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WAS MACHT EIGENTLICH...

1963: Ein Jahr vor ihrem großen Durchbruch bekam Catherine Deneuve ihren Sohn Christian, der auch schauspielt
Foto: picture alliance/United Archives

Catherine Deneuve?

Sie schaffte 1967 den internationalen Durch­bruch. Danach spielte sie in über 140 Film­produktionen und wurde zu einer der erfolg­reichsten französischen Schauspielerinnen. Die 82-Jährige steht immer noch vor der Kamera und mischt sich in gesellschaftliche Debatten ein.

Catherine Deneuve ist sicher eine der wichtigsten französischen Schauspielerinnen. Sie hat zweimal den César als bedeutendsten Filmpreis ihres Landes erhalten und wurde 2022 für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Ehrenlöwen der 79. Internationalen Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet. Sie hat mit Star-Regisseuren wie Luis Buñuel, François Truffaut oder Roman Polanski gedreht und mit prominenten Kollegen wie Jean-Paul Belmondo, Gérard Depardieu, Jack Lemmon oder Burt Reynolds vor der Kamera gestanden. Aber ein Oscar als Ritterschlag in den USA blieb ihr verwehrt, nur für ihre Rolle in „Indochine“ bekam sie 1992 eine Nominierung.

Hollywood war nie ihr Ziel

Allerdings betont Deneuve, dass sie nie eine Hollywood-Karriere angestrebt hat. In die USA zu ziehen und dort auf passende Angebote zu warten, war für sie nie eine Option. Gerüchteweise soll sie aber Chancen gehabt haben, 1973 im Bond-Film „Leben und leben lassen“ ein 007-Girl zu spielen, was sie aber im Nachhinein im Hinblick auf die Rolle als „wenig interessant“ einstuft. Dank ihrer „außerirdischen Schönheit“ und ihrer „Aura des Unerreichbaren“ wurde Deneuve aber dennoch weltweit zum „Sinnbild kontrollierter Eleganz“ und zur „Grande Dame“ Frankreichs, auch wenn sie ein ziemlich unkonventionelles Leben führte und nicht viel auf bürgerliche Konventionen gab: „Ich bin eher unvernünftig. Und mir sind Menschen lieber, die auch unvernünftig sind“, setzt sie sich ein wenig von öffentlichen Wahrnehmungen ab. Deneuve gibt bis heute nicht viel auf gesellschaftliche Regeln, hat sich zu einer Abtreibung bekannt, raucht öffentlich wie ein Schlot, hat zwei uneheliche Kinder von zwei Männern und hat immer wieder kontrovers zu gesellschaftlichen Themen Stellung bezogen. Beispielsweise hat sie sich in der „#MeToo“-Debatte 2018 dafür eingesetzt, nicht jeden ungeschickten machohaften Annäherungsversuch als sexuelle Belästigung zu brandmarken. Nach dem Protest vieler Frauen distanzierte sie sich aber wieder von ihren Äußerungen. Im Vorjahr hat Deneuve auf dem Taormina-Filmfestival die zunehmende Gewalt gegen Frauen angeprangert und darüber geklagt, dass in Frankreich kaum politische Gegenmaßnahmen ergriffen würden, die Justiz viel zu langsam arbeite und bei Klagen von Frauen oft Aussage gegen Aussage stünde.

Die 82-Jährige steht immer noch vor der Kamera. Hier zu Gast bei den 79. Filmfestspielen von Cannes
Die 82-Jährige steht immer noch vor der Kamera. Hier zu Gast bei den 79. Filmfestspielen von Cannes - Foto: picture alliance / Rocco Spaziani

Nach dem Film „Marcello mio“, in dem Deneuve 2024 zusammen mit ihrer Tochter Chiara Mastroianni spielte, übernahm sie im gleichen Jahr in „Spirit World“ die Rolle einer bekannten Sängerin, die vor ihrem letzten Konzert mit Geistern der Vergangenheit und der eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird. Deneuve zieht aber keine Parallelen zu ihrer persönlichen Situation: „Ich bin keine nos­talgische Person und lebe sehr in der Gegenwart und der nahen Zukunft! Geister sind nicht meine Philosophie.“ Und auch die Endlichkeit des menschlichen Lebens sieht die 82-Jährige eher gelassen: „In meinem Alter muss man noch nicht an ein Ende denken, aber es ist immer mit einem verbunden.“ Dennoch denkt die Französin, die selbst im höheren Alter jedes Jahr ein, zwei Filme dreht, noch nicht an einen Rückzug: „Ich bin noch nicht bereit für eine Karrierebilanz“, betonte sie kürzlich im Magazin „Variety“.

Serie könnte auch reizvoll sein

Gesundheitlich musste Deneuve in den vergangenen Jahren aber durchaus Rückschläge hinnehmen: 2019 erlitt die Vielbeschäftigte während der Dreharbeiten zu Emmanuelle Bercots Film „Living“ einen leichten Schlaganfall, der sie aber nicht an der Fortsetzung ihrer Arbeit hinderte. Auch der „erschütternde“ Einschnitt durch die Corona-Pandemie konnte ihre beruflichen Aktivitäten nur kurz ausbremsen. 2023 spielte sie in dem Film „Bernadette“ die Witwe des französischen Ex-Präsidenten Jacques Chirac. Es folgte 2024 die Tragikomödie „Funny Birds – Das Gelbe vom Ei“, in der Deneuve als ehemals wilde feministische Großmutter zu sehen ist. In diesem Jahr steht sie für Asghar Farhadis „Histoires Parallèles“ an der Seite von Isabelle Huppert wieder vor der Kamera. Kürzlich hatte sie sogar nicht ausgeschlossen, auch mal in einer TV-Serie mitzuwirken.

Cathérine Deneuve ist aber nicht nur auf der Leinwand präsent. Immer wieder absolviert sie öffentliche Auftritte, früher etwa bei Mode-Events ihres langjährigen, 2008 verstorbenen Freundes Yves Saint-Laurent. 2023 war sie Stargast bei der Eröffnung der Filmfestspiele von Cannes und 2025 Gastjurorin bei „Germany’s Next Top-Model“. Ansonsten lebt die zweifache César-Preisträgerin aber ziemlich zurückgezogen in Paris, hält bewusst Distanz zu modernen Medien und lehnt soziale Netzwerke ab. In ihrem politischen und sozialen Engagement kämpfte sie bereits gegen Todesstrafe, Genitalverstümmelung und Landminen und setzte sich für die Legalisierung der Abtreibung und die Bewahrung des Welt-Filmerbes ein. 

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