Türmen wurden. Auch Blanes hat man dieses Schicksal nicht erspart. Und doch bewahrte dieser Ferienort mit viel Beton ein paar natürliche Oasen. Neben Parks sind das vor allem Campingplätze. Zu den ältesten gehört Camping Solmar mit seiner großzügigen Badelandschaft als Refugium zwischen den hohen, kahlen Wänden nüchterner Gebäude. Wer Grünes liebt, kommt hier auf seine Kosten – auch in der näheren Umgebung. Denn der Jardí Botànic Marimurtra in Blanes zählt nicht zuletzt aufgrund seiner Lage und Aussichten zu den schönsten botanischen Gärten am Mittelmeer. Sein über 16 Hektar großes, üppig bepflanztes Gelände dient vor allem wissenschaftlichen Zwecken. Es breitet sich auf einer Klippe am Fuße des Hügels Sant Joan aus.
Ein Viertel der als Bergpark inszenierten Fläche steht Besuchern zur Verfügung. Das Bild bestimmt die mediterrane Flora mit Palmen, Pinien und Zypressen, Sukkulenten und Kakteen. Dazu gesellen sich Gewächse aller Kontinente. Gegründet wurde der Garten 1921 von dem deutschen Industriellen und Wissenschaftsmäzen Karl Faust (1874–1952) aus Hessen.
Unweit des Gartens offeriert Castell de Sant Joan den besten Blick auf Stadt und Meer – Sa Palomera in der Mitte. Die Burgruine oberhalb von Blanes thront 173 Meter überm Strand. Ihr weithin sichtbarer, 15 Meter hoher Rundturm ist neben ein paar Mauerresten und einer Zisterne das einzige original erhaltene Gebäude der romanischen Festung. Um das Jahr 1000 wurde sie zum Schutz vor Seeräubern errichtet.
Bei sehr klarer Sicht sieht man von dort sogar den Montjuïc, einen der beiden Hausberge von Barcelona. Weit davor erstreckt sich das Tordera-Delta – ein Lieblingsort der Vögel. Viele solcher kleinen Paradiese gibt es in Katalonien, zum Beispiel im Naturpark Aiguamolls de l’Empordà.
Rosaflamingos, Weißstörche, blau-rote Purpurhühner, Regenpfeifer, Eisvögel und Bienenfresser … Die Liste aller Vogelarten, die hier leben, nisten oder auch nur parken, umfasst etwa 300 Namen. Auch seltene Pflanzen und selbst Camargue-Pferde bewohnen diesen Lebensraum zwischen zwei Flussmündungen. Auf dem „Camping Aquarius“ bei Sant Pere Pescador lassen sich etliche Federtiere sogar aus dem Camper oder Wohnmobil heraus beobachten. Auch Rad- und Wanderwege grenzen an den Platz. Liegt er doch mitten im Naturpark.
Der deutsche Eigentümer Markus E. Rupp, der hier bereits als Kind zu Hause war, erklärt den Grund des Privilegs: „Meine Eltern erwarben das Grundstück 1972 und errichteten den Campingplatz. 1983 wurde er zusammen mit dem ganzen Feuchtgebiet unter Naturschutz gestellt. Vieles musste zurück- und umgebaut werden, doch das Camping konnte weitergehen“, so der gebürtige Stuttgarter.
Heute profitiert der dichtbegrünte, schattenreiche Platz von seiner Nähe zur Natur, dem unverbauten Blick auf den Strand, das Meer und die Umgebung. Zweimal wöchentlich starten geführte E-Bike-Touren – auch in die antike Hafenstadt Empúries, heute die bedeutendste Ausgrabungsstätte an der Costa Brava und ein archäologisches Freilichtmuseum.
Ein extra Bereich für Hunde
Gegründet wurde sie im Jahre 575 vor Christus von griechischen Kolonisten, später von den Römern besetzt und immer wieder von Piraten überfallen und geplündert. Aufgegeben und verlassen, geriet die Stadt schon ab dem Mittelalter in Vergessenheit. Erst 1908 begann man mit den Ausgrabungen. Zu den herausragenden Funden zählen die Überreste eines Tempels für den Gott der Heilkunst, Asklepios.
Ganz in der Nähe, ebenso direkt am Strand, befinden sich drei weitere, sehr große Campingplätze. Einer davon ist La Ballena Allegre. Auffällig viele Rad- und Rollerfahrer sind hier unterwegs. „Es ist praktisch, wenn man sich in einem 24 Hektar großen Areal bewegt“, sagt Resort-Managerin Raquel Martinez. Deutsch lernte sie während des Studiums in Heidelberg.
Zwei Kilometer zieht sich der asphaltierte Hauptweg durch das Resort. Die meisten Gäste nutzen ihn als Bummelmeile – grüne Ausblicke und frische Seeluft inklusive. Übersichtlich angeordnet sind die durchweg großflächigen Rasenstellplätze, die neben Strom- und Wasseranschlüssen auch eine Abwasserentsorgung haben. Für Privatsphäre sorgt die Bepflanzung, sie spendet auch Schatten.
Dank dessen, dass die Anlage zwar lang gestreckt, doch zugleich schmal ist, sind es von jedem Stellplatz stets nur ein paar Schritte bis zum Meer. Jeden Morgen wird der Strand gereinigt. Für Hunde gibt es dort wie auf dem ganzen Platz extra Bereiche, außerdem spezielle Wiesen, Duschen sowie einen Dog-Shop, wo auch Frauchen oder Herrchen in der Gassi-Pause einen Kaffee trinken können.
Die Bucht von Roses, wo die Campingplätze Aquarius, La Ballena Allegre, aber auch L’Amfora und Las Dunas angesiedelt sind, gilt als der Kiter-Hotspot an der Costa Brava. Sie ist relativ wind- und wellensicher und bietet mit ihren flachen, breiten Sandstränden ideale Bedingungen zum Ein- und Ausstieg. Während der Sommermonate strömen meist mittags bis nachmittags thermische Winde aus Südosten. Vor allem im Winter bestimmt die Tramontana das Geschehen. Dieser kalte und oft böige Wind aus Norden bis Nordwesten macht mit hohen Wellen anspruchsvolle Kiter froh.
Für sportliche Abenteuer unter Wasser ist ausgerechnet ein Platz sehr begehrt, der nicht einmal direkten Meereszugang hat. Er heißt Les Medes und war früher eine Farm.
Tauchen im Meeresschutzgebiet
Mit seinen roten Ziegeldächern und den strahlend weiß getünchten Wänden erinnert das historische Empfangsgebäude an die Zeit, als hier noch ganz traditionelle Landwirtschaft betrieben wurde. Der nächste Blick holt den Betrachter in die Wirklichkeit zurück – oder ist es eine Traumkulisse?
Gesäumt von Gras und malerischen alten Palmen lädt der Pool zum Schwimmen ein. Am nahen Horizont dahinter erheben sich die Berge des Montgrí-Massivs. Auf einem seiner Gipfel steht die gleichnamige Burg. Im Vordergrund verstecken sich im Grün der Bäume Stellplätze und Waschhäuser. Die hellen Räume sind geschmackvoll hergerichtet. Am schönsten sind die Kinderbadezimmer mit den kunterbunten Fliesenzwergenreliefs. Gelegenheit zum Spielen, auch für Sport, gibt es am Rand des Grundstücks, das an Felder grenzt.
Das Mittelmeer, das einen Kilometer weiter rauscht, erscheint den Gästen durch das platzeigene Tauchzentrum viel näher. Im Camping-Pool starten die ersten Übungsstunden. Zum Tauchen, aber auch zum Schnorcheln, wartet dann – von Zackenbarschen, Adlerrochen, Tintenfischen und Muränen dicht bevölkert – ein echter Hotspot für den Unterwassersport: das Meeresschutzgebiet der sieben Medas-Inselchen unweit der Küste.