Nein, früher war nicht alles besser. Einfacher vielleicht, aber besser nicht. Das ist wohl die Grundaussage des neuen Albums von Jeff Goldblum und seinem Mildred Snitzer Orchestra. Moment, Jeff Goldblum? Der ebenso animalische wie warnende Mathematiker aus „Jurassic Park“? Just jener. Der auch aus Streifen wie „Die Fliege“ oder „Wicked“ bekannte US-Schauspieler macht Musik, seit er deutlich kleiner war, als er es mit 1,94 Meter heute ist. Sein Orchester besteht lose seit den 90er-Jahren, 2018 gab es den ersten Longplayer. Mit „Still Blooming“ ist Album Nummer vier erschienen. Es überzeugt mit einer lässigen Verbeugung vor der guten alten Big-Band-Zeit und starken Arrangements.
Genau diese Arrangements sorgen auch dafür, dass keine Langeweile aufkommt, denn die neun Songs stammen aus dem „Great American Songbook“, sind also hinlänglich bekannt. Die Instrumente bekommen Luft zum Atmen, dürfen sich ordentlich austoben, niemand überspielt den anderen – Demokratie in Notenform sozusagen. Diese Gleichbehandlung aller Akteure sorgt für Easy-Listening-Wohlfühlmomente. Jeff Goldblum stellt sein virtuoses Klavierspiel nicht in den Mittelpunkt, sondern dient dem Song oder der Stimme. Zumindest bei den fünf Liedern, die gesanglich begleitet werden.
Da Goldblum eine lange Hollywoodkarriere vorweisen kann, haben es die Gaststimmen in sich. Von seinem Auftritt in „Wicked“ hat er sich die Organe gleich beider Hauptdarstellerinnen gesichert. Ariana Grande (die gute Hexe des Nordens) verschmilzt in „I Don’t Know Why (I Just Do)“ geradezu mit der Musikbegleitung. Da ist es fast schade, dass die 31-Jährige ihr hervorragendes Organ nicht öfter für gute Musik einsetzt. Die Britin Cynthia Erivo (die böse Hexe des Westens) interpretiert „We’ll Meet Again“ und schraubt ihre Stimme himmelwärts.
Zwischendurch gibt es Saxofon-Soli, Bassläufe, Tastengespräche und Gitarrenkunst en masse. „Still Blooming“ funktioniert sowohl in der Carnegie Hall, wo das Orchestra Ende April auch tatsächlich gespielt hat, wie auch im Fahrstuhl oder in der Hotellobby, als Ausklang für einen anstrengenden Tag.